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Neue Studie des University College Cork verstärkt Sorge über Auswirkungen von Unterwasserlärm.

Trotz der sich zuspitzenden Klimakrise sucht die Ölindustrie immer weiter nach unbekannten Lagerstätten im Meeresboden. Für diese Suche nach Öl und Gas werden Schallkanonen eingesetzt, die gepulsten, extrem starken Knall mit ohrenbetäubenden 248-255 dB aussenden. Jedes Explorationsschiff zieht bis zu 48 Schallkanonen hinter sich her, die alle 10 bis 15 Sekunden „feuern“, 24 Stunden am Tag, über Wochen oder sogar Monate.

Es gibt eine große und stetig wachsende Zahl an Belegen über die negativen Auswirkungen von seismischen Untersuchungen auf Wale, Delfine und andere Meerestierarten, von Krill bis zu Fisch. Kürzlich fügten Forscher des University College Cork, Irland, dem eine weitere wichtige Untersuchung hinzu. Sie führten die erste Studie durch, die Walbeobachtungen von seismischen Explorationsschiffen mit anderen Walbeobachtungen als Kontrolldaten kombiniert. Damit wurde ein artenübergreifender, groß angelegter Ansatz zur Untersuchung der Auswirkungen seismischer Explorationen auf Waltiere umgesetzt. Dabei wurde auch der potenzielle Einfluss von räumlichen, ökologischen und zeitlichen Variablen berücksichtigt.

Die Forscher modellierten über 8’000 Stunden Walbeobachtungsdaten über ein ausgedehntes marines Ökosystem, das mehr als 880’000 km² im Nordost-Atlantik umfasst, einen hohen Habitat- und Artenreichtum aufweist und über 40 Meeressäugerarten beherbergt.

Sie stellten signifikante Auswirkungen der seismischen Aktivitäten auf mehrere Arten und Lebensräume fest. Bei aktiven seismischen Untersuchungen gingen die Sichtungen von Bartenwalen im Vergleich zur Kontrolle um 88% (82–92%) und jene von Zahnwalen um 53% (41–63%) zurück. Dieser Rückgang war in den Gewässern westlich und südwestlich von Irland, einem für Wale und Delfine wichtigem Lebensraum, besonders ausgeprägt.

Darüber hinaus sehen es die Forscher als wahrscheinlich an, dass die Lärmintensität, die auf die Wale und Delfine trifft, Verhaltensänderungen über Entfernungen auslöst, die weit größer sind als die Sichtweite der Beobachter.

OceanCare ist besorgt über die global unverminderte Öl- und Gassuche und fordert die Regierungen auf, eine Ausstiegsstrategie zu entwickeln und umzusetzen sowie als Sofortmaßnahme jegliche derartige Aktivitäten in besonders wichtigen Lebensräumen für akustisch empfindliche Arten umgehend zu untersagen. Aktivitäten, die intensiven Meereslärm erzeugen, wirken sich nachweislich auf Dutzende von Meerestierarten negativ aus. Eine Reduzierung der seismischen Aktivitäten würde die Lärmemissionen in den Ozeanen verringern und ist außerdem zur Bewältigung der Klimakrise notwendig, denn die Kohlenwasserstoffressourcen sollen im Boden verbleiben.

Quelle: Seismic surveys reduce cetacean sightings across a large marine ecosystem A.S. Kavanagh, M. Nykänen, W. Hunt, N. Richardson & M. J. Jessopp Nature | Scientific Reports (2019) 9:19164 | https://doi.org/10.1038/s41598-019-55500-4