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PFAS in Fischen

24. März 2026

In der schweizerischen Konsumentenzeitschrift K-Tipp erschien am 11. März 2026 ein Artikel, der besagt, dass das Blut eines Hobby-Fischers die 77-fache Menge an Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) enthielt von dem, was gesundheitlich akzeptabel wäre. Mehr als Grund genug genauer hinzuschauen und über PFAS aufzuklären. Wofür die Abkürzung PFAS steht, warum sie ein Problem sind und wie sie momentan reguliert werden ist in den folgenden Abschnitten zu lesen.

Der Artikel mit dem Titel PFAS im Blut eines Fischers: Grenzwert 77-fach überschritten stimmt einen nachdenklich. Die genannte Chemikalie gehört zu den Per- und Polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS), welche sich in der Umwelt und in der Nahrungskette anreichern und erhebliche Folgen für unsere Gesundheit haben können. Zu diesen gehören laut eines Berichts der European Food Safety Authority (EFSA) beispielsweise Wachstumsstörungen bei Kleinkindern, Immunsystemschwächen, Störungen des Fettstoffwechsels, erhöhtes Risiko für Nieren-, Brust- und Hodenkrebs und die Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit.

PFAS in Fischen aus Schweizer Gewässern

Besonders hohe Belastungen weisen Fische aus Schweizer Gewässern auf, wobei die Grösse und Abgeschiedenheit des Gewässers eine zentrale Rolle spielt, wie der Kassensturz im Bericht Schädliche PFAS-Chemikalien in frisch gefangenem Fisch schreibt. Jene Fische aus dem Zugersee sind klar am stärksten betroffen.

Das Problem der PFAS in Schweizer Gewässern und die damit verbundene Belastung der Fische und anderen Wasserorganismen ist bekannt. Diverse Kantone prüften in den vergangenen Jahren Fischmuskelproben aus ihren Gewässern auf PFAS in Laboren. Alle Proben aus dem Walen-, Zürich- und Bodensee, als auch jene aus den Greifen- und Pfäffikersee enthielten PFAS (PFAS in Speisefischen aus St. Galler Seen, PFAS in Speisefischen: Messkampagne Zürichsee, Greifensee, Pfäffikersee). Besonders betroffen sind, da sich die PFAS entlang der Nahrungskette anreichern, einheimische Raubfischarten wie der Hecht. Bei dieser Art übersteigt die PFAS-Konzentration teilweise sogar den kritischen Grenzwert von 7µg/kg, und zwar über Kantonsgrenzen hinaus (Hohe PFAS-Belastung in Hecht und Egli aus dem Zugersee bestätigtPFAS-Belastung von wildlebenden Fischen in Aargauer Gewässern).

Wie genau PFAS auf Fische wirken ist noch nicht abschliessend erforscht. Aufgrund ähnlicher Wirkungsweisen anderer hormonaktiven Substanzen in Menschen und Fischen kann aber angenommen werden, dass PFAS auf Fische ähnlich wirken können wie auf den Menschen.

Der Konsum von Fischen aus einheimischen Gewässern ist nur ein Weg, wie PFAS in den menschlichen Organismus gelangen kann. Wie stark die Schweizer Bevölkerung aber von PFAS betroffen ist, ist unklar, da der Bund eine Studie aus Kostengründen stoppte, die genau dies herausfinden sollte. Während der Kanton St. Gallen auf den “Verzehr in der Eigenverantwortung” appelliert, sprechen andere Kantone deutlichere Empfehlungen aus. So empfiehlt der Kanton Aargau beispielsweise maximal ein Hechtfilet à 120 g pro Monat zu verspeisen (siehe Berichte oben).

