Die verborgene Gefahr unter den Wellen: Unterwasserlärm im Mittelmeer | Regionales REMPEC-Webinar
Am 29. Mai 2026 veranstaltete das Regionale Zentrum für die Notfallbekämpfung von Meeresverschmutzung im Mittelmeer (REMPEC) in Zusammenarbeit mit seinem UNEP/MAP-Partner OceanCare das regionale Webinar „Die verborgene Gefahr unter den Wellen: Unterwasserlärm im Mittelmeer“.
Die Online-Veranstaltung brachte Fachleute aus internationalen Organisationen, regionalen Institutionen, Wissenschaft, Industrie und Zivilgesellschaft zusammen. Diese diskutierten über die Auswirkungen von menschengemachtem Unterwasserlärm auf das Meeresleben, laufende Entwicklungen auf internationaler und regionaler Ebene sowie Möglichkeiten zur Verringerung der Unterwasserlärmemissionen aus der Schifffahrt und anderen menschlichen Aktivitäten auf See.
Hintergrund: Warum Unterwasserlärm das Mittelmeer bedroht
Unterwasserlärm hat sich im Mittelmeer zu einem zunehmend wichtigen Umweltthema entwickelt, wo der intensive Schiffsverkehr zu einigen der weltweit höchsten gemessenen Hintergrundlärmpegel beiträgt. Handelsschifffahrt, Fähren und Freizeitboote erzeugen kontinuierlichen Unterwasserlärm, der sich über grosse Distanzen ausbreiten kann und die natürlichen akustischen Bedingungen verändert, auf die viele Meeresarten für Kommunikation, Orientierung, Nahrungssuche und andere lebenswichtige Funktionen angewiesen sind.
Das Thema erhält auf internationaler und regionaler Ebene zunehmend Aufmerksamkeit, insbesondere wegen seiner Auswirkungen auf Wale, Delfine und andere Meeresorganismen, die für lebenswichtige Funktionen auf Schall angewiesen sind. Gleichzeitig gibt es bereits praktikable Lösungen zur Verringerung der Unterwasserlärmemissionen, darunter Massnahmen wie die Reduzierung der Schiffsgeschwindigkeit sowie technische Verbesserungen bei Schiffsdesign und Antriebssystemen.
Ein Meilenstein für das Mittelmeer: Verabschiedung von Unterwasserlärm-Indikatoren
Das Webinar ist Teil der Umsetzung des Gemeinsamen Strategischen Ziels (CSO 7) der Mittelmeerstrategie zur Verhütung, Vorsorge und Bekämpfung von Meeresverschmutzung durch Schiffe (2022–2031). Diese fordert gezielte Massnahmen zur Bewältigung neu auftretender Probleme, einschliesslich der Verhütung und Verringerung der Auswirkungen von Unterwasserlärm auf das Meeresleben durch verstärkte Überwachung, Zusammenarbeit und die Förderung von Minderungsmassnahmen.
Die Veranstaltung unterstützte zudem die erste Umsetzung der neu verabschiedeten Unterwasserlärm-Indikatoren im Rahmen des UNEP/MAP Integrierten Überwachungs- und Bewertungsprogramms (IMAP). An der 24. Tagung der Vertragsparteien des Übereinkommens von Barcelona (COP 24) im Dezember 2025 wurden Unterwasserlärm-Indikatoren sowohl für kontinuierlichen als auch für impulsiven Lärm offiziell als Gemeinsame Indikatoren verabschiedet. Dies stellt einen wichtigen Meilenstein für die regionale Umweltüberwachung und -bewertung dar. Die Vertragsparteien haben sich verpflichtet, diese Indikatoren schrittweise in ihre nationalen Überwachungsprogramme zu integrieren.
