Mark Peter Simmonds Leitung Wissenschaft

Auf Versprechen für den Schutz wandernder Arten müssen Massnahmen folgen.

Story

Vom Pantanal zur Tiefsee: Persönliche Eindrücke von der Vertragsstaatenkonferenz zum Schutz wandernder Tierarten (CMS COP15)

02. April 2026

Die 15. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens zur Erhaltung wandernder wildlebender Tierarten (Bonner Konvention) in Campo Grande, Brasilien, erbrachte wichtige Beschlüsse für verschiedene marine Tierarten – darunter eine richtungsweisende Resolution über Unterwasserberge und stärkerer Schutz für Haie und andere Meerestiere. Mark Simmonds, wissenschaftlicher Leiter bei OceanCare und als wissenschaftlicher Berater zu Meeresverschmutzung geladen, war bei der Konferenz. Er teilt seine Einschätzungen zu den erzielten Ergebnissen, den bleibenden Einsichten von Campo Grande und warum die eigentliche Arbeit erst jetzt beginnt.

Alle paar Jahre treffen sich die Länder, die die grossen internationalen Wildtierkonventionen der Vereinten Nationen unterzeichnet haben, an wechselnden Orten zu riesigen „Vertragsstaatenkonferenzen“ oder COPs (Conference of the Parties). Die drei grossen Artenschutzkonventionen sind CITES (das Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten), CBD (das Übereinkommen über die biologische Vielfalt) und CMS (das Übereinkommen zur Erhaltung wandernder wildlebender Tierarten). Deren COPs brechen über das Gastgeberland herein, Teilnehmer:innen aus aller Welt reisen an, möglichst um neue Massnahmen zum Artenschutz zu vereinbaren, und verschwinden dann wieder, bis zum nächsten Treffen.

Letzte Woche war die CMS COP15 an der Reihe, die von Brasilien in der Stadt Campo Grande in einem Labyrinth aus temporären und permanenten Tagungsräumen ausgerichtet wurde. Campo Grande ist wahrscheinlich am besten bekannt als das „Tor zum Pantanal“, dem tropischen Feuchtgebiet mit der grössten Biodiversität der Welt.

Um die COP unterzubringen, wurde ein Areal neben einem grossen örtlichen Einkaufszentrum umgestaltet. Die meisten der hunderten Delegierten bewältigten ihren täglichen Weg in grossen, klimatisierten Reisebussen, die sich ihren Weg durch die belebten Strassen der Stadt bahnten. Die Sitzungen dauerten vom frühen Morgen bis spät in die Nacht, und rund dreihundert Dokumente wurden offiziell behandelt. Viele davon betrafen die Aufnahme weiterer Arten in die Anhänge der Bonner Konvention, um die Schutzverpflichtungen zu verbessern. Auf der Liste der Vorschläge fanden sich auch brasilianische Arten wie Jaguar, Riesenotter und gestreifter Sorubim (eine Antennenwels-Art).

Ich hatte die Ehre, als einer der „von der COP ernannten wissenschaftlichen Berater“ teilzunehmen – konkret als derjenige, der sich auf Meeresverschmutzung konzentriert, eine Rolle, in die ich bei der vorletzten COP berufen worden war. In den Monaten vor dieser Tagung arbeitete ich an der Ausarbeitung mehrerer Papiere und Vorschläge zu diesem Themenbereich mit, gemeinsam mit meinen grossartigen Kolleg:innen von OceanCare, dem CMS-Sekretariat und einem Team von Expert:innen für die Verschmutzungsthematik. Ich werde darauf zurückkommen.

Das Konferenzszenario

Doch zunächst möchte ich einmal beschreiben, wie es ist, an einem dieser riesigen multinationalen Treffen teilzunehmen. Bei dieser COP, wie auch bei den vorangegangenen Konferenzen, fanden einige Sitzungen unter Beteiligung aller statt (daher der Bedarf an einem riesigen Tagungsraum), während andere parallel abliefen, um Vorschläge detailliert beraten und überarbeiten zu können. Bei den grösseren Sitzungen wurde die Übersetzung in die drei Sprachen der Konvention (Französisch, Spanisch und Englisch) über Kopfhörer bereitgestellt.

