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wafo20Tagwache um 5.00 Uhr. Über Ville Franche sur Mer geht bald die Sonne auf. Mehrfach drücke ich auf den Auslöser meiner Kamera, um die Dämmerungsstimmung über der geschichtsträchtigen Hafenstadt festzuhalten.

Wir laufen aus, fahren am roten Leuchtturm vorbei ins offene Meer, jenen Moment erwartend, in dem die Sonne aufsteigt. Der rote Feuerball lässt nicht lange auf sich warten, er hat es eilig, taucht die Kulisse in wunderbares Licht. Wie mit einem Pinsel setzt er Akzente in allen erdewafo30nklichen Gelb- und Rottönen der Farbpalette, während uns Chantal durch die Luke Müesli reicht. Es ist das beste Müesli, das ich je gegessen habe und während Andres und ich den Mix aus Früchten, Joghurt und Cerealien geniessen, tauchen neben uns Delphine aus dem frischen Nass, springen mehrmals auf und ab. Links von uns der Sonnenaufgang, rechts die Delphine – ein weiterer magischer Moment dieser einzigartigen Reise. Wir baden in purem Glück. Hinter uns liegt Monaco, wie Krönchen sitzen die weissen Schneegipfel oben auf. Vor uns einfach nur die Weite des Meeres. Unsere Seelen schaukeln unter dem sanften Fahrtwind im Rhythmus der Wellen. Wir fühlen uns frei. Selbst währendem wir arbeiten und akribisch die Meeresoberfläche nach Leben absuchen.

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Das Mittagessen ist einmal mehr lecker, es gibt Couscoussalat! „Wo ist denn bloss die Küche“, ruft Bernd, auf dem Weg zum Abwasch, „in meinem Schlafzimmer!“ antwortet Chantal, die jeweils auf dem Sofa in der Küche schläft, und wir prusten sogleich alle wieder los. Später, als Silvia und ich die Kopfhörer aufsetzen, um akustisch in die Unterwasserwelt einzutauchen, bleiben uns die Münder offen stehen. Es klickt so deutlich, dass ich an der Echtheit zweifle. Silvia ruft sofort aus, dass wir einen Pottwal hören und die Aufregung ist abermals riesig. Ich drehe mich ungeschickt um und stosse mit meinem Schuh um ein Haar die ganze Tischplatte von Bord. Wir rapportieren haargenau den Verlauf des Klickens, informieren unsere Gspöndli über jede Pause und jede Fortsetzung und spekulieren darüber, wann das mystische Tier auftauchen wird. Weil wir das Klicken so klar hören wie nie zuvor, gehe ich davon aus, dass der Pottwal unmittelbar neben mir auftauchen muss und halte meine Videokamera bereit. Schön wär’s. Um den Pottwal genau orten zu können, bräuchten wir zwei Hydrophone. Aber das ist nicht unsere Aufgabe, wir fahren schliesslich Transekt, um die Sichtungen zu rapportieren, und nicht um Tiere zu verfolgen. Der Pottwal taucht ausgerechnet am äussersten Rand unserer Sichtweite auf, die immerhin schätzungsweise 10 Meilen beträgt. Chantal erkennt seinen Blas, wir haben Gänsehaut. Es ist unser letzter Tag auf der Doubs.

Zum Abschluss nutzen wir den Wind und segeln zurück in den Hafen von Golf Juan. Ich geniesse die Fahrt in vollen Zügen, auch wenn ich viel besser lachen als segeln kann. Am Hafen verirren wir uns auf der Suche nach unserem Anlegeplatz in die Luxusanlegemeile. Könnte ich eines dieser Schiffe auswählen, eines von allen, dann wäre es die Doubs. Ich werde ein bisschen wehmütig, wie wir das Schiff gemeinsam putzen. Wir danken uns gegenseitig für diese tolle Woche. In grossen Lettern haben wir uns hinter die Ohren geschrieben: Plastikverschmutzung, Unterwasserlärm und Überfischung sind die Hauptprobleme, mit denen die Meeressäuger zu kämpfen haben. Doch die Verantwortlichen sind nicht nur Industrie, Schifffahrt und Militär, sondern wir alle als Konsumenten. Und was uns gemeinsam betrifft, können wir nur gemeinsam lösen, indem wir lernen, verantwortungsvoll mit den Ressourcen und dem Lebensraum Meer umzugehen. Es hängt von unserem Verhalten und von unserer Rücksicht ab, ob und wie sich die Meeressäuger im Mittelmeer weiterentwickeln. Wir stossen ein letztes Mal an. Auf unvergessliche Ferien mit Tiefgang, in denen wir gemeinsam gezittert und gelacht, geschwitzt und uns gefreut haben. Sehen und gesehen werden einmal anders. Einmal anders, immer anders. Es ist nicht auszuschliessen, dass sich auch 2014 Wiederholungstäter des Meeresschutzes an Bord der Doubs befinden werden. Bis dahin wird an Südfrankreichs Küste wohl noch der eine oder andere Anislikör über die Theke gehen. Mit und ohne Kräuterzusatz.