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Strip us! Obst und Gemüse sollen aus Plastik befreit werden

25. April 2022

Wer Obst und Gemüse in Bio-Qualität kauft, will damit sich selbst und der Umwelt etwas Gutes tun. Dem widerspricht, dass die Produkte oft in Plastik verpackt sind. OceanCare fordert die Grossverteiler auf, sie plastikfrei anzubieten.

Die Schweiz generiert im europäischen Vergleich überdurchschnittlich viel Abfall, darunter Berge von Verpackungsmaterial. Auch Bio-Obst und Bio-Gemüse ist in Plastik verpackt. Weshalb eigentlich? Die meisten Sorten sind von Natur aus durch eine Schale geschützt oder werden vor dem Verzehr gewaschen.

Fadenscheinige Argumente

Grossverteiler argumentieren, sie müssten Bio-Produkte mittels Plastikverpackung klar kennzeichnen. Für das meiste Obst und Gemüse gibt es aber nachhaltigere Wege: etwa die Laser-Tätowierung. Dabei werden mit einem Lichtstrahl Pigmente in Form eines Labels aus der Schale entfernt. Das Produkt bleibt dabei intakt und – anders als bei der Plastikverpackung, aus der Giftstoffe in Lebensmittel übergehen können – auch schadstofffrei.

Ins Feld geführt wird auch die Haltbarkeit der Ware, was unterschiedlich interpretiert wird: So erachtet es die Migros als notwendig, einzelne Salatgurken in Plastik einzuschweissen, Coop hingegen versieht diese lediglich mit einem Aufkleber.

OceanCare plädiert bei Bio-Obst und Bio-Gemüse exemplarisch für «unverpackt». Dass sich dies auch für die Grossverteiler auszahlen kann, macht ein Beispiel aus Neuseeland deutlich: Supermärkte, die Früchte und Gemüse konsequent ohne Verpackung anboten, verdreifachten damit deren Absatz. Ein deutlicheres Zeichen könnten Kunden nicht setzen.

Schweizer Grossverteiler unter die Lupe genommen

OceanCare untersuchte 2018 in den Schweizer Filialen von Aldi, Coop, Lidl, Migros, Landi, Denner und Reformhaus Müller, wie Bio-Obst und -Gemüse verpackt ist. Die Ergebnisse waren ernüchternd: Aldi und Lidl wiesen eine Quote von 100% Plastikverpackung auf, Coop lag bei 98.3% und Migros bei 96.2%. Das Reformhaus Müller wies mit 16,1% den besten Wert auf. Bei Denner und Landi fand sich kein Obst oder Gemüse in Bio-Qualität im Angebot.

Parallel zur Untersuchung ging OceanCare auf die Grossverteiler zu. Über 20 000 Konsumentinnen und Konsumenten stärkten der Organisation mit Unterzeichnung der Petition «Strip us!» dabei den Rücken.

Strip us! Broccoli - Biogemüse plastikfrei

Gesprächsbreit zeigten sich die Nachhaltigkeitsverantwortlichen von Coop, Migros, Lidl und Aldi. Coop bat um detaillierte Informationen zu den Kundenwünschen und kündigte in der Folge an, kontinuierlich auf Plastikverpackungen für Bio-Früchte und -Gemüse verzichten zu wollen. Das Unternehmen lud OceanCare zu einem Seminar ein, bei dem es um weitere Plastikreduktionen ging. Lidl und Aldi versprachen, für Eigenmarken bis zu 25% weniger Plastikverpackung zu verwenden und auf recyclingfähige Materialien umzustellen; Aldi beschloss, 2019 in der Schweiz die Laser-Tätowierung zu testen. Einzig die Migros legte zu diesem Zeitpunkt noch keine Pläne offen.

Im Februar 2019 verglich OceanCare das Angebot der Grossverteiler mit jenem des Vorjahrs: Mit 8,7% hatte Lidl am meisten Einwegplastik reduziert, gefolgt von Aldi mit 8% und Coop mit 7,7%. Weit abgeschlagen lag die Migros mit 0,2%. Lidl hatte eine erste Bio-Mango mit Laser-Tätowierung im Angebot.

Die Entwicklung zeigte in eine gute Richtung, ging aber zu langsam voran. In einem offenen Brief wies OceanCare auf diesen Umstand hin und motivierte die Grossverteiler – ganz im Sinne der Kundschaft – dazu, ambitioniertere Schritte zu unternehmen.

Plastikfrei: wir alle haben die Wahl

OceanCare steht mit den Grossverteilern weiterhin in Gespräch. Konsumentinnen und Konsumenten müssen aber nicht tatenlos warten, bis diese die Zeichen der Zeit erkennen.

Wir alle entscheiden, wo und in welcher Form wir unser Obst und Gemüse kaufen. Wochenmärkte etwa bieten ein vielfältiges unverpacktes Angebot aus der Region an. Und auch Bioläden oder Lieferdienste warten mit frischen, naturbelassenen Produkten auf. Nichts hindert uns daran, den Grossverteilern mit gutem Beispiel voranzugehen.

«Strip us!» in den Medien

FM1 19.3.2018
WATSON 26.4.2018
Blick 9.4.2018