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Ausblick auf die IWC 70

21. September 2026

In wenigen Tagen wird im australischen Hobart auf Tasmanien die alle zwei Jahre stattfindende Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) eröffnet. Wie schon seit 1992 wird OceanCare auch dieses Jahr wieder mit einem Expertenteam vor Ort sein und sich dafür einsetzen, dass die Verhandlungen im besten Interesse aller Meeressäuger verlaufen. Im Folgenden ordnen wir einige der wichtigsten anstehenden Themen ein, die der Kommission bei dieser wichtigen Tagung vorliegen werden. Sie markiert zugleich den 80. Jahrestag der Gründung der IWC sowie den 40. Jahrestag seit dem Inkrafttreten des Verbots des kommerziellen Walfangs im Jahr 1986.

Wer wird an der IWC 70 teilnehmen?

Die Mitgliedstaaten der IWC sind in ihrer Haltung zum Walfang tief gespalten. Auf der einen Seite steht eine Gruppe, die als «Like-Minded» (gleichgesinnte Staaten) bekannt ist: Diese unterstützt den Schutz der Wale sowie die Beibehaltung des weltweiten Moratoriums für den kommerziellen Walfang, das seit 1986 in Kraft ist. Auf der anderen Seite steht eine Gruppe von Staaten, die eine Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs befürworten. Dazu gehören Island, Norwegen und eine Reihe kleiner Entwicklungsländer in der Karibik, in Westafrika und in anderen Teilen der Welt. Diese Gruppe lässt sich als «Pro-Use Group» (PUG) bezeichnen. Sie ist stark von der Walfangpolitik Japans geprägt, obwohl Japan kein Mitgliedstaat der IWC mehr ist.

Die IWC trifft ihre Entscheidungen auf unterschiedliche Weise, doch in der Regel spielt eine Abstimmung dabei eine zentrale Rolle. Für wichtige Entscheidungen, etwa die Festlegung von Fangquoten oder die Einrichtung von Schutzgebieten, müssen drei Viertel der abgegebenen Stimmen dafür sein. Für andere Entscheidungen, die üblicherweise als Resolutionen formuliert werden, genügt eine einfache Mehrheit (50 Prozent plus eine Stimme). Manche befürchten, dass der diesjährige Tagungsort einigen Ländern als Vorwand dienen könnte, nicht teilzunehmen, was sich auf die Entscheidungsfindung der Kommission selbst auswirken könnte. Damit verbunden ist auch die Frage der Beschlussfähigkeit (Quorum): Es müssen genügend Mitglieder der Kommission anwesend sein, damit die Tagung überhaupt Beschlüsse fassen kann. So oder so ist es also von grosser Bedeutung, welche Länder tatsächlich mit vollem Stimmrecht anwesend sein werden.

Eine dichte Tagesordnung, samt Infragestellung des Moratoriums

Auf der vollen Tagesordnung stehen mehrere Resolutionen, die darauf abzielen, den Schutz verschiedener Arten zu verbessern, indem sie die Mitgliedstaaten zu geeigneten Massnahmen auffordern. Daneben gibt es eine weitere Resolution aus dem «Pro-Use»-Block, die einen Prozess zur Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs in Gang setzen will. Diese Resolution wird, wie schon bei ähnlichen Resolutionen auf den jüngsten IWC-Tagungen, vom kleinen Inselentwicklungsstaat Antigua und Barbuda vorangetrieben. In den kommenden Tagen werden wir mehr zu dieser Resolution sagen. Mehr zu OceanCares Position finden Sie HIER.

Wie geht es den Walen selbst?

