Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Kolleginnen und Kollegen

Wir müssen heute den Tod von Joanna Toole beklagen.

Joanna war von so viel Schönem geprägt, dass es kaum möglich ist, ihr Wesen mit Worten zu beschreiben. In solchen Momenten ist es wohl das Herz, das besser spüren kann, wo unser Verstand an seine Grenzen stösst. Denn wir fühlen uns heute mit ihrem Wesen verbunden, auch wenn sie die Welt des Vergänglichen verlassen hat.

Die Nachricht, dass Joanna in dem Flugzeugabsturz nahe Addis Abeba am Morgen des 10. März 2019 ihr Leben verloren hat, war ein grosser Schock für uns. Man denkt nie daran, einen Menschen in so jungen Jahren zu verlieren.

 

Aber wir bewahren ihren Geist unter uns, indem wir uns erinnern, wer Joanna war. Sie war nicht nur eine liebe Kollegin und Freundin, sie war auch eine aufrichtige, standhafte Kämpferin für eine bessere Welt für Menschen und Tiere, wo auch immer diese lebten. Jeder, der das Vergnügen hatte, Joanna kennenzulernen, schätzte sie und war von ihr inspiriert.

Während der letzten 15 Jahre arbeitete sie für den Tierschutz und für den Schutz der Meere sowohl im NGO-Bereich als auch in internationalen Institutionen. Sie war die globale Leiterin der Kampagne von World Animal Protection gegen die Vermüllung der Meere und rief zu dieser Zeit die Global Ghost Gear Initiative ins Leben – eine sektorenübergreifende Allianz gegen verlorenes oder über Bord geworfenes Fischereigerät, mit dem Ziel, dessen verheerende Auswirkungen auf die Meerestiere zu beseitigen. Sie arbeitete auch viele Jahre am Thema Wal- und Delphinjagd, unter anderem im Rahmen der Internationalen Walfangkommission sowie an nationalen Kampagnen in Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen auf den Färöern und in Norwegen.

In den Jahren 2017 und 2018 war Joanna als Ocean Policy Consultant auch für OceanCare tätig und bereicherte unsere Organisation mit der Fülle ihrer Erfahrungen, die sie durch ihre Tätigkeit in hochrangingen politischen Gremien wie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), dem UN-Umweltprogramm und der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) erworben hatte. In diesen beiden Jahren arbeitete sie am Aufbau und dann als Koordinatorin der Abidjan Aquatic Wildlife Partnership, eines weiteren bleibenden Vermächtnisses ihres starken und wundervollen Einsatzes für die Natur.

Zeitgleich bearbeitete sie in der FAO das Thema nachhaltige Fischerei und Ende 2018 nahm sie eine grossartige Vollzeitstelle in dieser Organisation an – eine Position, von der sie geträumt hatte, die weitere Tore öffnen würde, um die Themen, die ihr so am Herzen lagen, auf einer grösseren Ebene anzupacken. Sie war im Dienste der FAO unterwegs, die sie bei der UN Environment Assembly in Nairobi in dieser Woche vertreten sollte, als sie so tragisch von uns ging.

Die vertraute Landkarte unseres Lebens weist nun einen abrupt endenden Pfad auf. Ohne Joanna voranzuschreiten wird nicht mehr wie vorher sein. Wir werden ihr Lächeln vermissen, das Funkeln ihrer Augen, ihren Humor und ihre Tiefgründigkeit. Wir betrauern ihr Dahinscheiden, aber wer sie war und wofür sie stand, hinterlässt ein bleibendes Vermächtnis. Wir werden unsere gemeinsamen Ziele weiterverfolgen, mit ihrem Geist in unserem Herzen.

Wir empfinden es als Segen, dass wir das Privileg hatten, sie kennen zu dürfen.

Heute sind unsere Herzen und Gedanken bei ihrer Familie, ihren Freunden und ganz besonders bei ihrem Lebensgefährten Paul.

Sigrid Lüber

im Namen von OceanCare und des ganzen Teams