Alärm vor Kroatien

Alärm vor Kroatien

Schallgewitter mitten in der artenreichen Adria

Von September 2013 bis Januar 2014 suchte das norwegische Unternehmen Spectrum in der Adria nach Erdöl.  Mit Druckluftkanonen wurden fünf Monate lang alle 10 bis 15 Sekunden Schallwellen von bis zu 240 Dezibel in Richtung Meeresgrund abgefeuert – mitten in einem äusserst sensiblen Lebensraum, ohne vorgängige Umweltverträglichkeitsprüfung. Ausgewiesen wurden 29 potenzielle Ölförderzonen mit einer Grösse von 1‘000 bis 1‘600 km².

Mobilisiert durch OceanCare protestierten 9‘000 Personen sowie Vertreter der Tourismusbranche gegen diesen Frevel. Die Partnerorganisationen der Silent Oceans-Kampagne intervenierten bei der kroatischen Regierung und beim regionalen Schutzabkommen ACCOBAMS. Erst Ende 2014 ging die kroatische Regierung auf die Bedenken ein und versprach, eine strategische Umweltprüfung vorgängig zur Ölförderung in kroatischen Gewässern durchzuführen. OceanCare kritisierte das späte und inkonsequente Einlenken. Eine strategische Umweltprüfung ist eine Selbstverständlichkeit und kann die umfassendere Umweltverträglichkeitsprüfung nicht ersetzen. Hinsichtlich der enormen Gefahr, welche seismische Explorationen und Ölbohrungen für das marine Leben bedeuten, darf eine transparente, maximal kritische Risikoeinschätzung erwartet werden.

Anfang 2015 buhlten bereits sechs Ölkonzerne um Lizenzen für 15 der Ölförderzonen. Im Falle einer Bewilligung dürften sie während fünf Jahren Detailuntersuchungen durchführen und identifizierte Ölfelder 25 Jahre lang erschliessen. Der Österreichische Mineralölverband OMV und die amerikanische Marathon Oil planten die gemeinsame Ölerschliessung in sieben Sektoren der kroatischen Adria, darunter tiefere Gewässer, in denen der besonders lärmempfindliche Schnabelwal zuhause ist. OceanCare forderte den OMV auf, diese Pläne fallen zu lassen und erhielt dabei Verstärkung von österreichischen Umweltschutzgruppen. Öffentliche und politische Proteste in Österreich und Kroatien nahmen zu. Im Juli 2015 der Erfolg: OMV und Marathon Oil gaben ihr Vorhaben in der Adria auf.

Abgewendet ist die Gefahr aber nicht. Die kroatische Regierung schert sich wenig um ökologische und touristische Gefahren und scheint der Ölindustrie weiterhin Tür und Tor zur risikoreichen Ölförderung in der Adria öffnen zu wollen. OceanCare bleibt dran.