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Wädenswil, 9. April 2020: Am 1. April begann die alljährliche Walfangsaison in Norwegen und sogleich wurde der erste Zwergwal getötet. Die eigenmächtig beschlossene Abschussquote liegt bei 1.278 Tieren. Damit gibt Norwegen fünfmal mehr Wale der Tötung preis als Japan. Die Fangquoten widersprechen dem Stand der Wissenschaft, internationalen Beschlüssen und ethischen Normen. Auch ökonomisch ist der Walfang unrentabel und steht einer schwindenden lokalen Nachfrage nach Walfleisch gegenüber. Indes wollen die norwegischen Behörden das Bewilligungsverfahren für Walfanggenehmigungen lockern. Animal Welfare Institute, OceanCare und eine internationale Koalition aus Wal- und Tierschutzorganisationen sprechen sich in einem gemeinsamen Brief gegen eine solche Aufweichung der Vorschriften aus.

Norwegens Walfang geschieht unter einem Vorbehalt gegen das kommerzielle Walfangverbot der Internationalen Walfangkommission (IWC). Seit dessen Inkrafttreten im Jahr 1986 hat das skandinavische Land rund 14‘400 Zwergwale in europäischen Gewässern getötet. In der letztjährigen Jagdsaison tötete Norwegen insgesamt 429 Zwergwale und somit deutlich weniger als die Quote. Ein grosser Teil davon sind trächtige Weibchen, was ein zusätzliches grosses Tier- und Artenschutzproblem darstellt.

Die neue Walfangsaison dauert bis Oktober. Norwegen ist aktuell die grösste Walfangnation der Welt. Während in Island die Zeichen positiv stehen und die Waljagd letztes Jahr ausgesetzt wurde, ist Norwegen uneinsichtig. „Dass die Walfänger selbst jetzt während der COVID-19-Pandemie ihrer Tätigkeit nachgehen dürfen, zeigt, wie eisern Norwegen am Walfang festhält. Den Berufszweig, der von der Regierung mit Subventionen künstlich aufrechterhalten wird, als systemrelevant einzustufen, ist zynisch“, sagt Fabienne McLellan, Leiterin des Programms zur Einstellung der Bejagung von Waltieren, OceanCare.

Die norwegischen Behörden weichen überdies die Auflagen für Walfänger Schritt für Schritt auf. Aktuell sollen Vorschriften für die Vergabe von Walfanglizenzen gelockert werden. Auch muss nur noch eine Person an Bord über Walfangerfahrung verfügen. Bei schwierigen Jagdbedingungen unter wechselnden Witterungseinflüssen ist Erfahrung aber zentral, um zusätzliches Tierleid zu verhindern. In einem gemeinsamen Brief wendet sich eine Koalition von Wal- und Tierschutzorganisationen, darunter OceanCare, an die norwegischen Behörden, um sich gegen diese Lockerungen einzusetzen.

Norwegen rechtfertigt seinen Walfang mit Tradition – moderne Explosivharpunen und Hightech-Geräte haben aber mit der ursprünglichen Tradition kaum mehr etwas zu tun.

Dass die Nachfrage nach Walfleisch in Norwegen stark abnimmt, zeigt eine von OceanCare mit Partnern in Auftrag gegebene Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Opinion AS. Da die lokale Nachfrage nach Walfleisch gering ist, wird das Walfleisch auch Schulkindern, Touristen auf Kreuzfahrtschiffen, sowie in Restaurants und auf Festivals angeboten oder nach Japan exportiert. Auch finanziert der nordische Staat eine Reihe von Projekten, die den Absatz von Walprodukten im Land ankurbeln sollen, wie die Entwicklung von Nahrungsergänzungsmitteln, alternativen Arzneimitteln und Kosmetika aus Walöl.

OceanCare setzt sich seit 1992 als IWC-Beobachterin für ein Ende des norwegischen Walfangs ein.