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Drei Jahre sind nun vergangen, seit Japan seinen Austritt aus der Internationalen Walfangkommission (IWC) verkündet hat. Diese globale Organisation reguliert den Walfang und die Erhaltung von Walpopulationen und hat 1986 die kommerzielle Jagd auf Großwale weltweit verboten. Japans Ankündigung kam am 26. Dezember 2018. Es ist natürlich ein alter politischer Trick, etwas möglichst wenig auffallen zu lassen, indem man es zu Feiertagen veröffentlicht oder wenn gerade ein anderes Thema die Berichterstattung einnimmt. Zweifellos waren viele Ministerien und andere relevante Akteure rund um die Welt zu dieser Zeit offline. Die Mitteilung aus Tokio lautete, man sei frustriert von der jahrelangen Weigerung der IWC, das Walfangmoratorium aufzuheben, und würde nun die Kommission verlassen und in den „eigenen Gewässern“ (gemeint ist die ausgedehnte Ausschließliche Wirtschaftszone Japans im Nordpazifik) Wale jagen. Außerdem signalisierte Japan, seine Walfangflotte nicht mehr ins Südpolarmeer zu schicken. Japan deklarierte seine Botschaft sorgfältig als „Wiederaufnahme“ des kommerziellen Walfangs und so wurde es seither auch in den japanischen und anderen Medien transportiert, ganz als hätte Japan seit Inkrafttreten des Moratoriums keinen kommerziellen Walfang betrieben. Dies ist allerdings nicht richtig.

Vor dem Austritt aus der IWC hat Japan seinen Walfang jahrzehntelang als „wissenschaftliche Forschung“ deklariert und behauptet, dies sei vom Internationalen Übereinkommen zur Regelung des Walfangs, dem Gründungsdokument der IWC, gedeckt. Tatsächlich gibt es eine Klausel (Artikel VIII), welche die Tötung von Walen zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt, wenn die zuständige Behörde des betreffenden Landes dafür eine sogenannte „special permit“ ausstellt. Allerdings wurde Japans Behauptung vielfach als fadenscheinige Ausrede für eine kommerzielle, gemäß IWC verbotene Aktivität durchschaut. Die Probe aufs Exempel machten Australien und Neuseeland, indem sie diese Angelegenheit 2013 vor den Internationalen Strafgerichtshof brachten. Dieses Verfahren behandelte den Walfang im Südpolarmeer – und Japan verlor.

Japans Walfang außerhalb der IWC und damit de facto außerhalb des internationalen Rechts – was ihn natürlich schwerer sanktionierbar macht – begann im Juni 2019 und zielt auf dieselben Walarten, die schon in der Zeit des „wissenschaftlichen Walfangs“ im Nordpazifik bejagt wurden: Seiwale, Brydewale und Zwergwale. Japan gibt sich auch weiterhin eigene Quoten, die weder von der IWC noch von einem sonstigen internationalen Gremium bestätigt werden.

Ungeachtet der Pandemie blieb die japanische Walfangflotte in Betrieb und Japan ist heute das einzige Land, das ein Walfang-Fabrikschiff betreibt – die Nisshin Maru mit 8,145 Tonnen und einer Crew von etwa 100 Personen, die die Wale komplett an Bord zerlegen und verarbeiten können. Dieses Schiff lief am 14. November 2021 in den Hafen von Shimonoseki ein und entlud ca. 440 Tonnen gefrorenes Fleisch (und eine kleinere Menge Frischfleisch) von 187 Brydewalen und 25 Seiwalen. Die Flotte, die neben dem Fabrikschiff noch die Fangschiffe umfasst, war seit Juni auf See gewesen.

Japanische Medien berichten, dass frisches Brydewal-Fleisch zuletzt bei Auktionen um den erstaunlich hohen Preis von 100.000 Yen/kg (ca. 780 €/kg) verkauft wurde, was dem Fünffachen des Vorjahrespreises entspräche. Was einen solchen Preissprung verursacht haben könnte und ob dieses Niveau Bestand haben könnte, ist allerdings völlig unklar. Auch das Fleisch von Seiwalen erzielt offenbar hohe Preise, aber diese von der Branche verbreiteten Schlaglichter verdecken die wirtschaftliche Realität eines Sektors, der von staatlichen Subventionen abhängt. So wurde etwa berichtet, dass der Großhandel mit Walfleisch jährlich etwa 2,5 Mrd. Yen (ca. 19,5 Mio. €) umsetzt, die Fischereibehörde letztes Jahr aber 5,1 Mrd. Yen an staatlichen Subventionen für den Walfang ausschüttete.

Die Walfangbranche steht auch vor zwei weiteren großen finanziellen Herausforderungen. Zum einen hat die Regierung angekündigt, die Subventionen in naher Zukunft auslaufen lassen zu wollen, und zum anderen ist die Nisshin Maru in die Jahre gekommen und müsste bald ersetzt werden. Die Kosten dafür wären enorm. Im Juni hat Japans Walfangunternehmen Kyodo Senpaku Co. bei einer Aktionärsversammlung beschlossen, ein neues Walfang-Fabrikschiff zu bauen, was etwa 6 Mrd. Yen kosten soll (andere Schätzungen lagen höher). Unglaublicherweise möchte das Unternehmen das Geld mittels Crowdfunding und Krediten aufbringen. Und noch unglaublicher sind Informationen, wonach das Unternehmen planen soll, das neue Schiff für lange Distanzen und für Kollisionen mit Meereis auszulegen. Damit droht die Rückkehr des Walfangs in die Antarktik, was all jene aufschrecken sollte, die Japans Rückzug aus dem Südpolarmeer als die gute Seite von Japans Weihnachtsankündigung 2018 angesehen hatten. Es ist erstaunlich, wie hartnäckig sich Japans Walfang hält, noch dazu unter diesen wirtschaftlichen Bedingungen. Wie schön wäre es, wenn die Weihnachtszeit keine weiteren Hiobsbotschaften aus Japan, sondern einen Sinneswandel bringen würde.

 

Mark Simmonds

Mark Simmonds

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