Delphintreibjagd Taiji

Delphintreibjagd Taiji

Widerstand gegen Japans Delphinjagd

Jeweils von September bis Februar ziehen Delphinschulen mit 100 und mehr Tieren durch japanische Küstengewässer. Die Fischer des Dorfes Taiji spüren die Tiere auf und treiben sie in eine Bucht, wo Vertreter der Delphinarien-Industrie künftige „Showstars“ aussortieren und für bis zu 150‘000 Schweizer Franken kaufen. Der Rest der Tiere wird getötet; ihr Fleisch landet in den Regalen japanischer Supermärkte.
Viele Jahre kämpfte OceanCare als Mitglied der Save Japan Dolphins Coalition an der Seite des ehemaligen „Flipper“-Trainers Ric O’Barry für ein Ende der japanischen Delphinjagd. O’Barrys Einsatz in Taiji wurde in der 2009 Oskar-prämierten Dokumentation „Die Bucht“ verfilmt. Erstmals erfuhr eine breite Öffentlichkeit von den Schattenseiten der Delphinarien.

Weltzooverband in der Pflicht

Mit dem erschütternden Film „Die Bucht“ enthüllte Ric O’Barry, wie skrupellos der japanische Verband der Zoos und Aquarien (JAZA) den Ethikkodes des Weltverbandes WAZA verletzt. Dieser Kodex verpflichtet alle Mitglieder, auf den Handel mit Delphinen zu verzichten, die im Rahmen einer Treibjagd gefangen worden sind. Dennoch bringt das Wal-Museum von Taiji – bis 2015 Mitglied von JAZA – systematisch die schönsten Tiere aus der Treibjagd auf den Markt, die von Delphinarien-Vertretern ausgewählt wurden, bevor für die restlichen Tiere das Blutbad beginnt. Gerechtfertigt wird diese Jagd mit „Tradition“ und „Kultur“. Doch in Wirklichkeit geht es um ein höchst lukratives Geschäft. Die Delphinarien-Industrie ist der Motor, der das Massaker von Taiji antreibt.

Seit vielen Jahren übt OceanCare Kritik am grausamen Fang von Delphinen in freier Wildbahn. Der Weltzooverband ist mitverantwortlich für die Delphintreibjagden im japanischen Taiji, da die Haupteinnahmequelle für die Fischer der Fang lebender Delphine für die Delphinarienindustrie ist.

Auf Druck zahlreicher Aktivisten und Organisationen, darunter auch OceanCare, hat WAZA im April 2015 beschlossen, die Mitgliedschaft JAZAs zu suspendieren. Denn JAZA-Mitglieder beteiligten sich entgegen dem Ethikkodex des Weltzooberbandes an dem Handel mit Delphinen aus der Treibjagd in Taiji. WAZA lehnt Wildfänge von Delphinen sowie deren Haltung in Gefangenschaft aber nicht ab.

Um dem Dachverband weiterhin angehören zu können, versprach JAZA im Mai 2015, sich an den Kodex des Dachverbands zu halten und den Kauf von Delphinen aus Treibjagden einzustellen. Als Reaktion kündigte das Taiji-Wal-Museum – Drehscheibe im Handel mit Delphinen aus der Treibjagd für die Delphinarienindustrie – seine Mitgliedschaft bei der JAZA und verlor damit den Schutz und die Zertifizierung des Verbandes.

Den Appetit auf Delphinfleisch verderben

Publik machte der Film „Die Bucht“ auch die enorme Belastung der Delphine mit Schadstoffen wie Quecksilber, PCB und DDT. Seit 1997 untersuchen OceanCare und die Environmental Investigation Agency (EIA) Wal- und Delphinfleisch, das in Japan verkauft wird. Die Resultate waren erschreckend: In Proben wurden u.a. Quecksilbermengen gefunden, die den japanischen Grenzwert bis zu 5‘000fach überschritten.

2009 informierten OceanCare und EIA mit dem Bericht „Poisonous Policies“ die japanische Regierung sowie weltweit alle japanischen Botschaften über den Skandal und forderten, dass das Fleisch von Walen und Delphinen vom Markt genommen oder zumindest mit einer Gesundheitswarnung versehen wird. Der Appell verhallte ungehört. Die giftige „Delikatesse“ wird in Japan weiter verkauft und sogar in Schulen und Altersheimen aufgetischt.

Im Toxic Team bündelt OceanCare die Kräfte namhafter Organisa-tionen* und warnt die Konsumenten vor den Gesundheitsrisiken. Unter www.toxic-menu.org werden laufend Informationen zur Quecksilber-Problematik veröffentlicht. Verbraucherschutz-Organisationen – darunter auch die Consumers Union of Japan – sorgen dafür, dass die Konsumenten Bescheid wissen.

Die sinkende Nachfrage nach Delphinfleisch nimmt der Jagd in Taiji einen Teil des ökonomischen Anreizes. Lag die Zahl getöteter Delphine 2008 bei fast 1‘800 Tieren, waren es in der Saison 2014/15 noch rund 751. Die Strategie zeigt Wirkung. Auch bezüglich der Lebendfänge bleibt OceanCare am Ball.

Problem der Lebendfänge für Delphinarien

Während die Anzahl getöteter Delphine rückläufig ist, nehmen die Lebendfänge laufend zu. Ric O’Barry erklärt in einem Video Statement, wie besorgniserregend dieser Trend verläuft. Seit 2004 ist die Anzahl der jedes Jahr gefangenen und an japanische oder internationale Zoos und Vergnügungsparks verkauften Delphine kontinuierlich gestiegen. 1‘125 Tiere wurden im Zeitraum 2004-2014 der freien Wildbahn entrissen, wobei der traurige Spitzenwert bislang bei 247 Individuen im Jahr 2012 liegt. Näheres dazu auch unter „Delphinarien“.

Erheben Sie Ihre Stimme für die Delphine

OceanCare unterstützt die Aufklärungsarbeit japanischer NGOs und fördert damit den öffentlichen Diskurs innerhalb Japans. In internationalen Gremien setzt sich die Organisation dafür ein, dass Fang und Tötung von Delphinen sowie auch der Handel mit Delphinfleisch weltweit verboten werden.

Banner Delphintreibjagd
Beteiligen Sie sich auch am Protest gegenüber der japanischen Botschaft in Bern. Rund 400’000 Protestkarten hat OceanCare seit 2004 in der Schweiz in Umlauf gebracht. Die Aktion geht weiter, bis die Delphine vor den Jägern sicher sind.

Protestkarten jetzt bestellen unter
Tel. 044 780 66 88 oder info@oceancare.org

* Mitglieder des Toxic Teams sind: OceanCare (CH), Animal Welfare Institute (USA), Campaign Whale (UK), Elsa Nature Conservancy (JP), Environmental Investigation Agency (UK), Pro Wildlife (D), Whale and Dolphin Conservation (D/UK)