Vaquitas im Golf von Kalifornien

Lithographie Vaquitas

Vaquitas: Die letzten ihrer Art

Mit 1.5 Metern Länge sind Vaquitas die kleinsten Wale der Welt. Sie leben im nördlichen Teil des Golfs von Kalifornien und sind mit einem Bestand von rund drei Dutzend Tieren vom Aussterben bedroht. OceanCare engagiert sich seit 1993 für die seltenen Wale.

Chemische Verschmutzung und auch die Klimaveränderung machen den Vaquitas zu schaffen. Besonders gefährlich sind aber die Stellnetze, mit denen Fischer Krabben und illegal auch geschützte Totoaba-Fische jagen, deren Schwimmblase insbesondere in China als Delikatesse gilt. Vaquitas verheddern sich in diesen Netzen und ertrinken. An der Basis des Problems liegt die Überfischung. Durch industriellen Raubbau verliert die lokale Bevölkerung ihre angestammte Nahrung. Küstenfischer jagen mit immer schädlicheren Methoden, machen auch vor geschützten Tieren nicht Halt und graben sich so auf Dauer selbst das Wasser ab.

Appelle verhallten lange Zeit ungehört

Seit 1993 drängt OceanCare Mexikos Regierung zum Handeln, pocht auf die Entwicklung alternativer Einnahmequellen für die Fischer und mahnt zu nachhaltigem Fischereimanagement. Damals, als es noch einige Hundert Vaquitas gab, wurde deren Lebensraum als Biosphären-Reservat ausgezeichnet. Doch zeigte sich, dass die Behörden Verstösse gegen Schutzmassnahmen nicht ahndeten. Im Jahr 2000 nahm das Komitee zur Erhaltung des Vaquita (CIRVA), das OceanCare über Jahre hinweg substanziell unterstützt hat, die Arbeit auf und lieferte wissenschaftliche Daten zur Gefährdung der Vaquitas. Dem mexikanischen Parlament überreichte OceanCare 2001 einen Bericht zur kritischen Situation der Wale. Ab 2003 organisierte CIRVA Workshops, in denen Fischer nachhaltige Fangmethoden erlernten. Der Druck auf die mexikanische Regierung, die Vaquitas zu schützen, wurde aufrechterhalten. Mexiko hat in den vergangenen 25 Jahren viele Chancen verpasst, den Vaquita zu retten und das Ökosystem im Golf von Kalifornien zu stabilisieren.

Rettungsversuche in letzter Minute

Erst 2013 schafften Mexikos Behörden Fakten: Stellnetze wurden im Lebensraum der Vaquitas für drei Jahre verboten, andere Fischereimethoden blieben aber erlaubt. Unterstützt von OceanCare begannen mexikanische Wissenschaftler 2014 die Lebensräume der Vaquita zu kartieren. Illegale Fischereiaktivitäten wurden neu mit Drohnen aufgespürt und rigoros bekämpft. Im Juli 2015 organisierte ein Verbund von Artenschutzorganisationen, darunter auch OceanCare, einen weltweiten ‚Save the Vaquita Day‘ und brachte die Not der kleinen Wale ans Licht der Öffentlichkeit. Kurz darauf verschärfte Mexiko die Schutzmassnahmen. 2016 stellte die mexikanische Umweltbehörde 525 Mio. Pesos (30 Mio. CHF) zur Verfügung, um gegen die illegale Totoaba-Fischerei vorzugehen, was auch dem Vaquita zugutekommt. Gestützt auf die Daten von CIRVA begann die Regierung alternative Methoden für den Krabbenfang zu entwickeln, neue Verdienstquellen für Fischer zu finden und Verstösse gegen den Schutz der Kleinwale zu ahnden.

Mittlerweile sind nur noch rund drei Dutzend Vaquitas am Leben. In ihrer Verzweiflung schmiedet die Regierung heute Pläne, diese Tiere einzufangen und in einem schwimmenden Gehege zu halten. Diesem Unterfangen steht OceanCare sehr kritisch gegenüber. Der Fang sowie das Leben auf begrenztem Raum würden die Tiere unter enormen Stress setzen und sie zusätzlich gefährden. Zudem ist noch nie ein Vaquita in Gefangenschaft gehalten worden. Es ist also unbekannt, wie die Tiere darauf reagieren. Es führt kein Weg daran vorbei: Die Vaquitas müssen in ihrem natürlichen Lebensraum konsequent geschützt werden.

Walfangverbot auf Kleinwale ausweiten

Seit 1986 ist ein kommerzielles Walfangverbot in Kraft. Es gilt aber nur für Grosswale. Kleinwale, zu denen auch Delphine gehören, sind zwar nicht minder gefährdet, fallen aber nicht unter das internationale Walfangabkommen (IWC). Als Beobachterin setzt sich OceanCare seit 1992 an den Konferenzen der Internationalen Walfangkommission (IWC) für eine Ausweitung der IWC auf Kleinwale ein, was bislang von den Walfangländern verhindert wurde. Immerhin wurden bereits mehrere Resolutionen zum Vaquita verabschiedet. Zuletzt 2016, als OceanCare massgeblich dazu beigetragen hatte, dass erneut eine wichtige Resolution zum Schutz der letzten Vaquitas angenommen wurde.