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Sirenen in Gefahr
Der nächste Verwandte des Elefanten ist in arger Bedrängnis. Motorboote und die Jagd dezimieren den Seekuh-Bestand weltweit.
Regelmässig werden auf Meeressäuger spezialisierte Biologen zur Einwasserungsstelle des Burt Reynolds Park in Jupiter, Florida, gerufen. Sie müssen jeweils einen Truck mitbringen, um einen schon fast alltäglichen Job zu erledigen: das Aufladen eines toten Manatees.Eine unangenehme Arbeit, die aber zu einem Teil ihrer Arbeit geworden ist. Das Manatee - auch Rundschwanz-Seekuh (Trichechus manatus) oder Sirene genannt - das am selben Nachmittag im Intercoastal Waterway gefunden wurde, weist zwei tiefe Wunden in der Bauchgegend auf. Der Biologe muss die Kadaver in Eis packen und sie nach St. Petersburg ins Florida Marine Research Institute fahren, wo er sie dann – ähnlich wie bei einer Autopsie an toten Menschen – untersucht. Diese Arbeit ist immer das erste Stück im Puzzle um die Todesursachen dieser sanften Meeressäuger, und anhand seiner Eindrücke kann der Experte erste Schlüsse ziehen. Jedes Jahr gehen Hunderte von Manatees diesen Weg.
In Schleusen zerquetscht
Bereits 1974 wurde mit diesen Untersuchungen begonnen, und die Statistik beinhaltet auch die Erfassung des Alters sowie des Gesundheitszustandes der Rundschwanz-Seekuh-Population in Florida. Von den im Labor durchgeführten 4500 Untersuchungen weist etwa ein Drittel eindeutig auf Kollisionen mit Booten, Kältestress oder Tod durch Zerquetschen in einer der vielen Schleusen des Kanalsystems von Südflorida hin. Bei etwa 30 Prozent der Fälle ist jedoch keine eindeutige Todesursache feststellbar.
Bei der Examination der angelieferten Kadaver wird nicht wenig Zeit damit verbracht, die äusserlichen Wunden und Merkmale des Tieres zu untersuchen. Die besten Schlüsse bezüglich Todesursache ziehen die Wissenschaftler aber aus den Untersuchungen der Organe und des Gewebes. Bei dem oben erwähnten Tier liegt klar auf der Hand, dass das Tier zwar von einem Boot überfahren wurde, jedoch erst, nachdem es bereits tot war. Die Sündenböcke sind also nicht immer die Boote, wie es vordergründig den Anschein macht. In diesem Fall wurde die Todesursache als unbekannt registriert.
Abfall in den Mägen
Nicht alle sind jedoch mit diesem Programm einverstanden – es finden immer wieder hitzige Diskussionen zwischen Tierschützern und Mitgliedern von Motorboot-Clubs statt, die sich gegen jede weitere Einschränkung ihres Hobbys zur Wehr setzen.
Angestellte der Florida Fish und Wildlife Conservation Commission beobachten täglich, wie Abfälle einfach weggeworfen werden – dies, obwohl saftige Bussen drohen. Oft werden in den Mägen der Tiere Gegenstände wie Fischleinen mit Bleigewichten und Haken, Wegwerftücher, Haarbänder und Taschen aus Plastik, Kinderspielzeug oder Verpackungen von Bier-Six-Packs gefunden.
Ein weiteres Problem sind auch die saisonalen Vorschriften für die über 860’000 Motorboote Floridas, in gewissen Zonen nur im Schritttempo zu fahren. Sobald die Sperrfristen jeweils am 31. März ablaufen, wird wieder Gas gegeben. Fälschlicherweise nehmen viele Bootsbesitzer an, alle Manatees seien dann bereits nordwärts in kühlere Gewässer gewandert.
Abhängig von Elektrizitätswerken
An den Küsten Floridas haben schon vor einer Million Jahren Manatees überwintert. Sie wurden seither immer gejagt – zuerst von den Indianern, dann von den Spaniern und anderen Siedlern, bis sie 1907 zum ersten Mal unter Schutz gestellt wurden. Heute leben sie in einem Habitat, das der Mensch in den letzen Jahrhunderten grundlegend veränderte. Weite Flächen, die einst mit Seegras bewachsen waren, existieren heute infolge Verschmutzung und Industrie nicht mehr.
Während die Tiere früher im Winter warme Quellen oder die Florida Keys aufsuchten, hängen sie heute in den warmen Kühlwasserausläufen von Elektrizitätswerken herum. Man befürchtet gegenwärtig sogar, dass bei der Schliessung alter Anlagen Manatees eingehen könnten, die ihr ganzes Leben dort verbracht haben.
Nur noch 4000 bis 6000 Exemplare
Heute wird im Zusammenhang mit dem Schutz dieser Tiere immer wieder über die Populationsgrösse gestritten. Biologen gehen davon aus, dass noch etwa 4000 bis 6000 Exemplare vorhanden sind. Die Frage ist aber, ob die Reproduktionsrate dieser faszinierenden Meeressäuger mit der steigenden Zahl von Todesfällen Schritt halten kann.
Das in Florida heimische Manatee (Trichechus manatus latirostris) ist eine Untergattung des Westindischen Manatees, das etwa drei bis vier Meter gross wird und in freier Wildbahn fast 60 Jahre leben kann. Ausgewachsen sind die Tiere normalerweise etwa 400 bis 600 Kilogramm schwer, können aber vereinzelt weit über eine Tonne wiegen. Die Weibchen tragen nur alle drei bis fünf Jahre ein Kalb, das nach einer Tragzeit von 12 bis 14 Monaten zur Welt kommt. Das Kalb wird danach etwa 18 Monate gesäugt. Seekühe verbringen die meiste Zeit mit Ausruhen und Fressen – bis zu 40 Kilogramm Seegras können sie pro Tag verschlingen. Alle drei bis fünf Minuten kommen sie zur Oberfläche, um zu atmen – im Ruhezustand bleiben sie aber zuweilen bis 20 Minuten unter Wasser.
Seekühe weltweitNeben den Manatee gehören auch die Dugongs zur Ordnung der Seekühe. Sie sind nach den Cetacea (Wale) die am besten ans Leben im Wasser angepassten Säugetiere.
Unterschieden wird in zwei Familien: die Rundschwanz-Seekühe (Trichechidae) oder Manatees und die Gabelschwanzseekühe (Dugongidae) mit heute insgesamt noch vier lebenden Arten. Sie haben alle einen stromlinienförmigen Körper, und ihre vorderen Gliedmassen sind zu Flossen umgebildet. Die hinteren Gliedmassen sind durch einen Schwanz ersetzt.
Während die Manatees vor allem Bereich des mexikanisches Golfes bis runter nach Guayana, in den brasilianischen Flüssen Amazonas und Orinoco sowie in den afrikanischen Flusssystemen des Niger und anderen westafrikanischen Flüssen zwischen dem Senegal und dem nördlichen Angola vorkommen, sind die Dugongs an den Küstengebieten des indischen Ozeans zu Hause.
Links zum Thema:
http://birdsunderwater.com/manatee_info/index.html
http://gorp.away.com/gorp/resource/us_nwr/fl_cryst.htm
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