Sowohl Länder als auch Nichtregierungsorganisationen wie OceanCare können sich in der Regel während der Diskussionen zu Wort melden, um Vorschläge zu machen oder Stellungnahmen abzugeben. Das Mikrofon zu ergreifen, kann jedoch eine einschüchternde Vorstellung sein, wenn man vor hunderten Menschen in der grossen Halle steht und es zudem um ein technisches Thema geht, an dem viele Jurist:innen und andere Expert:innen beteiligt sind. Die Diskussionen drehen sich oft nur um wenige Wörter und ihre Bedeutung. Letztendlich werden am letzten Tag alle Vorschläge in einer Abschlusssitzung zusammengefasst, und jeder wird in der von den vorangegangenen Arbeitsgruppen überarbeiteten Fassung vorgestellt (sofern Konsens über eine Änderung gefunden werden konnte).

Bilanz ziehen

Von den einundvierzig geprüften Vorschlägen für Listungen von Arten wurden alle bis auf einen (eine Engelhai-Art) angenommen. Letzterer wurde zurückgezogen, obwohl mir der Grund dafür nicht klar ist. Möglicherweise hatte er nicht genügend Unterstützung von anderen Ländern im Verbreitungsgebiet der Art erhalten. Aber lassen Sie uns hier das Positive hervorheben: die Schnee-Eule, der Riesenotter, drei Fuchshai-Arten, zwei Hammerhai-Arten, mehrere Süsswasser-Fischarten und viele See- und Küstenvögel wurden erfolgreich gelistet, sodass diese Arten nun zusätzlichen Schutz erhalten. Bei aller Freude darüber dürfen wir natürlich nicht vergessen, dass der Grund für die Aufnahme dieser Arten in die Liste darin liegt, dass sich ihre Lage verschlechtert hat.

Es gab auch einen von Usbekistan eingebrachten Vorschlag, eine Art aus Anhang I zu streichen, nämlich den Bucharahirsch aus Zentralasien. Dies war der erste Antrag in der Geschichte der COPs auf Streichung einer Art aus einem Anhang und er stiess auf gemischte Reaktionen. Es ist natürlich erfreulich, wenn sich eine Art so gut erholt, dass sie keinen zusätzlichen Schutz mehr benötigt. In diesem Fall aber war der Antrag bei der Sitzung des Wissenschaftsrates der Bonner Konvention im vergangenen Dezember auf heftige Ablehnung gestossen und so wurde er auf der COP zurückgezogen.

Die Ozean-COP

Bei dieser COP standen Meeresfragen stark im Fokus, allen voran eine potenziell bahnbrechende Resolution und der dazugehörige Beschluss zum Thema „Erhaltung der Ökosysteme unterseeischer Berge“, von Panama und Monaco auf die Tagesordnung der COP gesetzt und von der Deep Sea Conservation Coalition unterstützt, zu deren Mitgliedern auch OceanCare zählt.

Seeberge sind Unterwasseroasen, die vom Meeresboden empor ragen, aber die Wasseroberfläche nicht erreichen. Diese Unterwasserstrukturen beherbergen viele Arten, darunter auch wandernde Arten, die sie als wichtige Lebensräume für die Nahrungssuche und andere Zwecke nutzen. Die verabschiedeten Beschlüsse legten den Schwerpunkt auf den Schutz vor zerstörerischen Fischereimethoden und Überfischung. Dies wird ein wichtiges Vermächtnis der COP15 sein und einen Fahrplan für international koordinierte Massnahmen zum Schutz dieser einzigartigen und wichtigen Unterwasserlebensräume bieten. Lob gebührt den federführenden Ländern, der Deep Sea Coalition und allen anderen, die unermüdlich daran gearbeitet haben, zu diesem erfolgreichen Abschluss zu gelangen.

Das andere brisante Thema auf der Tagesordnung war der Tiefseebergbau. Dazu hatte es auf der vorherigen COP im Jahr 2024 in Usbekistan eine heftige Debatte gegeben, wobei sich einige Delegierte fast die gesamte COP14-Woche in einer speziellen Arbeitsgruppe kaserniert hatten, um eine geeignete Formulierung zu finden. In den darauffolgenden Jahren war ein neuer Bericht zu diesem Thema für die CMS erstellt worden, der nun von der COP15 behandelt wurde. Der Bericht bestätigte erneut, dass zu wenig über die Auswirkungen des Tiefseebergbaus auf die betroffenen Arten bekannt ist, als dass er fortgesetzt werden könnte. Nach einer kurzen Debatte schloss sich die COP15 daher der vorherigen COP an und eine Fassung des neuen Berichts wird in der technischen Reihe der CMS veröffentlicht und verbreitet werden.

