Medienmitteilung

Historischer Moment: Hochseeschutzabkommen tritt in Kraft

14. Januar 2026
  • Meilenstein: Das Hochseeschutzabkommen (BBNJ Agreement) tritt am 17. Januar 2026 in Kraft, nachdem bisher 83 Staaten offiziell beigetreten sind, darunter einige Schlüsselstaaten.
  • Schutz für das blaue Herz unseres Planeten: Das Abkommen bildet den neuen Rechtsrahmen für den Schutz der Hochsee, inkl. für die Errichtung von Meeresschutzgebieten, verpflichtenden Umweltverträglichkeitsprüfungen vor schädlichen Eingriffen und der gerechten gemeinsamen Nutzung genetischer Ressourcen der Meere.
  • Vom Bekenntnis zum Handeln: Das Inkrafttreten ist nur der erste Schritt. Die Regierungen müssen nun Taten folgen lassen, Regulierungslücken schliessen und dauerhaften Schutz der marinen Biodiversität sicherstellen.

Es ist ein Meilenstein sowohl für den Schutz der Meere als auch für den Multilateralismus: Am 17. Januar 2026 tritt das Hochseeschutzabkommen im Rahmen der UN-Seerechtskonvention (Agreement on the Conservation and Sustainable Use of Marine Biological Diversity of Areas beyond National Jurisdiction – BBNJ) in Kraft. Damit hat sich die internationale Gemeinschaft erstmals auf einen umfassenden globalen Rechtsrahmen geeinigt, der die marine Biodiversität ausserhalb nationaler Hoheitsbefugnisse schützen soll. Diese Gebiete machen etwa zwei Drittel der Weltmeere aus und bedecken fast die Hälfte der Erdoberfläche.

Das Abkommen ist das Ergebnis von fast zwei Jahrzehnten der Verhandlungen und des Einsatzes von Regierungen, Wissenschaftler:innen und Umweltverbänden aus aller Welt. Mit dem Fortschreiten der dreifachen planetaren Krise aus Klimawandel, Artensterben und Umweltverschmutzung ist ein gesunder Ozean, der CO2 und Wärme aus der Atmosphäre aufnehmen, die Wettersysteme regulieren und zum Lebensunterhalt von Milliarden Menschen beitragen kann, umso wichtiger.

Das Hochseeschutzabkommen kann zum Rettungsanker für die Biodiversität der Meere werden. Es gibt der internationalen Gemeinschaft ein rechtsverbindliches Instrument an die Hand, das Leben im Meer zu schützen, indem Meeresschutzgebiete eingerichtet und vor der Genehmigung von Eingriffen Umweltverträglichkeitsprüfungen durchgeführt werden.

Fabienne McLellan, Geschäftsführerin von OceanCare sagt:

„Heute ist ein historischer Tag für die Weltmeere. Das Inkrafttreten des BBNJ-Abkommens ist der Höhepunkt von Jahren intensiver Verhandlungen und multilateraler Anstrengungen. Die internationale Gemeinschaft unternimmt einen bedeutenden Schritt zur Schliessung von Regulierungslücken und rechtsfreien Räumen, die den grössten Lebensraum der Welt betreffen – einen Lebensraum, der gleichzeitig allen und niemandem gehört. Dieses Abkommen ist eine Rettungsleine hin zur Erhaltung der Hochsee und zur wirksamen Bewältigung und Eindämmung grenzüberschreitender Bedrohungen, damit diese riesigen Gewässer als Lebensraum für Meeresbewohner bewahrt werden“, sagt Fabienne McLellan, Geschäftsführerin von OceanCare.

Johannes Müller, Ocean Policy Specialist bei OceanCare ergänzt:

„Es ist alles andere als selbstverständlich, dass das Abkommen so rasch nach seiner Fertigstellung in Kraft treten konnte, noch dazu in politisch so turbulenten Zeiten. Inmitten steigender geopolitischer Spannungen bei gleichzeitig beschleunigten Umweltkrisen zeigt dieses Abkommen, dass internationale Zusammenarbeit immer noch Ergebnisse für das Gemeinwohl erbringen kann. Aber das Inkrafttreten ist nicht die Ziellinie. Vielmehr ist es der Beginn einer neuen Phase verantwortungsvoller, schutzorientierter Meerespolitik. Der wahre Erfolg des Abkommens wird anhand seiner wirksamen Umsetzung, der Stärke seiner Institutionen und der Umsetzung der Schutzbekenntnisse in konkrete Massnahmen gemessen“, ergänzt Johannes Müller, Ocean Policy Specialist bei OceanCare.

Bisher sind 83 Länder offiziell dem BBNJ-Abkommen beigetreten (145 Unterzeichnerstaaten). Dies ist ein ermutigender Anfang, der das rasche Inkrafttreten des Abkommens ermöglichte. Manche wichtige Akteure im Bereich der Meerespolitik müssen jedoch erst noch an Bord kommen, darunter die USA, die das Übereinkommen unterzeichnet haben, aber noch nicht offiziell beigetreten sind, und die Russische Föderation, die bisher weder unterzeichnet hat, noch beigetreten ist. Die weltumspannende Teilnahme ist unerlässlich, um alle Gebiete ausserhalb nationaler Hoheitsbefugnisse wirksam zu schützen, die marine Biodiversität zu bewahren und die vereinbarten Regeln in der gesamten Hochsee einheitlich anzuwenden. Viele Formen der Verschmutzung, darunter Unterwasserlärm und Plastik, kennen keine Staatsgrenzen. Die Bekämpfung dieser zunehmend verheerenden grenzüberschreitenden Bedrohungen erfordert die Teilnahme, das Engagement und die Zusammenarbeit aller Nationen.

