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Die Meere sind heillos überfischt, Fangmethoden wie Grundschleppnetze zerstören ganze Ökosysteme, die Fische sterben einen qualvollen Erstickungstod, Delphine und andere Meerestiere werden als Beifang getötet. Wenn wir nun dennoch weiterhin Fisch essen wollen, ist es ein naheliegender Ansatz, die Fische zu züchten, so wie wir es mit Hühnern und Schweinen tun. Entsprechend wurde für diesen Wirtschaftszweig der Begriff „Aquakultur“ geprägt. Auf den zweiten Blick offenbaren sich bei der Aquakultur aber jede Menge Probleme.

Das fängt bei der Fischart an: Werden Prädatoren gehalten, wie Lachse oder Forellen, muss das Futter Fischmehl und Fischöl enthalten, das wiederum aus den Meeren stammt. Diese Form der Aquakultur trägt dann weiter zur Überfischung bei. So braucht es beispielsweise für die Zucht von 1kg Lachs etwa 5kg Fische. Hinzu kommen verschiedene Probleme, die man auch aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung kennt: Massentierhaltung überzüchteter Tiere auf engem Raum, Tierleid, Antibiotikaeinsatz etc. Besonders gravierend ist dies, wenn es im Meer stattfindet, in sogenannten Netzkäfigen mit hunderttausenden Fischen. Arzneimittel, Futterreste und Fäkalien sinken zu Boden und erzeugen Todeszonen ohne Leben. Fische entkommen aus den Käfigen und kreuzen sich in Wildpopulationen ein. Und der enorme Befall mit Viren und Parasiten breitet sich über die Netzkäfige hinaus auf die wildlebenden Fische aus – mit fatalen Folgen für deren Bestände.

Diese Zusammenhänge werden aktuell in einer Dokumentation des bekannten Schauspielers Hannes Jaenicke am Beispiel der Lachszucht aufgezeigt. Seine Erkundungsreisen führen Jaenicke an die Westküste Kanadas, wo die Bestände mehrerer Lachsarten aufgrund der Belastungen aus den Fischfarmen zusammenbrechen, und in die Fjorde Norwegens, das Epizentrum der Lachszucht.

Ungeachtet dessen nimmt der Konsum von Lachs zu. Mehr als 14‘000 Tonnen Lachs wurden im Jahr 2018 in die Schweiz importiert. Im Jahr 2002 waren es noch etwa 5‘000 Tonnen. Leider unterscheidet die Statistik nicht zwischen Zucht- und Wildlachs.

Was bedeutet das nun für unseren Fischkonsum? Weniger ist mehr: lieber weniger Fisch, aber dafür mit besserer Qualität. Wenn Fisch, dann bevorzugt Friedfische, am besten aus biologischer Teichwirtschaft. Und wenn es einmal Lachs sein soll, dann einer aus einer verantwortungsvoll geführten geschlossenen Kreislaufanlage. Eine solche gibt es auch in der Schweiz. Aber grundsätzlich gilt: nur Verzicht von Fischkonsum ist wirklich nachhaltig.

Die Sendung wird am Dienstag, 16. Juni 2020 um 22.15 Uhr auf ZDF ausgestrahlt.