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EsWAFO06 war die Küstenwache, die uns im Hubschrauber umkreiste. Sofort stellte der Skipper das Radio ein, Funkkanal 76. Die Küstenwache wollte wissen, was wir da hinter uns herziehen. Wir müssen lachen. Das ist ein Hydrophon, mit dem wir dem Unterwassersound lauschen! Es ist 30 Meter lang und wenn wir auf offener See sind, dann lässt Chantal es jeweils aus. Über zwei Kopfhörer können wir so Delphine und Wale hören.

Chantal hat uns am Vorabend in die Wal- und Delphinkunde eingeführt.Wir haben Chancen, acht verschiedene Arten zu sehen, darunter wafo12Streifendelphine, Barten- und Zahnwale! Der Pottwal ist zu erkennen am Klick-Geräusch, das er beim Jagen von sich gibt. Verstummt dieses Geräusch, dann ist anzunehmen, dass er auftaucht. Da er in Tiefen von bis zu 2 Kilometern unter der Meeresoberfläche jagt, braucht er für den Weg an die Wasseroberfläche rund zehn Minuten! Zu erkennen ist er am schrägen Blas, während der Finnwal, ein Bartenwal, das Wasser senkrecht ausstösst. Chantal hat meine volle Bewunderung. Sie versteht es, auf die individuellen Charakteren einzugehen und die Gruppe als Ganzes zu coachen. Der Mix aus praktischer Forschungsarbeit und Theorie, ihre Fähigkeit, die Teilnehmer zu fordern und wo nötig ein wenig nachzuhelfen, geduldig auf Fragen einzugehen und ihre tiefe Leidenschaft für den Meeresschutz beeindrucken mich. Tagsüber ist es für ungeübte Seefahrer keine gute Idee in die Küche zu gehen, denn es kann einem sehr schnell schlecht werden. Deshalb bietet uns Chantal an, diesen Teil zu übernehmen, was ich ihr nie vergessen werde. Ihre Zmittagsplatten und SalateWAFO04 sind jedes Mal ein Gaumenfest und wir geniessen die Pausen an Deck, wenn wir alle zusammen sitzen, über Pastis und Pernod witzeln, uns die Bäuche halten vor Lachen und ein Wort das andere gibt. Beeindruckend, wie jeder seinen Platz in der Gruppe gefunden hat, sich mit dem engen Raum arrangiert. Besonders gut gefallen mir der Respekt und die Rücksicht gewürzt mit einer grosszügigen Prise Humor. Diese konnte ich heute in allen Facetten geniessen, ob an Deck oder später beim Kaffee in der malerischen Altstadt von Ville Franche sur Mer, wo wir nach dem Baden in der Bucht anlegen. Denn ich habe mich entschieden, jeweils morgens vorbeugend eine Tablette gegen Seekrankheit zu nehmen. Bernd hat mir das empfohlen. Er hat dieselbe Packung wie ich, haargenau dieselbe. Bloss dass seine Tabletten orange sind, meine blau-weiss. Kein Wunder, er ist gebürtiger Holländer, ich bin Zürcherin!

Fortsetzung folgt