Kommunikationsflüsse

Einer der grossen Vorteile dieser riesigen Konferenzen besteht darin, dass die weltweiten Medien Berichte und Bilder aufgreifen und rund um den Globus an die interessierte Öffentlichkeit weiterverbreiten, wodurch alle an die bedrohliche Lage der betreffenden Tiere, ihre Existenz und Schönheit und natürlich an unsere grosse Verantwortung, ihnen zu helfen, erinnert werden. Das CMS-Sekretariat (ein beherztes Gremium aus fachkundigen Prozessbegleiter:innen, Verwaltungsfachleuten und Kommunikationsfachleuten) hat mir gerade die neuesten Statistiken zu den Medienberichten mitgeteilt. Sie berichten, dass die Tagung bis heute 5.001 Artikel in 28 Sprachen in 85 Ländern hervorgebracht hat.

Zu den Ergebnissen zählt, dass wurden 40 Arten, Unterarten und Populationen auf der COP15 in die Anhänge der CMS aufgenommen, davon 20 in Anhang I:

  • Pazifischer Fuchshai, Grossaugen-Fuchshai und Gewöhnlicher Fuchshai
  • Bogenstirn-Hammerhai und Grosser Hammerhai
  • Gelbschenkel
  • Hudsonschnepfe
  • Hudsonbrachvogel
  • neun Arten von Hakensturmtauchern (Barau-, Vanuatu-, Schwarzkappen-, Madeira-, Magenta-, Schlegel-, Macgillivray-, Maskarenen- und Salomonen-Sturmvogel)
  • Geparden (Population von Simbabwe)
  • Streifenhyäne
  • Riesenotter

Und zum Schluss – ein paar abschliessende Gedanken.

Für mich persönlich sind diese Veranstaltungen auch ein Treffen von Freunden aus aller Welt, die in den nationalen Delegationen oder in den Reihen der Nichtregierungsorganisationen sitzen. Einige von uns arbeiten schon seit Jahrzehnten zusammen. Es geht also auch darum, sich auszutauschen und auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten – was ein grosser Pluspunkt ist! Aber was ist jetzt mit der Arbeit gegen Meeresverschmutzung, werden Sie vielleicht fragen.

Sie durchlief die verschiedenen Etappen der COP ohne grosse Debatten und weitgehend unbeschadet. Es gab einen kleinen Rückschlag in der Resolution, als ein Land (aus mir noch immer unklaren Gründen) Einwände gegen das Konzept der Adressierung neu auftretender Verschmutzungen erhob. Dieses konnte leider nicht mehr gerettet werden. Alles andere wurde jedoch vereinbart, und was besonders wichtig ist: Wir können nun eine Expertenarbeitsgruppe einrichten, die die Massnahmen der CMS in diesem breiten Themenbereich leitet.

Zu meinen bleibenden Eindrücken von dieser COP und der Stadt Campo Grande gehören:

  • die wunderschönen blau-gelben Aras, die oft vor meinem Hotel und dem COP-Veranstaltungsgelände zu sehen waren – meist hoch oben in einer Palme
  • die friedlichen Capybaras im örtlichen Park
  • die Schar der bärtigen Anwälte aus Brasilien in ihren eleganten Anzügen
  • die lange Wagenkolonne des brasilianischen Präsidenten – gesehen vom Fenster einer örtlichen Pizzeria aus – mit ihrer Motorradeskorte, als sie die Strasse entlangfuhr (er hatte sich grosszügigerweise die Zeit genommen, an einer Eröffnungssitzung der COP auf „hoher Ebene“ teilzunehmen)
  • die inspirierenden Beiträge von Freund:innen und Kolleg:innen, darunter natürlich jene, die über das Mikrofon von OceanCare so schön vorgetragen wurden
  • die Hitze (etwa 28 °C)
  • explodierende Klimaanlagen (nur ein paar dramatische Knalle, niemand wurde verletzt)
  • kolossale Himmelsformationen über der Stadt und plötzliche sintflutartige Regengüsse, die letzte Woche ein- oder zweimal drohten, unsere Beratungen zu überschwemmen, und
  • das Einschlafen in einem grossen Reisebus, während dieser durch die Strassen der Stadt fuhr.

Mein Dank gilt dem Meeres-Team (ihr wisst, wer gemeint ist) und dem OceanCare-Team sowohl in Brasilien als auch in der Ferne; und all den Menschen, die uns während dieser intensiven sieben Tage versorgt und umsorgt haben.

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