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wafo12Ich habe kein Auge zugetan in der engen Koje auf der Doubs im Hafen von Golf Juan. Auf der schicken Yacht nebenan stieg eine Geburtstagsparty mit netter Musik und viel Gequatsche auf Französisch. Der Skipper an Deck trat im Schnarchen gegen Andres in meiner Nachbarskoje an. Durch die Luke blickte ich ans Himmelszelt. Über mir glänzten tausende Sterne. Alle echt. Unbeeindruckt von den Emotionen, Wünschen und Ängsten an Bord der Doubs.

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Chantal hat liebevoll das Frühstücksbuffet angerichtet. Lecker schmeckt das! Nach dem Frühstück geht’s gleich an die Arbeit. Wir laufen aus dem Hafen aus, ich sitze an Deck neben Regine und Andres, ein „Wow“ schwappt mir über die Lippen. Sogleich beginnt es zu schaukeln und zu schütteln. So fühlt sich das also an auf einem Segelschiff, draussen, im offenen Meer. Die Sonnenstrahlen spiegeln sich auf der Wasseroberfläche, die kleinen Wellen bilden Schaumkrönchen, in der Luft liegt ein Hauch von salziger Würze und Meeresfrische. Chantals Augen glänzen. Sie scheint für die Meeresforschung berufen zu sein, erklärt uns relaxt, wie der Transekt funktioniert. Stets drei Personen sitzen an Deck, vorne am Bug des Segelschiffes. Jeder überwacht 60 Grad – seitlich links, geradeaus, seitlich rechts – sodass 180 Grad Meeresoberfläche konstant beobachtet und nach Tieren abgesucht werden. Jede Sichtung wird detailliert schriftlich festgehalten. Unser Job ist es, die Sichtungen zu melden, den Rest übernimmt Chantal. Die Daten, die wir sammeln, werden anschliessend in das webbasierte Geoinformationssystem webgis.oceancare.org eingespeist mit dem Ziel, Erkenntnisse über die zeitliche und räumliche Verbreitung der Populationen im Schutzgebiet Pelagos, in dem wir uns bewegen, zu sammeln. Diese Internet-Datenbank dient weltweit der Identifikation wichtiger Lebensräume in den Ozeanen, die geschützt werden müssen. Ich habe noch nie bei einer wissenschaftlichen Arbeit mitgemacht, deshalb interessiert es mich ganz besonders. Meine ungeübten Augen lassen sich denn auch täuschen, immer und immer wieder gaukeln mir die Wellen Delphinflossen und Walfluken vor, um sich sogleich im Nichts aufzulösen. Doch dann, da, genau da vorne, hell ist es, es schwimmt an der Wasseroberfläche, es geht nicht unter, was das wohl für ein Tier ist? Es prickelt und schaudert mich, das Unbekannte kommt immer näher. Dieses Mal bin ich hundert Prozentig sicher, dass da was ist. Dieses Mal täusche ich mich nicht!

Fortsetzung folgt