Plötzlich geht hier alles sehr schnell. Seit die Tagung gestern im Plenum eröffnet worden ist, hat sich die Stimmung verändert – und zwar schlagartig. Es herrscht Hektik und, damit zwangsläufig verbunden, akute Zeitnot. Wir müssen Prioritäten setzen und uns damit abfinden, dass es schlicht nicht mehr möglich ist, alle Traktanden gründlich durchzuarbeiten.

Gestern Abend, nach dem Empfang der slowenischen Regierung, sind wir erst lange nach Mitternacht ziemlich erschöpft in die Federn gesunken; mittlerweile steht auch fest, dass mehr als vier Stunden Schlaf in einer Nacht kaum noch drin liegen. Keine Chance, die Laufschuhe zu schnüren, um das Hirn auszulüften.

Neben dem Studium der Unterlagen drängen sich so banale und unnötige Probleme wie das Fehlen einzelner Delegationen auf. Wo sind die Portugiesen? Wir schalten Sigrid in Wädenswil ein, damit sie das abklärt; denn ohne Portugal geht eine Stimme für die Wale verloren – und das kann matchentscheidend sein, wenn über Anliegen abgestimmt wird, die erst mit einer Dreiviertel-Mehrheit durchgesetzt werden können.

So ist es an diesem Morgen auch dem geplanten Walschutzgebiet im Südatlantik ergangen. Mit 38 zu 24 Stimmen hat sich zwar eine absolute Mehrheit der Teilnehmenden für die Einrichtung dieser Schutzzone ausgesprochen, aber eben – es haben ein paar wenige Stimmen zum erforderlichen Quorum gefehlt. Die Niederlage schmerzt aus mehreren Gründen: Zunächst einmal waren es vor allem kleine karibische Inselstaaten sowie sozial schwache Länder auf dem afrikanischen Kontinent, welche die Vorlage zu Fall brachten – alles Länder, die selbst in keiner Weise betroffen gewesen wären; umgekehrt haben alle Nationen, deren Küstenlinie an die fraglichen Meeresabschnitte grenzt, die Vorlage unterstützt. Und zweitens hat wirklich nur sehr wenig gefehlt, um die grosse Vision vom zusammenhängenden Schutzgebiet in der südlichen Hemisphäre Wahrheit werden zu lassen.

Niederlagen gehören dazu, danach heisst es: Aufstehen und die nächsten Themen anpacken.

Während der brasilianische Umweltminister ankündigte, für die nächste Tagung die Walfangkommission nach Brasilien einzuladen, beschäftigten wir uns schon wieder mit einem ganz anderen Problem: der Versuch des Pro-Walfangcamps, unter dem Vorwand der Nahrungsbeschaffung den kommerziellen Walfang über eine neue Hintertür zu legalisieren. Das ist für uns natürlich inakzeptabel, aber dazu später mehr. Muss los …!

 

Nicolas Entrup

Nicolas Entrup

Ocean Policy Consultant bei OceanCare

Zusammen mit Fabienne McLellan berichtet Nicolas Entrup täglich über die aktuellsten Entwicklungen an der 66. Internationalen Walfangkonferenz (IWC) in Portoroz, Slowenien.

FAQs zur IWC