Unterwasserlärm: Folgen

Die übersehene Katastrophe

Die Meeresbewohner sind für Orientierung, Kommunikation und Beutefang auf das Gehör angewiesen. Doch in den Ozeanen wird es immer lauter. Besonders gefährlich sind militärische Sonare zur Ortung von U-Booten, deren Schallwellen unter Wasser im Umkreis von 3‘000 Kilometern zu hören sind. Aber auch der Schiffsverkehr, Ölbohrplattformen und Druckluftkanonen zur Erdölsondierung erzeugen einen ohrenbetäubenden Lärm.

Innere Verletzungen und Strandungen

Die wohl auffälligste Folge von Unterwasserlärm sind Strandungen von Walen und Delphinen. Insbesondere nach Militärmanövern, bei denen Unterwassersonare zum Einsatz kommen, werden Massenstrandungen beobachtet. Extreme Schallereignisse wie diese haben Gefässschäden in Hirn, Lungen und anderen Organen zur Folge. Ausserdem kann es passieren, dass die Tiere in Panik geraten und viel zu schnell auftauchen. Dann bilden sich Stickstoffbläschen im Blut – die bekannte Taucherkrankheit. Die nachfolgende Embolie kann tödlich sein. Der Kadaver sinkt zum Meeresgrund oder wird an der Küste angespült.

Körperliche Schäden

Wie bei Menschen kann auch bei Meerestieren extreme Lautstärke zu Hörschäden führen. Da die Meeresbewohner für Kommunikation, Gefahrenerkennung, Partnersuche und Beutesuche auf ihr Gehör dringend angewiesen, ist dies äusserst bedrohlich. Aber das sind nicht die einzigen körperlichen Folgen: Bei Fischen wird zusätzlich die Schwarmstruktur durcheinander gebracht, bei Crevetten wurden Wachstumsstörungen  und bei Hummern Zellveränderungen festgestellt. Lärm stresst und schwächt damit das Immunsystem, was die Tiere insgesamt anfälliger für Krankheiten macht.

Flucht aus wichtigen Lebensräumen

Unterwasserlärm führt auch dazu, dass Meerestiere aus für sie wichtigen Lebensräumen flüchten. Das betrifft manche Arten direkt, andere werden durch die Abwanderung ihrer Beutefische dazu gezwungen. Auch bei der Paarung, Beutejagd und beim Säugen der Jungtiere wirkt Unterwasserlärm störend – mit zum Teil schlimmen Folgen, wenn die Art aufgrund anderer Umwelteinflüsse bereits geschwächt ist.