Unterwasserlärm: 12-Punkte-Plan

Zwölf wichtige Massnahmen zur Verminderung von Unterwasserlärm

Wir brauchen die Meere wie die Luft zum Atmen. Sie versorgen uns mit Fisch, Meeresfrüchten und Algen. Sie bedecken mehr als 70% des Planeten. Dieser gewaltige Lebensraum beherbergt eine grössere Artenvielfalt an höher entwickelten Tieren als die Kontinente. Für einen Grossteil der Meerestierarten spielt die akustische Wahrnehmung eine zentrale Rolle in ihrem Leben, etwa um zu kommunizieren, sich zu orientieren, Beute oder Fressfeinde zu erkennen oder die Umgebung wahrzunehmen. Doch in den Ozeanen wird es immer lauter. In den letzten 60 Jahren hat sich der Lärmpegel in manchen Regionen in jedem Jahrzehnt verdoppelt. Zunehmender von uns Menschen verursachter Unterwasserlärm ist ein Trend, der zu einer ernsten Gefahr für zahlreichen Meerestierarten und -populationen geworden ist. Die Verursacher dieses Lärms müssen für dessen Auswirkungen stärker zur Verantwortung gezogen werden.

OceanCare fordert die Entscheidungsträger auf, die folgenden zwölf wichtigen Massnahmen zu ergreifen, um diesem alarmierenden Trend gegenzusteuern

1. Die Resolutionen der UN-Generalversammlung zu Meeren und nachhaltiger Fischerei und die nationale Gesetzgebung müssen Unterwasserlärm explizit als ernstes und allgegenwärtiges Problem grenzübergreifender Umweltverschmutzung anerkennen, das angegangen und entschärft werden muss.

2. Es muss eine globale Strategie ausgearbeitet werden, die dem Trend zunehmenden Unterwasserlärms entgegenwirkt.

3. Massnahmen gegen Unterwasserlärm müssen Eingang in das neue, international verbindliche Regelwerk für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt der Meere jenseits nationaler Hoheitsgewässer im Rahmen der UN-Seerechtskonvention finden.

4. Unterwasserlärm ist als eine Form der Meeresverschmutzung gemäss dem Sustainable Development Goal 14.1 anzuerkennen, das vorsieht, bis 2025 alle Arten der Meeresverschmutzung zu verhüten und erheblich zu verringern.

5. Gemäss dem Vorsorgeprinzip sind alle zukünftigen lärmerzeugenden Tätigkeiten einer sorgfältigen Prüfung zu unterziehen sowie Best Available Technology und Best Environmental Practice für alle bewilligten Aktivitäten gesetzlich zu fordern.

6. Die Richtlinien der International Maritime Organization zur Verringerung von Schiffslärm sowie die Richtlinien der Bonner Konvention betreffend Umweltverträglichkeitsprüfungen für lärmerzeugende Tätigkeiten im Meeresgebiet sind in nationales Recht umzusetzen.

7. Es müssen finanzielle und regulatorische Massnahmen zur Abkehr von fossilen Energieträgern gesetzt werden.

8. Bewilligungen für lärmerzeugende Aktivitäten im Meer dürfen nicht ohne vorhergehende umfassende, belastbare und transparente Umweltverträglichkeitsprüfung erteilt werden.

9. Es ist sicherzustellen, dass Behörden und Entscheidungsträger über belastbare, überprüfbare und objektive Informationen für ihre Entscheidungen über Aktivitäten, die Unterwasserlärm erzeugen, verfügen.

10. Bei Anträgen für lärmerzeugende Aktivitäten sind frühere, gleichzeitige, laufende und geplante Aktivitäten im selben und in angrenzenden Meeresgebieten zu berücksichtigen, um mögliche kumulative oder synergistische Wirkungen, sowohl von Lärm als auch von anderen Gefahren, zu erkennen.

11. Es müssen „Ruhezonen“ eingerichtet werden, wobei für die Prioritätensetzung wissenschaftliche Grundlagen wie die Areas of Interest for Important Marine Mammal Areas und die Ecologically or Biologically Significant Marine Areas heranzuziehen sind.

12. Die Welternährungsorganisation (FAO) ist dazu anzuhalten und dabei zu unterstützen, Studien über die Auswirkungen von Unterwasserlärm auf Fische, Wirbellose und den Fischfang sowie über sozioökonomische Folgen durchzuführen.