Fischkonsum

Appell an die kulinarische Vernunft

Das trügerisch üppige Fischangebot in Läden und Restaurants täuscht. Bald wird es keinen Fisch mehr auf dem Teller geben. Riesige industrielle Fangflotten plündern die Ozeane systematisch aus. Hunderttausende Wale, Delphine, Haie, Vögel und Schildkröten gehen weltweit als Beifang zugrunde.

Mehr als 80% der kommerziell genutzten Fischarten sind heute bis ans Limit befischt, überfischt oder erschöpft. Wenn wir unseren Appetit nicht zügeln, werden deren Bestände in rund 40 Jahren verschwunden sein. Vielen Meerestieren, aber auch rund drei Milliarden Menschen, die auf Nahrung aus dem Meer angewiesen sind, droht der Hunger. Fischzucht ist keine sinnvolle Alternative, denn gezüchtet werden vorwiegend Raubfische, die wiederum mit Fischen aus den Ozeanen gefüttert werden, was die Überfischung zusätzlich ankurbelt.

Einfluss auf die europäische Fischerei

Die EU hatte es lange Zeit versäumt, die Fischerei nachhaltig zu gestalten. Entsprechend sind in europäischen Gewässern viele Fischbestände bedroht. OceanCare arbeitete mit an der Reform der europäischen Fischerei. 2014 beschloss das EU-Parlament, Subventionen nur noch an Fischer zu vergeben, die nachhaltig wirtschaften. Illegale Fischereiaktivitäten werden mit saftigen Geldbussen bestraft und Schiffe von ausserhalb der EU, die wiederholt Gesetze brechen, dürfen keine europäischen Häfen mehr anlaufen. Seit 2015 ist auch die gesamte Treibnetzfischerei verboten. Wichtige Schritte in die richtige Richtung!

Wichtig ist OceanCare die Kooperation mit traditionellen Küstenfischern. In Griechenland wurden im Golf von Amvrakikos und um die Insel Kalamos 100 lokale Fischer zu den Fängen und zu Konflikten mit Delphinen und Mönchsrobben befragt, im Golf von Evia mit 57 Fischern und im Golf von Argos mit 60 Fischern Interviews geführt. Deutlich zeigte sich, dass der Fischfang in den letzten 20 Jahren drastisch zurückgegangen ist. Neben industrieller Ausbeutung ist die Verschmutzung des Meeres mit Abwässern und Chemikalien problematisch. OceanCare mahnt die griechische Regierung und die EU, lokale Fischereigesetze zu verschärfen und ökologisch sensible Regionen zu schützen. Freiwillig vergrösserten die Fischer von Kalamos die Maschen ihrer Netze und schonen die Fische während der Laichzeit.

Die Schweiz soll Fische konsequenter schützen

OceanCare nahm 2015 an der Vernehmlassung zur Verordnung über die rechtmässige Herkunft von importierten Fischereierzeugnissen teil. Diese Verordnung soll den Import von Fischprodukten aus sogenannter IUU-Fischerei (illegal, ungemeldet, unreguliert) verhindern. Diese hält sich weder an Fangquoten noch an Schonzeiten oder Schutzgebiete und gefährdet die Fischbestände massiv.

Im Bereich des Tierschutzes unterstützt OceanCare Kampagnen der Schweizer Organisation fair-fish. 2016 wurde erreicht, dass Schweizer Crevettenzucht unter das Tierschutzgesetz fällt. Hängig ist die Forderung nach einer Deklarationspflicht für Fangmethoden und Herkunft der Fische in Detailhandel und Gastronomie. Ein Vorstoss wurde auch für ein Importverbot lebender Hummer gemacht. Das Leiden dieser Tiere ist horrend: Hummer werden oft monatelang artwidrig „gelagert“, ohne Wasser in Kisten transportiert, im Detailhandel auf Eis präsentiert und schliesslich lebend gekocht. Hummer soll nur zulässig sein, wenn er nach dem Fang mit Strom betäubt und getötet wird.

Wir alle stehen in der Verantwortung

Weltweit tun Regierungen für den Schutz der Fische noch viel zu wenig. Mit unserem Konsumverhalten prägen wir den Umgang mit den Meerestieren massgeblich mit. An was wir uns alle halten sollten:

 

  • Max. einmal pro Monat einheimische Süsswasserfische kaufen und auf Meerfisch verzichten.
  • Soll es in seltenen Fällen trotzdem einmal Meerfisch sein, dann ausschliesslich aus nachhaltigem Wildfang oder biozertifizierter Zucht.
  • Verzicht auf Krill-, Robben- und Fischöle. Omega-3-Fettsäuren hat es auch in Zuchtalgen-, Lein- und Rapsöl.