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wafo14Riesendampfer zeichnen braune Abgaswolken an den Himmel. Sie vergehen lange nicht, scheinen aus wasserfesten Farben zu sein. Bernd erklärt mir während dem Transekt, dass dies besonders billiger und umweltschädlicher Diesel sei. Über das Hydrophon können wir das Fahrzeug, dessen Konstrukteure sich das Meer als Verkehrsachse ausgesucht haben, trotz der kilometerweiten Entfernung hören. Die Lautstärke überrascht und erschreckt mich. Was wohl die Tiere von dieser Unterwasserdisco halten? Ich denke an die erste Nacht mit der Geburtstagsparty unserer mobilen Nachbarn auf der Luxusyacht. Ich hätte die Möglichkeit gehabt, auszuweichen. Die Meeressäuger hingegen können dem Lärm nicht entkommen. Chantal klärt uns über die Folgen des Unterwasserlärms auf, für den nicht nur die riesigen Schiffschrauben verantwortlich sind. Sehr viel Unterwasserlärm verursachen auch die Suche nach Öl und Militärsonare. Die Gier nach Öl treibt die Ölsuche neuerdings in Tiefen von bis zu 5 Kilometern vor! Doch das Meer hat keine Schallmauer. Und auch keinen Notausgang. Wer in diesem Lebensraum wohnt, ist dem Lärm schonungslos ausgesetzt. Ich lausche noch immer über die Kopfhörer. Chantal hat uns klar gemacht, dass sich die Tiere übers Gehör orientieren. Gehör ist für sie, was für uns Menschen die Augen sind. Ich versuche mir vorzustellen, wie es wäre, wenn ich mich konstant durch dichten undurchsichtigen Nebel bewegen müsste. Wer könnte da noch Gefahren erkennen, Partner orten und Nahrung finden? Und das ohne Supermarkt, der immer am gleichen Ort steht. Da, man hört die Delphine singen! Ich bin aus dem Häuschen. Aufregung an Deck! „Delphine, Delphine, 14 Uhr“ ruft jemand, die Uhrzeiten dienen der Orientierung, wobei der Bug 12.00 Uhr markiert. Tatsächlich, die Streifendelphine springen aus dem Wasser und offenbaren sich in ihrer ganzen Schönheit.

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Mein Herz rast, ich bin emotional total berührt. Alle sind wir das und während Chantal ihren Blick immer noch aufs Meer richtet, sagt sie, sie könnte in diesem Moment weinen vor lauter Freude und freue mich gerade noch mehr, weil mir ihre Worte unter die Haut gehen. Die Delphine tauchen unter dem Boot durch und schwimmen links am Bug mit, lassen sich treiben. „Wir sind ihnen zu wenig schnell“ ruft Andres und macht Fotos mit seiner Kamera während die anderen staunend da stehen, sich festhalten am Geländer und an diesen Momenten, die wir für die Ewigkeit in unseren Herzen einprägen, beobachtend, wie die Meeressäuger auftauchen, um im tiefen Blau zu verschwinden, immer und immer wieder, es sind magische Momente an Bord der Doubs im Sommer 2013. Stunden später schwimmt eine Meeresschildkröte an uns vorbei, die See ist so ruhig, dass wir sie mühelos erkennen können. Und zum krönenden Abschluss des Tages grüssen uns abermals die Mondfische – wir winken ihnen gerührt zurück. Nach den gefüllten Pfannkuchen aus der Bordküche, zubereitet von Silvia und Andres, gibt es zur Feier des Abends einen Pastis – offeriert von Bernd, der die Pastis-Pernod-Wette verloren hat. An der Flaniermeile von Ville Franche sur Mer, wohin der Mistral nicht ausgeht. Der weht diese Tage in die Segel rund um St. Tropez.

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Fortsetzung folgt