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Sigrid Lüber

Sigrid Lüber, OceanCare Präsidentin

Kaum ein Thema erhitzt in der Tier- und Artenschutzgemeinschaft die Gemüter so stark wie die Trophäenjagd. Auch mich selber stört es immens, dass passionierte Hobbyjäger für den schnellen Abschuss quer durch die ganze Welt fliegen, um ihre Sammlung an „Beutetieren“ an der Wohnzimmerwand zu vervollständigen. Ich kann nicht nachvollziehen, wie oder weshalb man einem solchen Hobby frönen kann. Ich empfinde die Trophäenjagd als höchst unethisch und absolut inakzeptabel.

Trophäenjagd als Entwicklungshilfe

Die Trophäenjagd auch noch als Artenschutz oder Entwicklungshilfe darzustellen, erscheint mir höchst zynisch. Die Trophäenjagd reduziert die Wildtierpopulationen, zerstört die Strukturen des Rudels und schwächt den Genpool. Zudem finden die Jagden oft auf privatem Gelände statt, wo weder die Staatskasse noch die lokale Bevölkerung davon profitiert.

Oft werden den Hobbyjägern auch Zucht-Löwen zum Abschuss angeboten. Diese Tiere werden drei Tage nach der Geburt von der Mutter getrennt und von Hand aufgezogen. Als Jungtiere werden sie als Touristenattraktion vermietet bis sie dem Streichelalter entwachsen sind. Danach werden sie ins Zuchtprogramm aufgenommen oder kommen auf die Abschussliste. Auf Bestellung werden diese Löwen in ein umzäuntes Revier gebracht, wo sie den Trophäenjägern förmlich vor die Flinte laufen, weil sie kaum Scheu vor Menschen zeigen (sogenanntes „canned hunting“). Dieses Schicksal erleiden viele Löwen, denn in den rund 160 Zuchtfarmen im südlichen Afrika leben schätzungsweise 5‘000 Löwen, deren Leidensweg kurz nach der Geburt beginnt.

Nein, Entwicklungshilfe ist das nicht und schon gar kein Artenschutz. Es gibt andere Möglichkeiten, Tiere zu schützen und die lokale Bevölkerung davon profitieren zu lassen. Ökotourismus zum Beispiel.

Chronologie der grössten Skandale der letzten paar Jahre

2012 geriet der spanische König Juan Carlos wegen eines angeblich 56‘000 US-Dollar teuren Jagdtrips nach Botswana, bei dem er sich die Hüfte brach und ins Krankenhaus eingeliefert werden musste, in heftige Kritik. Die Empörung war gross, denn dies geschah just als Spanien in einer schweren wirtschaftlichen Krise war und dem spanischen Volk eine strenge Sparpolitik auferlegt wurde. Besonders pikant war, dass Juan Carlos damals auch noch Ehrenvorsitzender des spanischen World Wildlife Funds (WWF) war und besonders seitens Naturschützern kritisiert wurde.

Der Fall Juan Carlos ist aber kein Einzelfall. Viele wohlhabende Touristen auf der ganzen Welt nehmen an solchen Trophäenjagden teil. So auch die Söhne des derzeitigen republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump. Sie sorgten für Empörung mit Fotos einer afrikanischen Jagdsafari, an der sie mit erlegten Büffeln und Grossraubkatzen posierten.

Die Trophäenjagd gab auch letztes Jahr viel zu reden und löste eine regelrechte Protestwelle aus. Ein Zahnarzt aus den USA tötete den Löwen Cecil, der eine lokale Berühmtheit war und bei Touristen und Wissenschaftlern Kultstatus genoss. Mit Futter hatte man ihn aus den sicheren Gefilden eines Nationalparks in Zimbabwe herausgelockt und mit einer Armbrust angeschossen. Trotz furchtbaren Schmerzen konnte Cecil vorerst entkommen und wurde 40 Stunden weitergejagt und mit einem Kopfschuss getötet.

