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CMS COP13: Connect to protect wild animals

Verlust der biologischen Vielfalt – eine globale Umweltkrise

Neben dem Klimawandel ist der Biodiversitätsverlust die dringlichste globale Umweltkrise unserer Zeit. Tiere, Pflanzen und Ökosysteme werden in nie dagewesenem Tempo ausgelöscht. Zuletzt ließ ein umfassender Bericht des Welt-Biodiversitätsrats (IPBES) aus dem Jahr 2019 international die Alarmglocken schrillen. Jedes Aussterben einer Art ist ein unwiederbringlicher Verlust an sich und überdies ein weiterer Schritt zur Destabilisierung der Biosphäre als Ganzes.

Der IPBES-Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass ca. eine Million Tier- und Pflanzenarten aussterben könnten, viele davon schon innerhalb der nächsten Jahrzehnte. Nie zuvor in der menschlichen Geschichte war das Problem so groß. Der Mensch hat etwa drei Viertel der Erdoberfläche und ca. zwei Drittel der Meereslebensräume stark verändert. Die Vielzahl der Gefahren und die kumulativen Effekte bringen viele Meerestierarten und -populationen unter enormen Druck. In den Bemühungen, den Klimawandel abzuwenden – eine Krise, die sich zuletzt in den katastrophalen Waldbränden in Australien ausdrückte, welche Abermillionen Tiere töteten und weitreichende Auswirkungen haben –, müssen die Regierungen weltweit der Rolle gesunder Meeresökosysteme für das Klima besondere Bedeutung zumessen.

Es gibt viele Möglichkeiten, gleichzeitig sowohl Meerestiere als auch das Klima zu schützen. Wenn wir zum Beispiel nicht mehr nach Öl- und Gasvorkommen im Meeresboden suchen, die Ölförderung auf See auslaufen lassen und die Fahrtgeschwindigkeit von Frachtschiffen reduzieren, schützen wir Meerestiere vor gefährlichem Lärm und leisten einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Pariser Klimaziele. Diese Maßnahmen zählen zu den wichtigsten Forderungen, die OceanCare an Regierungen in aller Welt richtet. Wir müssen uns auch vergegenwärtigen, dass jeder Verlust einer Population oder Art negative Auswirkungen auf das jeweilige Ökosystem hat und dessen Funktionsfähigkeit untergräbt. Hier müssen wir verbinden, um zu schützen.

Mit einem Team aus drei Experten wird OceanCare an der 13. Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention (CMS CoP13) von 17. bis 22. Februar in Gandhinagar, Indien, teilnehmen. Wir freuen uns, dass es bereits am 15.2. ein Koordinationstreffen der zivilgesellschaftlichen Organisationen (CSOs) sowie einen ‚Stakeholder Dialogue‘ zwischen CSOs und Staatenvertretern als Teil des offiziellen Programms geben wird.

Lesen Sie mehr über die Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten und über die Arbeit von OceanCare.

Medienmitteilung und Fazit der Konferenz, 21.02.2020

Thematische Prioritäten von OceanCare bei der COP13

Bei der Konferenz widmen wir uns um konkrete Maßnahmen in den Bereichen „Aquatic Wildmeat“, zivilgesellschaftliche Partizipation sowie Unterwasserlärm.

 

Aquatic Wildmeat

Es ist ein ausuferndes Problem in Südostasien, Westafrika, der pazifischen Inselregion, Lateinamerika und anderen Regionen, dass wasserlebende Tiere für den menschlichen Konsum oder für die Verwendung als Köder getötet werden. Dies betrifft u.a. Delphine, Seekühe, Meeresschildkröten, Krokodile und Seevögel. Eine der Ursachen dafür die die industrialisierte Fischerei, oft durch Überseeflotten. Dies bringt die Küstengemeinden unter massiven Druck und zwingt sie, sich andere Quellen für Ernährung und Lebensunterhalt zu erschließen.

