Das neueste vegetarische Kochrezept für das nächste Mal, wenn Sie auf einem Haifischerboot  reisen.

Anleitung:
•    Schneiden Sie eine Limone pro Person in feine Würfel
•    Träufeln sie den Saft von zwei ausgepressten Limonen über die Zwiebelwürfel.
•    Warten Sie 20 Minuten, damit die Säure des Limonensaftes die Zwiebel ¨kocht¨

Fertig – Viel Spass beim Genuss dieses vitaminreichen und gesunden (anti-Skorbut) Salates!

Falls Sie sich jemals gefragt haben, was ein Vegetarier isst, wenn er einen Monat lang auf einem alten hölzernen Haifischerboot mitfährt, um das illegal Töten von Delphinen als Haifischköder in Peru zu dokumentieren, dann haben Sie gerade einen Teil der Antwort erhalten.
Unsere Küche an Bord bestand aus einem Camping-Gaskocher, der in der linken oberen Ecke unserer Kajüte angebracht war. Unser Tisch, auf dem die Speisen zubereitet wurden, bestand aus Decksplanken, die ansonsten täglich während der Arbeit mit Delphin- und Haifischblut, Innereien, Erbrochenem, Fischfett und ausgelaufener Hirnmasse und Augenflüssigkeit bedeckt waren. Und natürlich wurde das Essen mit den Schlachtermessern zubereitet.

Gastblog von Stefan Austermühle, Präsident Mundo Azul

Nach dem Essen wurde alles – ganz ökofreundlich – ohne Geschirrspülmittel, aber mit Seewasser gewaschen. Die Fischer kochten leider jeden Tag entweder Fisch oder Fleisch (das in einem zerfetzten Papiersack auf Eis zwischen den Fisch-Kadavern aufbewahrt wurde) und das war ein Problem. Als Vegetarier muss man da schon Selbstversorger sein. Während der 24 Tage an Bord bestand mein Essen aus:

Morgens, mittags und abends: 6 Esslöffel auf Vorrat selbstgemachtes Müsli (Haferflocken, Walnüsse, Mandeln, Rosinen, etc. in Öl gebraten und mit Zimt angesüsst), 1 Apfel und 1 Orange
In der ersten Woche hatte ich noch eine Banane pro Tag und in der letzten Woche meinen täglichen Zwiebelsalat. Man kann tatsächlich davon leben, aber ich verlor 6 Kilos Körpergewicht.
Mit den Essensbedingungen hatte ich vorher gerechnet, mit dem Rest nicht. Meine Koje war ein Holzbrett und die nächste Koje war so dicht über mir, dass ein Umdrehen oder gar nur seitliches Liegen unmöglich war, da meine Schultern einfach zu breit waren für jede Drehung (und ich gehe nicht einmal ins Fitness-Studio!). Am Morgen nach der ersten Nacht wusste ich, dass mir 24 Folternächte bevorstanden und dass Rückenschmerzen mein ständiger Begleiter werden sollten.

Und dabei hatte ich noch riesiges Glück, denn ich werde nicht seekrank – nie. Ich segle jetzt schon seit 15 Jahren in Peru und fahre auf unserem Motorboot auf Delphinforschung. Auch in Sturmsituationen wurde ich nie seekrank . Das war jetzt sehr nützlich, denn wenn ich in der Koje lag, am Bug des Bootes, mit dem Kopf in Fahrtrichtung, dann kam mir der Magensaft bei jedem Wellental den Hals raufgeschossen.

Das nächste Problem war hart: In der zweiten Nacht füllte sich der Kajütenboden mit Seewasser und mein Schlafsack nässte durch. Drei Wochen feuchtes Schlafen. Dies, kombiniert mit klammer Kleidung und feuchtem, super-kaltem Seewind und das Resultat ist klar: Drei Wochen lang habe ich 24 Stunden lang gefroren.

Auf der anderen Seite hat das natürlich geholfen, ein anderes Problem zu lösen. An Bord gab es weder Waschbecken noch Dusche. Aber wer hat schon Lust, sich bei einer solchen Kälte zu duschen? Nach zwei Wochen war das Jucken auf der Kopfhaut dann doch so heftig, dass ich etwas Neues lernte: Wie kann man sich mit 1.5 Liter Mineralwasser komplett duschen? Und das auf einem ständig sich auf alle Seiten bewegenden Holzdeck ohne Duschvorhang (eine echte Freikörperkultur-Dusche).

Blieb also nur noch ein Tabuthema zu lösen: Wie geht man aufs Klo, wenn es kein Klo gibt? Falsch! Es gab ein Klo: Ein Holzbrett, das hinten am Boot von aussen an die Bordwand genagelt war. Man musste also nur über die Bordwand steigen und sich aufs Holzbrett stellen. Einen Moment lang loslassen und die Hose runterlassen, ganz schnell wieder  an der Bordwand festhalten, bevor man ins Wasser fällt, hocken,..nanana …. Hose wieder hochziehen ohne reinzufallen und zurück ins Boot klettern.

Tagsüber bei ruhiger See war das alles kein Problem: frische Luft, toller Seeblick, was will man mehr? Leider waren die ersten fünf Tage stürmische See und nachts wurde mir dann doch schon mulmig, denn Eines war klar: wäre ich ins Meer gefallen, hätten meine Fischer das gar nicht mitbekommen. Wenn die mich nur 15 Minuten lang nicht vermisst hätten (und das war die durchschnittliche Toilettenzeit bei der Prozedur) wäre ich schon so weit hinter dem fahrenden Boot zurückgeblieben und von der Strömung seitlich abgetrieben, dass die mich nachts nie gefunden hätten. Also gab’s nur eins: gut festhalten

Die Frage ist also, war‘s das alles wert?
Klar – ohne Frage! Es war der einzige Weg, das illegale Töten von bis zu 15 000 Delphinen als Haifischköder in Peru aufzudecken.

Würde ich das nochmal machen?
Die Frage stellt sich Gottseidank nicht, denn kein peruanischer Fischer wird jemals wieder einen Kameramann mit an Bord nehmen, wenn er etwas Illegales macht. Die Aufnahmen sind einmalig und unwiederholbar.

Was wünsche ich mir wenn ich an diese 24 Tage zurückdenke?
Dass wir die notwendige Unterstützung finden, um unseren Dokumentarfilm zu produzieren, internationalen Druck aufzubauen und das Töten der Delphine zu beenden.
Sie können uns helfen das zu erreichen. Unterstützen Sie die Produktion des Dokumentarfilms jetzt und spenden Sie an OceanCare www.oceancare.org/spenden.