Madrid, 1. September 2017. „Es ist von grösster Wichtigkeit, den Wanderkorridor der Wale zwischen den Balearen und dem spanischen Festland als Schutzgebiet auszuweisen und die weitere Suche nach fossilen Rohstoffen in dieser Region zu verhindern.“ Das ist die Hauptbotschaft und das Ziel eines Briefes an die spanische Regierung, unterzeichnet von 25 Wissenschaftlern und 36 Naturschutzorganisationen, die für Millionen Unterstützer auf fünf Kontinenten sprechen. Der Brief wurde heute von Vertretern der Alianza Mar Blava und der internationalen Meeresschutzorganisationen OceanCare und NRDC dem spanischen Umweltministerium übergeben.

Diese Region ist sowohl Lebensraum als auch Wanderkorridor für etliche Meeressäugerarten, darunter die zweit- und die drittgrösste Tierart des Planeten, Finnwal und Pottwal, sowie tieftauchende Arten wie Grindwale und Cuvier-Schnabelwale. Alle diese Arten besitzen bereits einen Schutzstatus nach nationalen und internationalen Normen. Dennoch setzt die Ölindustrie ihre Bemühungen fort, in dieser Region nach möglichen neuen Öl- und Gasfeldern zu suchen. Das hat eine entschiedene Reaktion sowohl der Wissenschaft als auch des Naturschutzes auf lokaler wie internationaler Ebene nach sich gezogen.

„Die spanische Regierung, die sich international dazu bekannt hat, diesen Wanderkorridor für Wale zu einer Specially Protected Area of Mediterranean Importance (SPAMI) zu machen, muss rasch vorbeugende Schutzmassnahmen ergreifen. Dazu gehört ein Totalverbot der Ölsuche und der seismischen Exploration mit Methoden, die schädlich für die Meeresfauna sind“, sagt Carlos Bravo, Sprecher der Alianza Mar Blava.

„Wenn wir den Schutz bedrohter Arten und Ökosysteme ernst nehmen, darf es keine weiteren Lärmeinträge aus extremen Schallquellen, wie Airgun-Explosionen bei der Ölsuche, geben. Den Wanderkorridor zu einem Schutzgebiet zu erklären, würde auch den Zielen des Klimaschutzabkommens von Paris entsprechen“, betont Nicolas Entrup, Sprecher für OceanCare und NRDC, beim Treffen mit dem Ministerium.

Ein Anfang 2016 erschienener Bericht im Auftrag des Sekretariats des Walschutzabkommens im Mittelmeer (ACCOBAMS) wies diesen Wal-Wanderkorridor als „black spot“ aus, d.h. als Gebiet, das starker Lärmbelastung ausgesetzt ist. Bei der seismischen Exploration von Öl- und Gaslagerstätten werden so genannte Airguns (Schallkanonen) eingesetzt, die über Wochen und Monate hinweg Explosionsschall von bis zu 240 dB ins Wasser abgeben. Solche Aktivitäten würden die Situation der Meerestiere, und besonders der lärmempfindlichen Wale und Delphine, weiter stark verschlechtern.