OceanCare widmet sich besonders dem Wildmeat-Problem in Westafrika. Erstmals wird daher auch der OceanCare-Experte für Aquatic Wildmeat, Maximin Djondo aus Benin, an der Konferenz teilnehmen und wertvolle Einblicke aus der Region, die extrem schwer zu bekommen sind, sowie lösungsorientierte Empfehlungen vermitteln.

HIGHLIGHT: Am 17. Februar wird OceanCare zusammen mit der Benin Environment and Education Society (BEES) einen Side-Event veranstalten. Die Redner kommen aus Benin, Mauretanien und Senegal, und die Eröffnungsworte wird Melanie Virtue, Head of CMS Aquatic Species Unit, sprechen.

INTERVIEW: Lesen Sie hier ein Interview mit dem OceanCare-Experten Maximin Djondo.

 

Zivilgesellschaftliche Partizipation

Angesichts des schnellsten Rückgangs der Biodiversität in der Geschichte der Menschheit sind wir drauf und dran, zentrale internationale Verpflichtungen zu verpassen, darunter die Nachhaltigen Entwicklungsziele und die Aichi-Biodiversitätsziele. Daher verlangen Experten nach einem transformativen Wandel, wozu auch innovative Governance-Ansätze gehören.

NGOs sind die Stimme der Wildtiere. Partner-NGOs der Bonner Konvention investieren zusammengerechnet mehr als 20 Millionen US-Dollar pro Jahr in konventionsbezogene Arbeit, zusätzlich zu ihrer langfristigen und fundierten Expertise. Diese Beträge müssen Anerkennung finden und diese Arbeit könnte besser in den Strategischen Plan der Bonner Konvention eingebunden werden. Die Partner-NGOs sind bereit, eine tragendere Rolle in CMS zu übernehmen, wenn ein System etabliert wird, in dem sie sich und ihre Arbeit mit formellem Status vertreten können, inklusive vollständiger Partizipation an der Entscheidungsfindung.

Neben den internationalen NGOs sollen auch Stimmen lokaler Gemeinschaften in den internationalen Diskurs Eingang finden.

OceanCare ist seit mehr sieben Jahren am Prozess der zivilgesellschaftlichen Partizipation in der Bonner Konvention beschäftigt und war dabei stets eine der treibenden Kräfte. Es gab noch nie einen vergleichbaren Prozess in einem anderen multilateralen Umweltabkommen. Auch aus diesem Grund ist es so wichtig, dass der Prozess nicht scheitert. Der Artenschutz steht am Scheideweg und es ist von größter Bedeutung, dass Regierungen und CSOs ihre Kräfte bündeln und dass die Rolle der zivilgesellschaftlichen Organisationen gestärkt wird. Wenn dieser Prozess scheitert, ist es ein Versagen der Regierungen, das leider die Chancen auf eine Trendumkehr beim Artensterben verdüstern würde.

 

Unterwasserlärm

Natürlich wird uns auch unser Dauerbrenner-Thema Unterwasserlärm bei der COP13 auf Trab halten. Im Rahmen der Silent-Oceans-Kampagne unternimmt OceanCare seit 2002 gezielte Schritte, um die Belastung durch Unterwasserlärm zu vermindern. Für die CMS COP13 beteiligte sich OceanCare an der Erarbeitung einer Vorlage zum Thema Best Available Technology and Best Environmental Practice for Three Noise Sources: Shipping, Seismic Airgun Surveys and Pile Driving. Dieses Dokument soll als Grundlage für weitere Bemühungen gegen den Unterwasserlärm dienen.

Und wir weisen auf eine Win-win-Situation hin: Wenn wir nicht mehr nach Öl- und Gasvorkommen im Meeresboden suchen, die Ölförderung auf See auslaufen lassen und die Fahrtgeschwindigkeit von Frachtschiffen reduzieren, schützen wir Meerestiere vor gefährlichem Lärm und leisten einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Pariser Klimaziele. Das vorgelegte Dokument soll den Regierungen als Leitfaden dienen, wenn sie prüfen, ob eine lärmerzeugende Aktivität genehmigt werden soll oder nicht. Denn in jedem Sektor sollen nur die jeweils besten Methoden zur Anwendung kommen.

Arten im Rampenlicht an der CMS COP13