Lärm im Mittelmeer

Hotspots: Wo es im Mittelmeer dröhnt

Es ist sehr laut im Mittelmeer. Und dies ausgerechnet in Lebensräumen gefährdeter Meerestiere. Zu diesem Schluss gelangen Wissenschaftler aus Frankreich, Italien, USA und der Schweiz. In „Überblick der Lärm-Hotspots im Mittelmeer“ erheben sie 2016 erstmals flächendeckend die Dichte lärmintensiver Aktivitäten und kartieren die Lärmquellen.

Der Bericht, an dem auch Dr. Silvia Frey von OceanCare mitgearbeitet hat, umfasst Lärm verursachende Aktivitäten im Zeitraum von 2005 bis 2015 und verarbeitet Daten von 1‘446 Häfen, 228 Ölplattformen, 830 seismischen Explorationsgebieten, 7 Millionen Schiffspositionen, 52 Windfarmprojekten sowie offiziell zugänglichen Angaben zu militärischen Aktivitäten. Es zeigt sich, dass durchschnittlich zu jedem Zeitpunkt mindestens 1‘500 Schiffe im Mittelmeer unterwegs sind, ohne vollumfängliche Einberechnung der zahlreichen Freizeitschiffe. Signifikant ist die Zunahme seismischer Aktivitäten, insbesondere zur Suche von Öl- und Gasvorkommen. Wurden Druckluftkanonen, die Schallwellen von bis zu 260 Dezibel zum Meeresgrund schiessen, 2005 noch auf 3,8% der Oberfläche des Mittelmeeres eingesetzt, waren es 2013 bereits 27%. Daten zu militärischen Manövern, bei denen unter anderem mittel- und niederfrequentes Sonar eingesetzt werden, sind kaum zugänglich. Die entsprechenden Angaben im Bericht gelten als Mindestwerte. Die Kartierung zeigt erstmals, wo sich Lärm-Hotspots mit Gebieten überlappen, die für akustisch sensible Meeressäugerarten besonders wichtig sind und teilweise bereits unter Schutz stehen. Dazu zählen das Meeressäugerschutzgebiet Pelagos im Ligurischen Meer, die Strasse von Sizilien und Teile des Hellenischen Grabens, aber auch die Gewässer zwischen den Balearen und dem spanischen Festland, welche stark von Lärm betroffen sind. Der Bericht wurde im Auftrag des Abkommens der Mittelmeeranrainerstaaten zum Schutz der Wale und Delphine (ACCOBAMS) erarbeitet, um Hinweise auf mögliche Problemzonen zu erhalten und um zu identifizieren, welche weiteren wissenschaftlichen Studien nötig sind oder welche Schutzmassnahmen eingeleitet werden müssen.