Der Ozean als Schlüssel im Klimaschutz
Das Meer ist das grösste natürliche Puffersystem im Klimageschehen. Doch seine Fähigkeit, überschüssige Wärme und CO₂ aufzunehmen, stösst an Grenzen. Die blaue Lunge des Planeten muss dringend entlastet werden, bevor ihre Belastungsgrenze überschritten ist.
Seit Beginn der Industrialisierung hat der Ozean über 90 Prozent der überschüssigen Wärme aus der Atmosphäre aufgenommen und etwa 30 Prozent des menschengemachten CO₂ gebunden. Ohne diese wichtige Pufferleistung wäre die globale Erwärmung deutlich stärker ausgeprägt. Doch auch das Meer hat ein Limit: Es erwärmt sich, wird saurer, verliert Sauerstoff. Die Folgen: Korallenriffe sterben ab, das Packeis schmilzt, Arten wandern in kühlere Regionen oder verschwinden ganz.
Der Eisbär steht auf schmelzendem Terrain
Der Eisbär ist auf Meereis angewiesen, doch dieses schwindet rapide. Die Arktis erwärmt sich mehr als doppelt so stark wie der globale Durchschnitt. In den Wintermonaten lagen die Temperaturen in der zentralen Arktis zuletzt bis zu 6 °C über dem langjährigen Mittel. Bereits ab 2050 könnte die Arktis im Sommer eisfrei sein. Das betrifft nicht nur die Eisbären, sondern das gesamte Klimasystem. Denn wenn das Eis verschwindet, wird weniger Sonnenlicht reflektiert und die Erwärmung beschleunigt sich.
Doch statt den Ursachen dieser Entwicklungen entschlossen entgegenzutreten, richten sich politische und wirtschaftliche Hoffnungen zunehmend auf technologische Lösungen.
Risikotechnologie als Ersatz für bewährte Massnahmen?
Der wirksamste Weg, das Klima zu stabilisieren, ist die drastische Reduktion von Treibhausgasen. Das ist wissenschaftlich unbestritten und technisch längst möglich. Doch statt auf strukturelle Veränderungen in Energie-, Verkehrs- und Wirtschaftssystemen setzen manche Akteure auf technologische Eingriffe ins Klimasystem etwa durch Methoden des marinen Geoengineerings.
Dazu zählen das Aufhellen von Wolken über dem Meer oder das Einbringen von Substanzen ins Wasser zur künstlichen CO₂-Bindung. Diese Eingriffe werden in ihren ökologischen Auswirkungen nur unzureichend verstanden und stellen erhebliche Risiken für marine Ökosysteme dar. Sie führen in die Irre, indem sie einfache Antworten auf ein komplexes Problem vorgaukeln und damit von bewährten Lösungen ablenken. OceanCare warnt vor solchen Experimenten und setzt auf langfristig wirksame und ökologisch tragfähige Massnahmen.
Zukunftssichere Strategien statt unabwägbarer Risiken
OceanCare verfolgt das Ziel, die Ozeane als starke Verbündete im Klimaschutz zu erhalten. Ein Fokus liegt auf dem Stopp fossiler Projekte insbesondere in sensiblen Meeresregionen, wo Öl- und Gasvorhaben das ökologische Gleichgewicht bedrohen. Erste Erfolge zeigen sich: Spanien und Portugal haben auf Druck zivilgesellschaftlicher Organisationen neue fossile Förderungen in ihren Hoheitsgewässern untersagt.
Auch andere menschliche Eingriffe beeinträchtigen die klimarelevanten Funktionen der Ozeane. So setzt sich OceanCare für ein internationales Verbot des Tiefseebergbaus ein, denn Eingriffe in diese wenig erforschten Ökosysteme können natürliche CO₂-Speicher im Meeresgrund zerstören und die Klimakrise verschärfen.
Ein weiteres Handlungsfeld ist der globale Schiffsverkehr: Eine moderate Reduktion der Schifffahrtsgeschwindigkeit um 10 Prozent kann nicht nur die CO₂-Emissionen deutlich senken, sondern auch die Lärmbelastung im Meer und so die allgemeine Belastung der Meeresumwelt verringern.
Der Schutz und die Wiederherstellung mariner Lebensräume sind entscheidend für den Klimaschutz. Ökosysteme wie etwa küstennahe Seegraswiesen speichern grosse Mengen CO₂, fördern den Nährstoffkreislauf und reinigen das Wasser. Wird die Verschmutzung reduziert und werden sensible Lebensräume gezielt erhalten oder regeneriert, lassen sich diese natürlichen Kohlenstoffspeicher langfristig stärken.
Meeresschutz ist Klimaschutz
Mit der Kampagne Because our Planet is Blue sensibilisiert OceanCare für die zentrale Rolle der Ozeane im Klimaschutz. Zuletzt wurden über 114 000 Unterschriften aus der Zivilgesellschaft gesammelt und im Juni 2025 bei der UN-Ozeankonferenz (UNOC) in Nizza an den UN-Sondergesandten für die Ozeane übergeben. Diese Stimmen stehen für eine wachsende globale Bewegung, die einen verbindlichen Schutz mariner Ökosysteme einfordert – als kraftvollen Beitrag zur Bewältigung der Klimakrise.
