Kann die Mittelmeer-Region das Pariser Klimaabkommen noch erfüllen?
Am 17. März 2026 luden OceanCare, das Basque Centre for Climate Change (BC3) und die Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten zu einer hochkarätig besetzten Veranstaltung im Europäischen Parlament. Thema war die Dringlichkeit, einen strategischen Dekarbonisierungspfad für den Mittelmeerraum sowie regionale Kooperation in Reaktion auf die Klimakrise zu entwickeln.
Der Mittelmeerraum ist ein Hotspot des Klimawandels. Die 1,5°-Grenze wurde bereits überschritten und weltweit erwärmt sich nur die Arktis noch schneller als das Mittelmeer. Schon jetzt ist die Region von schweren Klimawandelfolgen betroffen: Hitze, häufigere Extremwetterereignisse und der anhaltende Niedergang der Biodiversität unterstreichen, wie dringend jetzt gehandelt werden muss. Im Widerspruch dazu werden aber weiterhin Aktivitäten gesetzt, mit denen die Resilienz der Region untergraben wird, etwa zusätzliche Bewilligungen für die Suche nach weiteren Öl- und Gaslagerstätten.
César Luena, Europaabgeordneter der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten, sprach in der Eröffnungsrede über Handlungsmöglichkeiten gegen die Klimakrise sowie über die Notwendigkeit, den Übergang zur Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu beschleunigen.
„Der Klimawandel ist für den Mediterranraum kein bedrohliches Zukunftsszenario mehr. Er ist heute schon Realität. Wenn wir das Pariser Abkommen am Leben erhalten wollen, müssen wir zusammen zur Tat schreiten, und zwar jetzt. Die Mittelmeer-Region muss zu einem Raum der Zusammenarbeit werden, in dem die Staaten ihre Bemühungen zur Emissionsreduktion und Resilienzstärkung aufeinander abstimmen. In einer Zeit wachsender geopolitischer Instabilität dient eine schnellere Abkehr von fossilen Brennstoffen nicht nur dem Klimaschutz, sondern auch dazu, unsere Angreifbarkeit zu vermindern und ein sichereres und unabhängigeres Europa zu bauen“, sagte César Luena.
Regionale Zusammenarbeit als Schlüssel
Die Veranstaltung bot Gelegenheit zur Erörterung und Diskussion des derzeitigen politischen Rahmens zur Bewältigung der Krise, einschliesslich der Chancen, die sich aus den jüngsten Beschlüssen der Anrainerstaaten zum Aktionsplan der Vereinten Nationen für das Mittelmeer (UNEP/MAP Barcelona-Konvention) ergeben, sowie aus der Einführung des Mittelmeerpakts durch die Europäische Union, der die Eckpfeiler des Green Deal und des Clean Industrial Deal weiterführt.
In diesem Zusammenhang hielten Valvanera Ulargui, Kabinettsexpertin der Ersten Exekutiv-Vizepräsidentin der Europäischen Kommission für sauberen, fairen und wettbewerbsfähigen Wandel, und Tatjana Hema, Koordinatorin des Mittelmeer-Aktionsplans bei UNEP, Grundsatzreden.
„Das System der Barcelona-Konvention von UNEP/MAP fördert und unterstützt die Umsetzung des Pariser Abkommens. Wie in der Ministererklärung von Kairo anlässlich der COP24 im Dezember 2025 bekräftigt wurde, sind die Vertragsparteien der Barcelona-Konvention entschlossen, Klimaschutzmassnahmen zu beschleunigen und auszuweiten. In diesem Zusammenhang legen die Mediterranean Strategy for Sustainable Development 2026-2035 und der Regional Climate Change Adaptation Framework von der COP24 verabschiedete regionale Rahmen für die Anpassung an den Klimawandel klare Ziele, vorrangige Massnahmen und konkrete Zielvorgaben fest. Das neu eingerichtete Regional Activity Centre on Climate Change mit Sitz in der Türkei soll eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung der Vertragsparteien in ihren Bemühungen spielen“, erklärte Tatjana Hema, UNEP/MAP.
Wissenschaft zeigt mögliche Wege auf
Dr. María Victoria Román vom Basque Centre for Climate Change (BC3) und Hauptautorin des von OceanCare in Auftrag gegebenen Berichts „Remaining Carbon Budget Allocation to Mediterranean Countries“ stellte die wichtigsten Ergebnisse und Zuteilungsregeln vor, welche die Staaten der Region dazu bewegen könnten, Verhandlungen über einen gemeinsamen Pfad aufzunehmen, wie die Ziele des Pariser Abkommens durch gemeinsame Anstrengungen innerhalb der Region noch erreicht werden könnten.
„Dieser Bericht bietet alternative Wege zur Erreichung des Klimaziels des Pariser Abkommens. Während die gemeinsame Herausforderung darin besteht, die Mittelmeerregion von 2030 bis 2050 in beispiellosem Tempo zu dekarbonisieren, passen die vorgestellten Optionen die Anstrengungen in jedem Mittelmeer-Anrainerstaat an dessen finanzielle Kapazitäten, Bevölkerungszahl und historische Verantwortung an. Die Länder können diesen Bericht nutzen, um ihre künftigen NDCs an das erforderliche Ambitionsniveau anzupassen und sich auf regionale Ansätze zu einigen, um Kräfte und Ressourcen in diesem gemeinsamen Unterfangen zu bündeln“, erklärte María Victoria Román, BC3
Nicolas Entrup, Leiter für internationale Zusammenarbeit bei OceanCare, betonte, dass der Pakt für den Mittelmeerraum und die Beschlüsse von UNEP/MAP zusammen einen idealen Rahmen für die Entwicklung eines umfassenden regionalen Klimaschutzaktionsplans bieten, der sich am verbleibenden Kohlenstoffbudget der Region orientiert.
„Weitermachen wie bisher ist keine Option, da dies schwerwiegende Folgen für die Meerestierwelt, die Ökosysteme und die Menschen nach sich zieht. Es bedarf eines Ansatzes gemeinsamer Anstrengungen aller Beteiligten, damit die Anrainerstaaten zusammen Massnahmen zur Eindämmung der Klimakrise ergreifen und für die Wiederherstellung eines gesunden und widerstandsfähigen Mittelmeers sorgen“, sagte Nicolas Entrup von OceanCare.
Gemeinsame Verantwortung – gemeinsame Chance
Nicolás González Casares, Europaabgeordneter der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten, steuerte die Schlussworte bei und betonte die Notwendigkeit, schnell von fossilen Brennstoffen wegzukommen und entscheidende Fortschritte bei der Wende hin zu Energieeffizienz und erneuerbaren Energien zu erzielen, um so unsere schädliche Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu vermeiden – eine Abhängigkeit, die der Krieg im Iran abermals deutlich gemacht hat und die zu Preisschwankungen führt, die die Lebensgrundlagen der europäischen Bürger stark beeinträchtigen.
„Das Mittelmeer ist nicht nur einer der weltweiten Klimahotspots – es ist ein gemeinsames Meer, eine gemeinsame Verantwortung und eine gemeinsame Chance. Wenn wir gemeinsam handeln, kann es zu einem Raum der Klimaführerschaft werden, der saubere Energie, Stabilität und Resilienz für die gesamte Region vorantreibt“, erklärte Nicolás González Casares, S&D-Abgeordneter.