Der Bund hält an den Schweizer Ernährungsempfehlungen fest, welche für Fisch 1-2 Portionen à 100 bis 120 g pro Woche empfiehlt. Jedoch verweist er aufgrund der Überschreitungen von PFAS-Höchstwerten in Fischproben auf die Empfehlungen der einzelnen Kantone. Hinzu kommt, dass es zwar Richtwerte für die Belastung von tierischen Lebensmitteln gibt, diese jedoch auf Grund der hohen Anzahl unterschiedlicher PFAS nur für die wichtigsten und bekanntesten PFAS (PFOS, PFOA, PFNA und PFHxS) definiert wurden. Ferner reglementieren die Grenzwerte nur den Verkauf, nicht aber den Verzehr der belasteten Nahrungsmittel.

Was sind PFAS und wieso sind sie ein Problem?

Im Infoblatt Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) in der Umwelt des Schweizerischen Zentrums für angewandte Ökotoxikologie werden PFAS, ihre Anwendungen, Risiken und bestehenden Regulationen beschrieben: PFAS sind eine Gruppe von tausenden Chemikalien, welche aufgrund ihrer wasser-, schmutz- und fettabweisenden Eigenschaften beispielsweise in Löschmitteln, Kleidung und anderen Verbrauchs- und Industrieprodukten verwendet werden. Sie sind ausserdem bekannt dafür auf Menschen und Tiere toxisch wirken zu können.

Durch ihre chemische Struktur sind diese Chemikalien besonders hitze-, wasser- und chemikalienbeständig, sodass sie sich nicht auf natürliche Weise abbauen. Das sorgt dafür, dass sie sich in den Umweltsystemen und Nahrungsketten anreichern. In der Schweiz kommen PFAS im Grundwasser, in Oberflächengewässern und Sedimenten, in Wasserorganismen (z.B. in Fischen), in der Luft und in den allermeisten Böden (PFAS-Konzentrationen in Schweizer Böden eine Übersicht) vor. So gelangen sie früher oder später in den menschlichen Körper und wirken vor allem auf das Hormonsystem ein. Dadurch beeinflussen sie unter anderem auch das Immunsystem, erhöhen das Risiko für eine Krebserkrankung und verringern die Fruchtbarkeit.

Wie werden PFAS momentan reguliert?

Gemäss dem Infoblatt Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) in der Umwelt des Schweizerischen Zentrums für angewandte Ökotoxikologie) setzte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) 2020 neue Grenzwerte für die häufigsten PFAS (PFOS, PFOA, PFHxS und PFNA). Seither beträgt dieser 4,4 ng pro kg Körpergewicht pro Woche für die Summe dieser Stoffe. Seit Januar 2026 gelten für die EU noch zusätzlich strengere Richtlinien, was die PFAS-Konzentration von Trinkwasser betrifft. Die Menge von 0,1 µg/l darf nicht mehr überschritten werden.

In der Schweiz liegen diese Werte zurzeit noch höher, nämlich je nach Chemikalie bei zwischen 0.3 und 0.5 µg/l. Laut Bundesamt für Lebensmittelsicherheit sollen diese aber noch im Laufe des Jahres an die Werte der EU angepasst werden. Seit 2024 gelten in der Schweiz ebenfalls verbindliche Höchstwerte für die Menge an PFAS in Lebensmitteln (Fleisch, Milch, Fisch, Eiern, Krebstieren und Muscheln). Diese orientieren sich ebenfalls an EU-Vorgaben aus dem Jahr 2023.

Für Fische liegt dieser Höchstwert zwischen 2 und 35 µg/kg Muskelfleisch und ist abhängig von der Fischart. Mehr zu Analysewerten von PFAS in tierischen Produkten findet sich in der Schweizweiten Kampagne zum Vorkommen von PFAS in tierischen Lebensmitteln vom Verband der Kantonschemikerinnen und Kantonschemikern und vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen.

Weiter prüft die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) eine weitgehende Beschränkung aller PFAS in der EU. Diese befindet sich momentan im Entscheidungsprozess. OceanCare empfiehlt aus Gründen des Tierwohls sowie aus ökologischen und sozialen Motiven den grundsätzlichen Verzicht auf Fischmahlzeiten.