Es ist früh morgens und wir gehen entlang des Strandes der brasilianischen Insel Florianópolis zum Tagungshotel. Der Strand selbst ist noch leer – aber nicht weit hinter der Brandungslinie, fast noch in Schwimmdistanz, springen riesige, schwarze Körper aus dem Atlantik und krachen mit einem riesigen, weissem Splasch wieder ins Meer. Immer und immer wieder.

Es sind paarungswillige Männchen des Südlichen Glattwales, die auf diese Weise die Weibchen beeindrucken wollen. Aber auch wir, die Walschützer von OceanCare sind beeindruckt. Und wir können nur hoffen, dass möglichst viele der Regierungsvertreter der IWC im Hotel ebenfalls beeindruckt sind. Denn hier entscheiden die Vertreter der 89 Mitgliedstaaten über das Walfangmoratorium – und damit über das Schicksal der Wale an sich. Und just in dieser Woche tummeln sich 300 Glattwale vor der Küste von Florianópolis – so viele, wie schon lange nicht mehr. Fast scheint es, als trafen sich die Tiere hier, um PR in eigener Sache zu machen.

Im fensterlosen Konferenzsaal des Spa-Hotels sind die Wale dann nur mehr Nummern und Statistiken, eine „Ressource“, die es „zu ernten“ gilt. Rund 1000 Menschen tummeln sich hier, Regierungsvertreter, NGOs, Medien. Einmal mehr versucht Japan das Walfang-Verbot zu Fall zu bringen. Die meisten Länder senden ein oder zwei Vertreter, doch Japan ist hier mit einer Delegation von 60 Mitgliedern aufgefahren. Mir erscheinen sie als Technokraten und Diplomaten und ich persönlich bin mir sicher, dass sie allesamt noch nie einen frei lebenden Wal gesehen und bewundert haben.

Im Mittelpunkt auf der Seite der Walschutz-Staaten steht Gastgeberland Brasilien: in wenigen Wochen gibt es hier Präsidentschaftswahlen und das Land befindet sich in politisch höchst unruhigen und gefährlichen Zeiten (von den beiden bestplazierten Präsidentschafts-Kandidaten sitzt einer im Gefängnis und der andere liegt nach einer Messerattacke im Spital!). Doch neben dem eigenen Wahl-Kampf führt Brasilien hier auch einen Wal-Kampf auf der Konferenz und führt die Allianz der Staaten an, die sich gegen die Japaner stellen und das Jagd-Moratorium verteidigen. Und tatsächlich hat Brasilien im Verband mit den Südamerikanischen Staaten und der EU bereits einen Erfolg zu verzeichnen: am vorletzten Tag nimmt die Konferenz die sogenannte „Florianópolis Deklaration“ an, in der die Neuorientierung der Walfangkommission in eine Walschutzorganisation angestrebt wird. Wir sind euphorisch und hüpfen fast wie die Wale in der Bucht vor dem Hotel.

Doch noch steht die alles entscheidende Abstimmung über den Antrag Japans bevor, das Moratorium aufzuheben. Erst morgen werden wir wissen, ob die Lebensfreude der Wale berechtigt ist, und das Moratorium weiter aufrecht erhalten bleibt.

Zum Autor: Tommy S. begleitet die OceanCare -Delegation an der 67. Tagung der Internationalen Walfangkonferenz