„Jetzt, in der Phase der Umsetzung, ist es für den Erfolg des Abkommens umso wichtiger, dass jene Staaten, die noch nicht offiziell beigetreten sind, dies rasch tun, darunter EU-Mitgliedstaaten wie Deutschland und Österreich, sowie andere wichtige Länder wie die Schweiz. Ihre Teilnahme wird nicht nur das politische Gewicht erhöhen, sondern auch multilaterale Führungsstärke und Glaubwürdigkeit in einer Zeit demonstrieren, in der Multilateralismus zunehmend unter Druck steht“, schliesst Fabienne McLellan.

Das Hochseeschutzabkommen

Das BBNJ-Abkommen (offiziell „Übereinkommen im Rahmen der Seerechtskonvention der Vereinten Nationen über die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt der Meere in Gebieten ausserhalb nationaler Hoheitsgewässer“ oder UNCLOS-BBNJ-Abkommen) wurde 2023 nach einem fast zwei Jahrzehnte dauernden Prozess abgeschlossen. Die Hohe See macht fast zwei Drittel (64 %) der Weltmeere aus und bedeckt etwa die Hälfte der Oberfläche unseres Planeten. Aber nur etwa 1 % der Hochsee steht unter Schutz.

Das BBNJ-Abkommen bildet den ersten kohärenten, umfassenden, internationalen und rechtsverbindlichen Rahmen spezifisch für den Schutz der biologischen Vielfalt der Hochsee und schliesst damit wichtige Lücken in der Meerespolitik. Nach der formellen Annahme des Vertragstextes durch die Verhandlungsstaaten bei den Vereinten Nationen am 19. Juni 2023 waren 60 Ratifizierungen erforderlich, damit er in Kraft treten konnte. Nachdem die 60. Ratifizierung beim Generalsekretär der Vereinten Nationen hinterlegt worden war, begann eine 120-tägige Frist, an deren Ende der Vertrag zu internationalem Recht wird. Somit tritt das Abkommen nun am 17. Januar 2026 in Kraft.

Vorbereitungskommission (PrepCom)

In Anbetracht der bevorstehenden Arbeit einigten sich die Staaten darauf, eine Preparatory Commission (PrepCom) einzurichten, um die institutionellen Grundlagen für das Inkrafttreten des Abkommens und für die erste Sitzung seines Leitungsgremiums – der Konferenz der Vertragsparteien (CoP), dem wichtigsten Entscheidungsgremium, das für die Überwachung der Umsetzung zuständig ist – zu schaffen.

Der PrepCom-Prozess ist mehr als nur administrative Routinearbeit. Er dient als wichtige Brücke zwischen der Verabschiedung des Abkommens und seiner vollständigen Umsetzung. Nach zwei Sitzungen im Jahr 2025 (April und August) wird die PrepCom im März 2026 erneut zusammentreten. Dabei wird es u.a. um die Empfehlungen für die CoP1 gehen, wie die institutionellen Fundamente des Abkommens aussehen sollen und wie es in der Praxis funktionieren wird. Kurz gesagt geht es darum, das Abkommen vom Text in die Tat umzusetzen.

Das Engagement von OceanCare im BBNJ-Prozess

OceanCare verfolgt seit 2007 die Beratungen über ein Hochseeschutzabkommen und hat die formellen Verhandlungen im Rahmen der Regierungskonferenzen (IGC) von 2018 bis 2023 aktiv begleitet. Seit der Verabschiedung des Abkommens setzte sich OceanCare für die rasche Ratifizierung des Abkommens und für strenge Umsetzungsmassnahmen zur Bekämpfung grenzüberschreitender Formen der Verschmutzung ein. OceanCare betont die Bedeutung des Vorbereitungsprozesses (PrepCom), der Staaten und Interessengruppen zusammenbringt, um die notwendigen Grundlagen – einschliesslich Regeln, Verfahren und institutionelle Vereinbarungen – für die wirksame Umsetzung des Abkommens zu schaffen.

OceanCare hat an allen bisherigen PrepCom-Sitzungen teilgenommen, nämlich denen im April und August 2025, und wird auch an der letzten PrepCom-Sitzung von 23. März bis 2. April 2026 teilnehmen, wo wir uns weiterhin für starke und wirksame Prozesse und Institutionen einsetzen werden, die für die zielführende Umsetzung des BBNJ-Abkommens von entscheidender Bedeutung sind.

Weitere Informationen

Offizielle UN-Website

High Seas Alliance Factsheet: High Seas Treaty 2023

OceanCare PrepCom work: High Seas Treaty: The Critical PrepCom Process – OceanCare

Meinungsartikel „Hochseeschutzabkommen (BBNJ): Multilateralismus ist handlungsfähig“ von Dr. Johannes-Alexander Müller