Konferenz in Santa Marta setzt Zeichen für den Fossil-Ausstieg
Die erste Konferenz für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen (TAFF 1) ist in Santa Marta, Kolumbien, zu Ende gegangen. OceanCare war während der gesamten Veranstaltung vertreten. Die Konferenz markierte einen wichtigen politischen Moment im Vorfeld der nächsten UN-Klimakonferenz (COP31) – insbesondere im Hinblick auf die Stärkung von Allianzen unter Ländern, die sich für eine ambitioniertere Klimagovernance und klare Ausstiegspfade aus fossilen Brennstoffen einsetzen.
Vom 24. bis 29. April 2026 kamen Vertreterinnen und Vertreter der Indigenen sowie aus Regierungen, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Finanzbranche zusammen, um eine globale Agenda für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen voranzutreiben.
Ein zentrales Ergebnis der Konferenz war die Gründung des Wissenschaftlichen Panels für die Globale Energiewende (SPGET), das künftige Diskussionen begleiten und die Umsetzung in den kommenden Jahren unterstützen soll. Die Debatten der Konferenz machten deutlich, dass Klimaschutz nicht länger auf die Reduktion von Treibhausgasemissionen beschränkt werden darf, sondern auch den Verlust der Artenvielfalt, die Zerstörung der Ozeane, Umweltgerechtigkeit und die sozialen Folgen unseres extraktiven Wirtschaftssystems in den Blick nehmen muss.
Meeresauswirkungen und Offshore-Expansion im Mittelpunkt der Debatten
Ein wiederkehrendes Thema der Konferenz war die wachsende Besorgnis über die Ausweitung von Offshore-Aktivitäten zur Erschliessung fossiler Brennstoffe und deren Folgen für Meeresökosysteme und Küstengemeinden.
Im Rahmen des Vorkonferenz-Workshops „Ocean Perspectives on the Fossil Fuel Phase-Out“, organisiert von CIEL, GGON und der Ocean Conservancy, hoben die Teilnehmenden hervor, dass Offshore-Öl- und Gasaktivitäten zu den am schnellsten wachsenden Bedrohungen für die Meeresgesundheit zählen. Präsentationen betonten, dass sich die meisten neuen Explorationsaktivitäten im Jahr 2024 auf Offshore-Gebiete konzentrierten – trotz zunehmender wissenschaftlicher Belege, die Offshore-Förderung mit Biodiversitätsverlust, Meeresverschmutzung, Treibhausgasemissionen und Unterwasserlärm in Verbindung bringen.
Carlos Polo, der OceanCare bei der Konferenz vertrat, wies darauf hin, dass die Rolle des Ozeans bei der Energiewende nach wie vor nicht ausreichend in die Rahmenbedingungen der Klima- und Energiepolitik integriert sei. Die Teilnehmenden forderten eine stärkere Berücksichtigung von Offshore-Öl und -Gasförderung in internationalen Abkommen sowie eine engere Koordination zwischen den Prozessen der Meerespolitik, Klimaverhandlungen und Biodiversitätsabkommen.
OceanCare und andere Teilnehmende äusserten besondere Besorgnis über die kumulativen Auswirkungen von Offshore-Exploration und industrieller Schifffahrt auf Meerestiere. Von SkyTruth präsentierte Daten zeigten, dass die Schiffsaktivitäten im Zusammenhang mit Offshore-Öl- und Gasinfrastruktur erheblich zur Unterwasserlärmbelastung beitragen. Darüber hinaus wurden die weitreichenden ökologischen Folgen seismischer Surveys, Bohroperationen, Gasfackeln und schwimmender Produktionsanlagen thematisiert – Aktivitäten, die in ihrer Gesamtwirkung vielfach noch unzureichend erfasst sind.
Der Workshop bestärkte die wachsende Erkenntnis, dass die Ausweitung von fossilen Offshore-Aktivitäten nicht nur ein Klimaproblem darstellt, sondern auch eine zentrale Herausforderung für den Meeresschutz und die Umweltgerechtigkeit.