Das weltweite Moratorium für den kommerziellen Walfang kann als einer der grössten Erfolge des Artenschutzes im vergangenen Jahrhundert gesehen werden. Obwohl sich die Walfangnationen immer wieder dagegen ausgesprochen haben, hat es die Erholung mehrerer Grosswalbestände ermöglicht – ein Grund zur Freude. Doch inzwischen häufen sich weltweit Berichte über einige Walbestände, die deutliche Anzeichen von Stress zeigen. Darauf deuten vor allem vermehrt beobachtete, abgemagerte Wale hin. Der Einsatz von neuer Technik, insbesondere in Form von Drohnen, erlaubt es, die Körperkondition lebender Wale aus der Luft zu beurteilen.

Die Walfangkommission mit ihrem wichtigen Mandat für den Walschutz muss sich also nun stärker dafür einsetzen, den Auswirkungen auf die Gesundheit der Wale, ihre Fortpflanzung und die vielen weiteren direkten und indirekten Bedrohungen, denen sie ausgesetzt sind, zu begegnen. Ebenso muss sie den Ursachen dieses weit verbreiteten und besorgniserregenden Phänomens auf den Grund gehen, einschliesslich der möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf die Beutetiere der Wale in ihren wichtigsten Nahrungsgründen. Für viele Bestände sind das die antarktischen oder arktischen Gewässer, wo sich die Bedingungen rasch verändern.

Wo steht Japan?

Nachdem Japan aus der IWC ausgetreten war, hatte man gehofft, dass das Land nicht länger versuchen würde, dort Einfluss zu nehmen. Doch es wird immer deutlicher, dass dies nicht der Fall ist: Japan wird auch dieses Jahr bei der Tagung wieder vertreten sein und als Beobachter teilnehmen. Das Land war auch im Vorfeld der IWC 70 aktiv und dürfte hinter den Kulissen als wichtigster Koordinator eines Grossteils der PUG-Strategie fungieren.

Fraglich ist dabei, ob Japan nach seinem Austritt der IWC überhaupt noch einen Nutzen beimisst und die IWC-Klausel des «wissenschaftlichen Walfangs» nicht mehr nutzt, um seinen kommerziellen Walfang zu verschleiern. Tatsächlich hat Japan die breitere Schutzarbeit der Kommission nie anerkannt oder unterstützt – auch nicht die Arbeit zu Umweltbedrohungen und der Ausweitung auf alle Wal- und Delfinarten, wozu auch Schweinswale, Delfine, Flussdelfine und kleine Zahnwale zählen. Dieses fehlende Engagement für die Schutzarbeit, insbesondere im Hinblick auf diese kleineren Arten, hat die Arbeit der Kommission über die Jahre hinweg immer wieder ausgebremst.

Doch es ist genau diese Schutzagenda, zu deren Ausbau und Intensivierung sich die überwältigende Mehrheit der IWC-Mitgliedstaaten seit vielen Jahren verpflichtet hat. So besonders geschehen bei der Tagung 2018 in Brasilien, als die sogenannte «Erklärung von Florianópolis» angenommen wurde, die den Fokus der IWC entschieden auf den Walschutz verlagern sollte.

Ein Kaleidoskop von Themen und hohe Erwartungen

Hier eine kurze, ausgewählte Übersicht der vielen weiteren Themen, die in den kommenden Tagen bei der IWC 70 zur Sprache kommen werden:

Resolutionen zu Schiffskollisionen, zum Fang von Kleinwalen und zur «Erklärung von Hobart» (einer Würdigung der IWC zu ihrem 80. Jahrestag), dazu ein Vorschlag für ein Schutzgebiet im Südatlantik.»

Weitere Handlungsfelder, die befürwortet und finanziert werden müssen, sind: Meeresmüll, chemische Verschmutzung, Unterwasserlärm, Klimawandel sowie Schutz- und Managementpläne für mehrere der stärker bedrohten Arten (darunter einige neue).

OceanCare ist der Ansicht, dass die IWC ihre Arbeit für das Wohlergehen der Wale verstärken muss und wir werden die Delegierten ermutigen, dies zu unterstützen.

Wir werden Sie auf unserer Website mit Neuigkeiten und Einordnungen über den Verlauf der IWC 70 informieren.