<

Grindwal-Treibjagd Färöer

Grindwale

Färöer-Inseln: Die Jagd auf Wale und Delphine muss enden

OceanCare respektiert die Traditionen anderer Kulturen. Was auf den Färöer-Inseln geschieht, kann mit dem Traditions-Argument aber nicht verteidigt werden. Das Massentöten von Walen und Delphinen verstösst gegen Prinzipien des Tier- und Artenschutzes und ist ethisch inakzeptabel. Mit einer Jagd auf Weissseitendelphine im September 2021 haben die Färinger den Bogen nun massiv überspannt.

Am 12. September 2021 kam es im Skalafjörður, einer Bucht im Osten des Inselarchipels zu einem Massentötung, dessen Ausmass selbst für färingische Verhältnisse eklatant ist: Mindestens 1428 erwachsene Weissseitendelphine und dutzende Jungtiere wurden getötet.

Die Jäger hatten die Delphine mit Booten an Land getrieben, wo sie strandeten und mit Messern und Lanzen zur Strecke gebracht wurden. Der Horror, den noch lebende Tiere erfahren mussten, während ein Artgenosse nach dem andern getötet wurde, bis sie selbst an der Reihe waren, ist unvorstellbar.

Gegen jegliche Vernunft – und gegen internationale Richtlinien

Die Bilder haben weltweit Bestürzung ausgelöst. Selbst zahlreiche Bewohner der Färöer sind konsterniert, wobei sich deren Kritik auf die grosse Zahl der getöteten Tiere und die geringe Erfahrung der agierenden Jäger konzentriert. Der Premierminister der Färöer-Inseln hatte angekündigt, die Rechtsgrundlagen der Jagd auf Weissseitendelphine zu prüfen.

Als unerträgliche Provokation empfindet OceanCare, dass nur zehn Tage später in einer anderen Bucht 52 Grindwale getötet wurden.

OceanCare erinnert aber an die klare Sachlage: Gemäss der europäischen Flora-Fauna-Habitats-Richtlinie sind Weissseitendelphine und Grindwale streng geschützt und die Europäischen Union verbietet das gezielte Töten von Walen und Delphinen grundsätzlich. Die Färöer-Inseln sind als autonome Region Dänemarks zwar nicht Teil der EU, es wird aber erwartet, dass sie deren Artenschutz-Richtlinien respektieren und nicht mutwillig untergraben. Im Widerspruch steht die Waljagd auch zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen.

OceanCare ruft zum Handeln auf

Im 2021 erschienenen Bericht «Under Pressure» zeigt OceanCare, wie kritisch die Situation für Wale und Delphine in europäischen Gewässern ist. Auf dieser Grundlage rufen wir EU-Kommission und EU-Mitgliedstaaten dazu auf, die Regierungen der Färöer-Inseln und Dänemarks zum Beenden der Waljagd zu drängen. Darüber hinaus setzt sich OceanCare dafür ein, dass das international gültige Walfangverbot auch auf Kleinwale ausgeweitet wird.

Die Massentötung der Weissseitendelphine muss zum Wendepunkt werden. Deshalb appelliert OceanCare eindringlich auch an die Zivilbevölkerung, im Rahmen einer Petition an die Entscheidungsträger der EU ihre Stimme zu erheben.

 

Weitere Informationen

Hintergrund

Die Färöer-Inseln liegen rund 350 Kilometer nördlich von Schottland im Atlantik. Seit dem 16. Jahrhundert werden dort Grindwale und Delphine getötet. Zwischen 2011 und 2020 erlegten die Jäger insgesamt 7553 Grindwale, 1204 Weissseitendelphine, 21 Rundkopfdelphine und 16 Grosse Tümmler*.

Das Fleisch der getöteten Tiere wird jeweils unter der Bevölkerung verteilt. Früher diente es als Nahrung, heute ist es eine giftige «Delikatesse»: Die Quecksilberbelastung in Wal- und Delphinfleisch ist derart hoch, dass Erwachsene davon nur 3.5 Gramm pro Tag zu sich nehmen können, ohne Gesundheitsschäden in Kauf zu nehmen. Die Behörden der Färöer-Inseln haben in der Vergangenheit vom Verzehr des Fleisches abgeraten.

OceanCare unterstützt seit vielen Jahren färingische Walfanggegner, weil ein Umdenken innerhalb der Bevölkerung stattfinden muss. Unter jüngeren Einheimischen mehren sich kritische Stimmen gegen die Waljagd. Das stimmt zuversichtlich.

*Zahlen aus 2021 sind in dieser Aufzählung noch nicht enthalten.