Die Positionen Kolumbiens und Panamas zur Öl- und Gasexploration
Kolumbien profilierte sich als eine der politisch stärksten Stimmen der Konferenz. Regierungsvertreterinnen und -vertreter stellten die Aussetzung neuer Öl- und Gasförderverträge durch das Land als Ausdruck des politischen Einklangs mit seinen Klimaschutzverpflichtungen und seiner umfassenderen Agenda für den ökologischen Wandel dar.
Kolumbien verwies zudem auf den raschen Ausbau erneuerbarer Energien und hob hervor, dass der Anteil erneuerbarer Energien am nationalen Energiemix in den vergangenen Jahren von einem auf 16 Prozent gestiegen ist. Diese Positionierung wurde nicht nur als Klimastrategie präsentiert, sondern als Beleg dafür, dass alternative Entwicklungspfade für erdölproduzierende Länder möglich sind.
Panama sprach sich für einen sofortigen, pragmatischen, gerechten und wirksamen Übergang zu sauberer Energie und Elektromobilität aus – als zentrales Element seiner wirtschafts- und sicherheitspolitischen Strategie. Das Land strebt an, importierte Brennstoffe schrittweise durch heimische erneuerbare Energiequellen zu ersetzen und die Elektrifizierung in Produktion und Verkehr voranzutreiben. Der Übergang wird nicht nur als Klimaimperativ verstanden, sondern auch als Weg zu mehr nationaler Resilienz und Energieunabhängigkeit.
Forderungen nach stärkerer internationaler Governance
Sowohl in den hochrangigen Sitzungen als auch in den zivilgesellschaftlichen Dialogen betonten die Teilnehmenden wiederholt, dass freiwillige Klimazusagen nicht ausreichen, um der Dimension der Krise gerecht zu werden. Panama lieferte eine der klarsten Interventionen: Das Land forderte verbindliche internationale Rechtsrahmen zur Durchsetzung von Ausstiegsverpflichtungen aus fossilen Brennstoffen sowie die Anerkennung der Rechte der Natur innerhalb globaler Governance-Systeme. OceanCare unterstützte die Intervention Panamas ausdrücklich. Für uns stellt diese Konferenz einen ersten, aber entscheidenden Schritt dar, um die politischen und institutionellen Grundlagen zu schaffen, die für ein Ende der Exploration neuer Reserven und der Förderung fossiler Brennstoffe erforderlich sind.
Die Teilnehmenden diskutierten zudem die Notwendigkeit, bestehende internationale Rechtsinstrumente stärker umzusetzen – darunter Gutachten des Internationalen Gerichtshofs (IGH) und des Internationalen Seegerichtshofs (ITLOS) – sowie die Weiterentwicklung der Diskussionen um einen Fossile-Brennstoffe-Vertrag.
Die Meeresgovernance spielte in diesen Gesprächen eine prominente Rolle. Delegierte betonten, dass ein erheblicher Anteil der aktuellen und künftigen Öl- und Gasförderung offshore stattfindet, weshalb die Ozeane ausdrücklich in Transitionsstrategien und künftige Klimarahmenwerke einbezogen werden müssen.
Nächste Schritte
In der abschliessenden Plenarsitzung am 29. April präsentierten die Gastgeberländer Kolumbien und die Niederlande die zentralen Ergebnisse der Konferenz in einem Kurzbericht. Als erstes konkretes Ergebnis wurde bereits die zweite Konferenz zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen angekündigt: Sie wird 2027 in Tuvalu stattfinden, mit Irland als Mitgastgeber. Darüber hinaus wurden drei Arbeitsstränge etabliert, die zur zweiten Konferenz weiterentwickelt werden sollen: die Erarbeitung freiwilliger nationaler und regionaler Fahrpläne für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, die Auseinandersetzung mit makroökonomischen Abhängigkeiten und der Finanzarchitektur sowie die Handels- und Investitionsbilanz im Hinblick auf die Dekarbonisierung.