Regionales REMPEC-Webinar zu Unterwasserlärm im Mittelmeer
Fachleute von UNEP/MAP, IMO, EMSA, IWC, ACCOBAMS, Transport Canada und Quiet Oceans beleuchteten jüngste wissenschaftliche Fortschritte, politische Entwicklungen und technische Lösungen zur Bewältigung von Unterwasserlärm im Mittelmeer. Die Präsentationen befassten sich mit den Auswirkungen von Unterwasserlärm auf Meeresarten, neu entstehenden regulatorischen Rahmenbedingungen, regionalen Überwachungsbemühungen und innovativen Instrumenten für Bewertung und Management.
Aus den Präsentationen und Diskussionen ergaben sich mehrere wichtige Kernbotschaften:
- Unterwasserlärm wird zunehmend als bedeutende Umweltbelastung anerkannt, die Meeresarten betrifft, die für Kommunikation, Orientierung und Überleben auf Schall angewiesen sind.
- Die Handelsschifffahrt bleibt die Hauptquelle für kontinuierlichen Unterwasserlärm, wobei Propellerkavitation (Entstehung von Blasen in einer Flüssigkeit nach einer Depression) einen erheblichen Anteil der Emissionen ausmacht. Gezielte Minderungsmassnahmen könnten daher substanzielle Reduktionen der Gesamtlärmpegel bewirken.
- Die Reduzierung der Schiffsgeschwindigkeit wurde als eine der wirksamsten kurzfristigen Massnahmen zur Verringerung von Unterwasserlärm identifiziert, die zugleich auch eine Reduktion der Treibhausgasemissionen bewirkt. Weitere Lösungsansätze umfassen eine verbesserte Routenplanung, leiseres Schiffsdesign und Lärmminderung an der Quelle.
- Das Webinar betonte ausserdem die Bedeutung der Stärkung von Überwachungs- und Bewertungsrahmen. Die jüngste Verabschiedung der IMAP-Gemeinsamen Indikatoren 26 und 27 stellt einen bedeutenden Fortschritt dar. Die weitere Arbeit wird sich auf die Verfeinerung von Schwellenwerten, die Verbesserung von Bewertungsmethoden, die Erhöhung der Überwachungsdaten und die Stärkung der nationalen Kapazitäten in der gesamten Region konzentrieren.
- Es wurde die Bedeutung der Kombination von kurz- und langfristigen Massnahmen hervorgehoben, um Unterwasserlärm wirksam zu reduzieren. Während viele Massnahmen – insbesondere technologische Verbesserungen – aufgrund des für eine grossflächige Umsetzung erforderlichen Zeitaufwands voraussichtlich erst längerfristig Ergebnisse liefern werden, wurde die Reduzierung der Schiffsgeschwindigkeit als wirksamste Massnahme für kurzfristige Reduktionen genannt.
- Hervorgehoben wurde der Wert bestehender Instrumente und Plattformen wie NAVISON, NETCCOBAMS und OceanPlanner, die Überwachung, Modellierung und Entscheidungsfindung sowohl auf regionaler als auch auf lokaler Ebene unterstützen, auch innerhalb von Meeresschutzgebieten.
Ein wiederkehrendes Thema während des gesamten Webinars war die Bedeutung der regionalen Zusammenarbeit. Fortschritte beim Erreichen eines guten Umweltzustands in Bezug auf Unterwasserlärm werden von koordiniertem Handeln der Mittelmeerstaaten und der fortgesetzten Zusammenarbeit zwischen Organisationen wie UNEP/MAP, IMO, ACCOBAMS, EMSA und weiteren Partnern abhängen.
Das Webinar verdeutlichte, dass bereits eine starke wissenschaftliche, politische und technische Grundlage vorhanden ist, um gegen Unterwasserlärm im Mittelmeer vorzugehen. Darauf aufbauend werden REMPEC, OceanCare und alle weiteren Partner die regionale Zusammenarbeit, die Überwachungsbemühungen und praktische Minderungsmassnahmen weiterhin unterstützen, um dazu beizutragen, dass sowohl maritime Aktivitäten als auch die marine Biodiversität in einem ruhigeren und gesünderen Mittelmeer gedeihen können.
Webinar zum Nachschauen:
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