Wädenswil/New York, 9. Juni 2017. Mit einem Appell zur Umsetzung konkreter Massnahmen (Call to Action) endete die fünftägige Ozean-Schutzkonferenz der Vereinten Nationen in New York. Der einheitlich beschlossene Appell fordert unter anderem ein besseres Ressourcenmanagement, Abfallvermeidung und eine signifikante Reduktion der Nutzung von Plastik. Das vierseitige Dokument erkennt die negativen Auswirkungen des Klimawandels, sowie von Überfischung, Plastikverschmutzung und Lärm auf die Weltmeere. Mit dem Aktionsplan wollen die Staatenvertreter, darunter zahlreiche Staatsoberhäupter und Minister, die Ziele für eine Nachhaltige Entwicklung zur Rettung der Meere erreichen.

Schon am ersten Konferenztag liess UNO-Generalsekretär António Gutteres keine Zweifel an der Herausforderung der Tagung aufkommen, die er mit den Worten „Die Meere gehören zu uns allen. Ihr Gesundheitszustand ist unsere Verantwortung; wir müssen sie retten – und wir können es uns nicht leisten, zu versagen“ eröffnete. Staaten, aber auch die Privatwirtschaft und Vertreter der Zivilgesellschaft waren zusätzlich aufgefordert, sich zu konkreten und messbaren Aktivitäten zu verpflichten. Bis zum Ende der Konferenz wurden über 1300 solcher Verpflichtungen eingereicht.

Kanada hat sich zum Beispiel dazu verpflichtet, bis Mitte 2018 keine Pflegeprodukte mit Mikroplastik mehr auf dem Markt zu erlauben. Die Malediven kündigten ein Verbot von Plastiktüten auf allen Inseln an, die sich über eine Meeresfläche von knapp 100.000 Quadratkilometer ausbreiten. Indonesien proklamiert bis 2018 eine „zero plastic policy“. Gabun hat an der Konferenz eine der grössten Meeresschutzzonen Afrikas ausgerufen. Das neue Meeresschutzgebiet soll 26% ihrer Gewässer umfassen und ist damit grösser als die Schweiz.

„Die Welt braucht eine positive Nachricht und als solche werte ich die Ergebnisse dieser Tagung“, sagt Sigrid Lüber, Präsidentin der internationalen Meeresschutzorganisation OceanCare, die mit drei Expertinnen an der Konferenz in New York teilnahm und Sonderberater-Status an den Vereinten Nationen inne hat.

„Eine vollständige Bewertung kann jedoch erst erfolgen, wenn konkrete Taten folgen. So ist die Gefahr der Vermüllung der Meere jedem bewusst, allein die Zeit drängt. Das Ziel, den Eintrag von Plastik ins Meer zu reduzieren, können wir nur erreichen, wenn jeder seinen Beitrag leistet. Klare Aktionspläne seitens der Regierungen, verpflichtende Reduktionspläne seitens der Privatwirtschaft und eine Abkehr von der Wegwerfgesellschaft sind essentiell“, ergänzt Fabienne McLellan, Sprecherin von OceanCare in New York.

Der Gefahr der Lärmverschmutzung der Meere durch die Suche nach Öl, militärische Aktivitäten und die Schifffahrt wird im kommenden Jahr das UN-Seerechtsabkommen eine ganze Woche widmen. „Eine wichtige Entwicklung“, kommentiert Sigrid Lüber, die seit 15 Jahren vehement eine internationale Lösung dieser Thematik einfordert. „Damit wird diese durch menschliche Aktivitäten verursachte grenzüberschreitende Form der Verschmutzung auf höchster Ebene interdisziplinär diskutiert und es werden Lösungen präsentiert.“ OceanCare erhielt die Gelegenheit, in der Plenarsitzung während der Konferenz im Namen von 25 NGOs eine gemeinsame Stellungnahme zum Thema Unterwasserlärm mit konkreten Empfehlungen abzugeben.

Gerade in europäischen Gewässern zeigen sich Meeresschützer über Unterwasserlärm besorgt. So setzt die Ölindustrie bei der Suche nach Ölvorkommen am Meeresgrund Schallkanonen ein, die eine Intensität von bis zu 260 Dezibel aufweisen und oft monatelang alle 10 Sekunden Explosionen aussenden. Immer tiefere Gewässer sollen erschlossen werden, wie zum Beispiel in der südlichen Adria, im hellenischen Graben vor Griechenland und an der nordafrikanischen Küste. Der Einsatz von Schallkanonen gefährdet jedoch auch kommerzielle Fischbestände und somit die Küstenfischerei dieser Staaten.