Schicksal des Buckelwals in der Ostsee – Gefahrenmix und globale Anstrengungen
Das Schicksal des zunächst am 23. März in der Lübecker Bucht, Ostsee, gestrandeten Buckelwals beschäftigt Tausende Menschen. Man hofft und wünscht sich, dass es dem Wal gelingt, seinen Weg via Nordsee zurück in den Atlantik, seine eigentliche Heimat zu finden. Die Bemühungen vieler engagierten Menschen in Organisationen, aber auch seitens der Behörden ist enorm, auch wenn, wie üblich, unterschiedliche Meinungen über die zu setzenden Massnahmen herrschen.
OceanCare möchte die tragische Situation des einzelnen Buckelwals zum Anlass nehmen, auf einige Aspekte aufmerksam zu machen, aus denen wir Lehren ziehen können und gleichzeitig festhalten, dass das Wohlbefinden jedes Individuums zählt und den Einsatz intensiver Mittel und Bemühungen rechtfertigt.
Globaler Kontext, den uns das Schicksal des Buckelwals lehrt
Die biologische Ordnung der Waltiere (Cetacea) umfasst mehr als 90 Arten weltweit. Es handelt sich dabei um nur selten und langsam reproduzierende Meeressäugetiere, die in sehr unterschiedlichen sozialen Strukturen leben und zahlreichen Gefahren ausgesetzt sind. Die Ostsee ist kein Meer, in dem der Buckelwal heimisch ist. Der dort heimische Schweinswal ist vom Aussterben bedroht. Seit Jahren ist Regierungen bekannt, was zu tun wäre, um diese Art in der Ostsee vor der Ausrottung zu bewahren.
Überfischung und Geisternetze
Der in der Ostsee gestrandete Buckelwal wird von treibenden Fischereigerät beeinträchtigt, das ihm zum Verhängnis wurde. Über 640’000 Tonnen Fischernetze und Fischerleinen werden jedes Jahr im Meer unsachgemäss entsorgt oder gehen verloren. Das gefährliche Treibgut wird zur tödlichen Falle für Hunderttausende von Meerestieren. Nicht nur Geisternetze, sondern auch aktive Fischernetze können Todesvorhänge für die Tiere sein.
Geisternetze sind unter anderem ein „Produkt“ der Fischerei und Ausdruck der verantwortungslosen Überfischung der Meere. Meeressäuger sind durch die Überfischung von Fischbeständen dahingehend gefährdet, als Beifang in Fischernetzen zu ersticken, sich zu verheddern und einen langsamen Tod zu sterben oder der durch die Überfischung verursachten Nahrungsknappheit in manchen Regionen. Selbst der für Bartenwale, zu denen der Buckelwal gehört, wichtige Krill wird bereits verstärkt befischt. Die Krillfischerei, z.B. in der Antarktis, wird auch seitens des boomenden Industriezweiges der Aquakulturen befeuert, da Krill u.a. als Futter für Zuchtfische genutzt wird.
Schallgewitter unter Wasser
Explosionsartiger oder stetiger Unterwasserlärm bedroht Buckelwale, die auf Akustik für Kommunikation und Orientierung angewiesen sind. Ersteres wird vor allem seitens Militärs und der Ölindustrie bei der Suche nach neuen Ölvorkommen verursacht. Hauptverursacher des stetigen Lärmeintrags in die Meere ist die Schifffahrt auf Grund der durch den Propeller verursachten Kavitation.
Die Schifffahrt bedroht Bartenwale und andere grosse Walarten aber auch durch die Tatsache, dass in vielen Regionen Schifffahrtsrouten Walgebiete kreuzen und somit es zu tödlichen Kollisionen kommt. Ein von einem Schiff gerammter Wal überlebt nur selten.
Durch den Klimawandel verursachte Veränderungen der Meeresströmungen, sowie im Nahrungsangebot für Bartenwale und somit erhöhten Energieverbrauch auf Grund längerer Wanderwege bei der Suche nach Nahrung stellen weitere Bedrohungsfaktoren dar. Diese und auch andere Gefahren bedrohen die Zukunft von Waltieren in den Weltmeeren, sowohl als Arten, Populationen und eben auch die individuellen Tiere selbst.
Was macht OceanCare?
OceanCare arbeitet regional und international mit all unseren Mitteln daran, Gefahren für Meere und ihre Bewohner zu eliminieren oder zumindest zu reduzieren. Im Konkreten auf die Situation des Buckelwals in der Ostsee bezogenen Fall sind dies folgende Schritte:
a. Forderung nach dem globalen verbindlichen Plastikabkommen, das die zur Vermüllung der Meere zu Grunde liegende Ursachen adressiert und eliminiert
b. Die konkrete Behandlung der Problematik der „Geisternetze“ in den Plastikvertrag aufzunehmen
c. Globale Lösungen im Zusammenspiel des neu in Kraft getretenen Hochseeschutzabkommens mit Regelungen innerhalb von Fischereiabkommen zu definieren
d. Lösungskonzepte zu entwickeln, die insbesondere wandernde Tierarten, wie eben Buckelwale, schützen
e. Umsetzung konkreter Massnahmen, wie z.B. Anpassung von Schifffahrtsrouten und Temporeduktion der Schifffahrt zur Verringerung des Risikos für Wale von Schiffen gerammt zu werden
Expert:innen von OceanCare nahmen aktuell an der 15. Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention, die am 29. März 2026 in Campo Grande, Brasilien, zu Ende gegangen ist, teil. Ebenso nimmt eine OceanCare Delegation an den aktuellen Vorbereitungen der ersten Vertragsstaatenkonferenz zum internationalen Hochseeschutzabkommen in New York teil.
Weiterführende Links
- Ein Buckelwal in der Ostsee: Warum Wale stranden – OceanCare
- Geisternetze: Gefahr für Meerestiere – OceanCare
- BBNJ-Abkommen: PrepCom 3 hisst die Segel – OceanCare
- BBNJ: Hochseeschutzabkommen tritt in Kraft – OceanCare
- Kollisionen: Wenn Schiffe Wale rammen endet dies oft tödlich
Lesen und hören Sie auch
- Durchblick – Der Wissenspodcast: «Es ist unsere Pflicht, Walstrandungen zu verhindern». Mit OceanCare-Präsidentin und Gründerin Sigrid Lüber im Gespräch
- CH Media: Radiobeitrag über die Strandung des Buckelwals mit OceanCare-Präsidentin und Gründerin Sigrid Lüber
- Nau media: Deshalb verirren sich Wale immer wieder und stranden
