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Sigrid, über 150 Schildkröten und 6 Delphine sind gestrandet während der Suche nach Erdöl in der Adria. Wurde es ihnen zu laut in Kroatien?

SigiDas wird gegenwärtig an der Universität in Padua, Italien, untersucht. Fest steht: Die Meldungen über Strandungen, bei denen Unterwasserlärm von Erdölexplorationen, Ölbohrungen oder Militärsonaren als Todesursache bewiesen ist oder vermutet wird, häufen sich wie nie zuvor. Zuletzt bei der Strandung von ca. 400 Delphinen in Peru vor ein paar Tagen. Das Meer ist zu einer Lärmhölle geworden.

In einem Newsletter berichtet Silent Oceans, dass die Kroatische Regierung auf euer Schreiben nicht reagiert habe. Habt ihr nicht nachgefasst?

Wir haben nachgefasst und am 10. Januar 2014 auf unseren Brief vom 13. August 2013 Antwort bekommen. Die Kroatische Regierung behauptet, wir müssten uns keine Sorgen machen.

Das heisst, es ist alles mit rechten Dingen zugegangen?
Wie denn, wenn die Kroatische Regierung nicht einmal in Erwägung gezogen hat zu prüfen, ob man überhaupt abklären muss, welche Auswirkungen die seismischen Tests auf die Natur haben!?

Können wir das Schreiben sehen?
Klar, hier können Sie die Antwort lesen.

Ihr sprecht immer von Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVPs). Was heisst das eigentlich konkret?
Das heisst, dass man im Vorfeld von Lärmaktivitäten abklärt, welche Auswirkungen diese auf Tiere und Pflanzen im Meer haben könnten. Dafür müssen die Gegebenheiten analysiert werden, wobei die Eckpunkte je nach Region unterschiedlich sind. Man muss alles in Betracht ziehen und die Eckpunkte für jede Region individuell recherchieren. Lesen Sie mehr über die Allgemeinen Eckpunkte auf Seite 25. Unter anderem müsste man z.B. abklären, 

  •  wie sich der Schall im entsprechenden Meeresgebiet ausbreiten kann, ob es z.B. Canyons hat, wo Felsen es den Tieren verunmöglichen, wegzuschwimmen
  • ob es Jahreszeiten gibt, während denen Tiere sich in den entsprechenden Gebieten aufhalten

Können UVPs die Tiere tatsächlich vor Lärm schützen? Im Meer gibt es ja keine Schallmauer und der Lärm verbreitet sich vier bis fünf Mal schneller als an Land.
UVPs alleine nützen den Tieren noch nichts. Doch wenn eine UVP nicht eindeutig zum Schluss kommt, dass kein Schaden angerichtet werden kann, kommt das Vorsorgeprinzip zum Zug. Und dieses besagt, dass man im Zweifelsfall auf die Lärmaktivitäten verzichten muss. Dadurch werden UVPs schutzwirksam für die Tiere. 

Braucht es nicht eher Schutzgebiete, in denen Lärm verboten wird?
Auf jeden Fall braucht es Schutzgebiete und zusätzlich Pufferzonen um die Schutzgebiete herum, weil der Lärm grenzüberschreitend ist. Dass Schutzgebiete etwas bringen, hat das Militärsonarverbot von 2004 im Umkreis von 50 Nautische Meilen um die Kanarischen Inseln bewiesen: Seither hat es dort keine Strandungen mehr gegeben!

Wenn der Umweltausschuss des EU-Parlamentes dem Gesetzesentwurf in ein paar Tagen zustimmt und ihn das Parlament im März ebenfalls genehmigt: Hat Silent Oceans sein Ziel dann erreicht?
Das wäre ein wichtiger Meilenstein, auf den wir hart hinarbeiten. Doch Silent Oceans hat noch viel Arbeit: Anschliessend geht es darum zu definieren, was im Falle von Kroatien in die UVP gehört. Das muss spezifisch für die Adria entwickelt werden. Des Weiteren gilt es, die Umsetzung der UVP zu kontrollieren und zu verklagen, wer sich nicht daran hält. 

Was kann man als besorgter Bürger sonst noch tun, wenn man schon auf silentoceans.org protestiert hat?
Erst einmal vielen Dank den 8755 Menschen, die der Kroatischen Regierung ein Protestmail geschickt haben via www.silentoceans.org. Das ist grossartig! Damit haben sie einen wichtigen Beitrag geleistet, um den Druck in der Öffentlichkeit zu erhöhen. Viele Menschen, Medien und Institutionen haben mir gesagt, dass sie erst dank Silent Oceans von den Erdölexplorationen erfahren haben.

Was Sie darüber hinaus tun können, um an der Seite von Silent Oceans für Ruhe im Meer zu sorgen:

  • Fotosujets verbreiten im Internet, zum Beispiel via Facebook, damit noch mehr Menschen hinschauen und bei Silent Oceans mitmachen:

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  • Den Kurzfilm teilen, der die Ursachen und Folgen von Unterwasserlärm so genial veranschaulicht: http://vimeo.com/67803148
  • Die Silent-Oceans-Inserate übersetzen und sie z.B. kroatischen Medien anbieten.
    Zahlreiche Medien in der Schweiz und in Österreich haben für Silent Oceans Gratiswerbeflächen zur Verfügung gestellt. Europaweit haben Medien redaktionell über den Skandal berichtet. Herzlichen Dank an dieser Stelle! Folgende Inserate stellen wir für Gratiswerbung zur Verfügung (Kontakt: enews@oceancare.org):

Kugelfisch SchildrköteWal

  • Dank Spenden ist Silent Oceans überhaupt möglich. Jede Unterstützung zählt – danke allen, die an unserer Seite den Meerestieren in der Adria eine Stimme geben!

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