Abidjan/Wädenswil, 26. Juli 2018: Am 25. Juli wurde der Africa Day of Seas and Oceans würdig begangen, als OceanCare und Partnerorganisationen die erste offizielle Konferenz der Abidjan Aquatic Wildlife Partnership (AAWP) abschlossen.

Im Vergleich zu terrestrischem „Bushmeat“ fällt die Notlage der Meerestiere, die gejagt, gehandelt, konsumiert oder anderweitig genutzt werden, oft durch den Rost der nationalen, regionalen und internationalen Politik. Bei Delphinen, Seekühen, Schildkröten, Krokodilen oder Seevögeln wird der Begriff „Aquatic Wildmeat“ verwendet, um die traditionelle oder Subsistenznutzung von Fleisch, Schildkrötenpanzern, Knochen oder Organen zu beschreiben. Diese Nutzung, inklusive der Verwendung als Köder in der Fischerei, ist leider ein wachsendes Problem, insbesondere in Westafrika.

Die Abidjan Aquatic Wildlife Partnership (AAWP), an deren Gründung OceanCare massgeblich beteiligt war, ist eine Multi-Stakeholder-Initiative im Rahmen der Abidjan-Konvention, die sich dieses Themas in West-, Zentral- und Südafrika annimmt.

Joanna Toole, Ocean Policy Consultant für OceanCare, erklärt: „Die illegale und unkontrollierte Jagd und der Handel nehmen zu, was zum Teil an einer Kombination aus Bevölkerungswachstum, steigender Industrialisierung, Überfischung und Marginalisierung der Küstengemeinden liegt. Diese Entwicklung bedroht Meerestiere und kippt das empfindliche Gleichgewicht, das in früheren Generationen eine Koexistenz von Menschen und Wildtieren ermöglichte. Ohne Gegenmassnahmen auf regionaler Ebene werden sowohl Menschen als auch Tiere an den Folgen leiden, denn es ist langfristig alles andere als nachhaltig, Nahrung und Einkommen aus Arten wie Schildkröten, Delphinen oder Manatis beziehen zu wollen. Viele dieser Arten sind bereits über ihre Grenzen hinaus belastet und können einer stärkeren Nutzung durch den Menschen nicht standhalten.“

OceanCare hat zusammen mit den anderen Gründungspartnern – der Abidjan-Konvention, dem von USAid finanzierten West Africa Biodiversity and Climate Change Program (WA BiCC) sowie Wild Migration – die letzten eineinhalb Jahre daran gearbeitet, diese dringend benötigte Partnerschaft von einem Konzept zu einer Realität zu machen.

Nun versammelten sich mehr als 40 Teilnehmer, darunter Experten von afrikanischen und internationalen Wissenschaftsinstitutionen und NGOs, Regierungsvertreter aus Westafrika und Repräsentanten internationaler Gremien, um Ziele, Struktur und Funktion der AAWP festzulegen und über Prioritäten für gemeinsame Massnahmen als Ausgangspunkt für einen regionalen Aktionsplan zu beraten.

Die Konferenzteilnehmer einte die Überzeugung, dass dieses Thema nicht nur für den Artenschutz bedeutend ist, sondern auch eng mit den Themen Ernährungssicherheit, Lebensunterhalt und Armut verknüpft ist. Viele Menschen nutzen diese Tiere zur Versorgung ihrer Familien. Die AAWP war sich daher einig, dass jegliche Lösung auch alternative Formen des Lebensunterhalts einschliessen und grosse weltweite Probleme behandeln muss, insbesondere die Überfischung durch ausländische Flotten sowie den illegalen, nicht gemeldeten und unregulierten Fischfang (IUU-Fischerei). Ausserdem müssen kulturelle Aspekte berücksichtigt werden, etwa die Nutzung dieser Arten für traditionelle Speisen oder zu medizinischen Zwecken. Ein weiteres sehr wichtiges Thema ist der Graubereich zwischen ungewolltem Beifang und gezieltem Fang.

Die Partnerschaft betonte auch das Problem zu schwacher Gesetzgebung sowie mangelnder Umsetzung geltenden Rechts. Als weitere Prioritäten wurden die Förderung der behördlichen Handlungskompetenz bei der Erkennung und Bekämpfung von Straftaten sowie die Bewusstseinsbildung auf Gemeindeebene genannt.

Trotz des ungeheuren Ausmasses der bevorstehenden Herausforderungen zeigten sich die Mitglieder der Partnerschaft zuversichtlich und lobten besonders die Initiativen, die in mehreren Ländern bereits auf lokaler Ebene laufen. Die AAWP wird den Erfahrungsaustausch verbessern, damit neue Projekte aus den Erfahrungen der bereits bestehenden lernen können.

Joanna Toole: „Diese Tagung ist ein wichtiger Schritt hin zu sektorübergreifenden Massnahmen, um die Problematik Aquatic Wildmeat zu verstehen und Lösungen zu finden, die gut für die Tiere, die Menschen und den Planeten sind. Wir wissen, dass wir uns noch viel Information erarbeiten müssen, noch viel mehr Menschen einbinden müssen und noch viel mehr Zusammenarbeit auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene benötigen. Aber das versammelte Wissen und die Kompetenzen der Konferenzteilnehmer sind ein vielversprechender Anfang.“

Die AAWP verfügt nun über eine Ad-Hoc-Steuerungsgruppe und wird sich als nächstes der Fertigstellung des Entwurfs für den Massnahmenplan widmen. Ausserdem werden Kommunikationsmechanismen etabliert und Kontakte zu weiteren wichtigen Stakeholdern geknüpft. Voraussichtlich werden sich die ersten Projekte auf die Verbesserung der Datenlage konzentrieren, damit die Regierungen und andere Stakeholder mit dem Wissen ausgestattet werden, das sie benötigen, um das Thema anzugehen. Die Mitgliedstaaten der Abidjan-Konvention werden bei ihrer nächsten Konferenz im Frühling 2020 Gelegenheit haben, die Arbeit der AAWP zu beurteilen, zu unterstützen und zu kommentieren.