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Update zu den Walstrandungen vor Griechenland

Am 20. und 21. Februar 2022 strandeten drei Cuvier-Schnabelwale lebend an der Küste von Korfu. Diese höchst untypische Strandung steht in zeitlichem Zusammenhang mit seismischer Öl- und Gasexploration im „Block 3“ im Auftrag von Hellenic Petroleum. Korfu liegt am Hellenischen Graben, einem Unterwasser-Canyon, der ein besonders wichtiger Lebensraum für tieftauchende Wale, wie Pottwale und Cuvier-Schnabelwale, ist.

Es ist ausführlich bewiesen, dass diese Meeressäuger besonders stark von Unterwasserlärm betroffen sind, darunter auch jenem von seismischer Öl- und Gasexploration. Dennoch, und trotz klarer EU-rechtlicher und internationaler Verpflichtungen für eine gründliche Umweltverträglichkeitsprüfung vor der Bewilligung lärmerzeugender Aktivitäten, fand eine solche in diesem Fall nicht statt.

Das EU-Recht verpflichtet die Mitgliedstaaten außerdem, einen Guten Umweltzustand zu erreichen, u.a. indem die Lärmverschmutzung der Meere reduziert und die marinen Arten vor Störungen geschützt werden. Mehrere von Griechenland unterzeichnete multilaterale Umweltabkommen rufen die Vertragsparteien explizit dazu auf, die Auswirkungen des Lärms im Lebensraum gefährdeter mariner Tierarten gering zu halten.

Der jüngste IPCC-Klimabericht stellt unmissverständlich klar, dass schnelles und entschlossenes Handeln nötig ist, um die Treibhausgasemissionen zu senken. Weiterhin nach Öl- und Gaslagerstätten zu suchen, steht dem Pariser Klimaschutzabkommen diametral entgegen und ignoriert die Warnungen des IPCC.

OceanCare hat daher zusammen mit 60 griechischen und internationalen NGOs, Wissenschaftler*innen und Vertretern der Ionischen Inseln einen gemeinsamen offenen Brief an die griechische Regierung gerichtet und darin eine Abkehr von der bisherigen Praxis der Öl- und Gaslizenzierung, ganz besonders im Hellenischen Graben, gefordert.

Pressemitteilung der griechischen Koalition

Aktueller Guardian-Artikel zum Thema

 

Griechische Regierung aufgefordert Ölsuche einzustellen

Mittwoch, 23. Februar: In einem Brief an den griechischen Premierminister Kyriakos Mitsotakis wiederholte OceanCare die Forderung gegenüber der griechischen Regierung, die seismischen Aktivitäten zur Suche nach Öl- und Gasvorkommen in griechischen Gewässern umgehend einzustellen. Die Forderung folgt auf die atypische Walstrandung der vergangenen Tage, die in Zeit und Raum mit den Aktivitäten zur Ölsuche, bei der Schallkanonen eingesetzt werden, übereinstimmt. Am Sonntag, 20.2.2022, strandeten zwei Cuvier-Schnabelwale an der Westküste Korfus. Am Tag darauf folgte die Strandung eines dritten Schnabelwals. Griechische NGOs, darunter WWF Griechenland, iSeas, Greenpeace, Pelagos Cetacean Research Institute und andere haben ebenfalls gegenüber der Regierung ihre Kritik und Sorge über die Ölsuche zum Ausdruck gebracht und erhalten nun internationale Unterstützung. Hier den Brief einsehen

 

Walstrandungen in Korfu

Zeitgleich zu seismischen Aktivitäten vor Korfu Griechenland strandeten am 20. Februar 2002 zwei Cuvier-Schnabelwale in ca. 30 Kilometer Entfernung an Stränden der Urlaubsinsel. Helfer konnten ein Tier zurück ins Meer geleiten, der zweite Wal befindet sich aktuell noch am Strand. Ob die beiden Tiere eine Überlebenschance haben, ist unklar.

„Am heutigen internationalen Tag des Wals ist dies ein besonders tragischer Vorfall,“ so Nicolas Entrup, Direktor für Internationale Zusammenarbeit bei OceanCare. „Die Walstrandung ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs: Weit mehr Tiere und nicht nur Wale können zu Schaden gekommen sein. Betroffene, getötete Tiere sinken dann auf den Meeresgrund und nur selten werden die Tiere lebend oder tot an Land gespült“ sagt der Leiter des Programms zur Reduktion des Unterwasserlärms.

OceanCare, zahlreiche Wissenschaftler und andere Meeresschutzorganisationen hatten im Vorfeld die griechischen Behörden eindringlich ersucht, keine Genehmigung für seismische Aktivitäten im hellenischen Graben zu erteilen. Das Gebiet ist Lebensraum für besonders Lärm empfindliche und gefährdete Arten, wie tieftauchende Schnabelwale und Pottwale, und gilt als sogenanntes „IMMA“ (Important Marine Mammal Area). Die Aktivitäten finden auch nahe eines streng geschützten Natura 2000 Gebietes statt. Die griechischen Behörden hatten die Bitten der Meeresschützer jedoch ignoriert und sogar die Durchführung einer verpflichtenden Umweltverträglichkeitsprüfung ausgesetzt.

Das Forschungsschiff SW Cook ist seit Anfang Februar in griechischen Gewässern aktiv. Bei seismischen Aktivitäten kommen Schallkanonen zum Einsatz, die in einer Lärmintensität von bis zu 260 Dezibel den Meeresboden beschallen. Der immense Lärm beschallt dabei eine Fläche Tausender Quadratkilometer. Dieser intensive Unterwasserlärm ist für zahlreiche marine Arten, von den kleinsten Krebstierchen bis zu den größten Walen, lebensbedrohlich. Atypische Walstrandungen, wie eben jene vor Korfu, sind vielfach auf intensive Lärmquellen zurückzuführen.

„Wir fordern die Einstellung sämtlicher seismischer Aktivitäten und ein Stop der Ölsuche. Diese sind mit den Zielen des Pariser Abkommens und der Bewältigung der Klimakrise nicht vereinbar und gefährden Wale und andere Meerestiere im Mittelmeer“ sagt Entrup von OceanCare.

 

Weiterführende Informationen:

Video-Blog zur Gefahr seismischer Aktivitäten bei der Ölsuche und Auswirkungen auf Meerestiere: https://youtu.be/UF8dVUBT15U

Medienkontakte:

Nicolas Entrup, Co-Leiter Internationale Zusammenarbeit OceanCare
M: (+43) 660 211 9963, nentrup@oceancare.org

 

Medienmitteilung
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