Cecil der Löwe

© Vince o’Sullivan – Löwen im Visier der Trophäenjäger

Neben der grausamen Hinrichtung schockieren auch die dramatischen Konsequenzen, die diese zur Folge hat. Wird das Leittier eines Löwenrudels getötet, kann es sein Rudel nicht mehr vor aggressiven Löwen schützen, die als Einzelgänger unterwegs sind. Der Abschuss eines solchen Leittieres führt also zu weit mehr Todesfällen im Rudel, was bei den vom Aussterben bedrohten Löwen besonders gravierend ist.

Nach dem Skandal um den Zahnarzt Walter Palmer, der den Star-Löwen Cecil für 50‘000 US-Dollar erlegt hatte, geriet bereits der nächste US-Mediziner ins Visier der Behörden von Zimbabwe. Der Gynäkologe Jan Casimir Seski aus Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania soll in der Nähe des Hwange-Nationalpark illegal einen Löwen getötet haben. Die Polizei verhaftete den Landbesitzer, auf dessen Grund Seski das Tier angeblich erschossen hat. Im Internet kursieren Bilder, die Seski mit offenbar von ihm erlegten Tieren zeigen, darunter Zebras, Nilpferde und Elefanten. Laut dem Internetportal «Alaskabowhunter» soll Seski bereits sechs der Dickhäuter mit Pfeil und Bogen erlegt haben.

Im Herbst 2015 hatten wir in der Schweiz unseren eigenen Trophäenjagd-Skandal. Die Medien berichteten über ein Ärztepaar aus Fribourg, das in Zimbabwe einen Elefanten erlegt hatte. Das Ehepaar konnte die harsche Reaktion aus der Öffentlichkeit nicht verstehen. Perplex von den Protesten sagte die Gattin des Arztes: „Ich war stolz, einen so grossen Elefanten geschossen zu haben.“ Stolz sah sie auf dem Bild, auf dem sie und ihr Mann mit dem erlegten Dickhäuter posierten, aus. Hoffen wir, die Proteste haben das Ehepaar zum Nachdenken gebracht.

Auch Eisbären sind bei den Trophäenjägern beliebt und werden von Jagdreiseveranstaltern zum Abschuss angeboten. Kostenpunkt zwischen 30‘000 und 40‘000 Franken. Getötet werden die grössten und schönsten Eisbären, jene, die für das Überleben der Art am wichtigsten wären.

Gesetzliche Möglichkeiten, die Trophäenjagd zu stoppen

Die Trophäenjagd geht uns alle an. Viele Jagdtrophäen landen als makabere Dekoration in Wohnzimmern Europas und auch in der Schweiz. Die Hobbyjäger sind eitel. Sie wollen ihre Trophäen zur Schau stellen. Ein Importverbot für Jagdtrophäen würde der Trophäenjagd ihren Reiz nehmen.

Während der Klimawandel eine kaum lösbare Bedrohung für viele der Tiere darstellt, wäre ein Importverbot eine einfache Lösung, einen weiteren Gefahrenpunkt zu beheben. Jeder Abschuss ist einer zu viel.

Eisbärenfamilie auf Eisscholle

© Sandra Walser – Der Klimawandel bedroht Wildtiere

134 Europaparlamentarier sehen das auch. Sie haben kürzlich gefordert, dass die Einfuhrbestimmungen in die EU markant verschärft werden. Für Elefantentrophäen aus Zimbabwe, Tansania und Mosambik besteht bereits ein ausnahmsloses Importverbot.

Besonders erfreulich: Holland gab am 29. April 2016 bekannt, die Importe von Jagdtrophäen weiter einzuschränken. Die neue Liste umfasst 200 Wildtierarten – darunter Elefanten, Nashörner, Geparden, Löwen und Eisbären – von denen keine Trophäen mehr nach Holland eingeführt werden dürfen. Martijn van Dam, Staatssekretär für Wirtschaft, erklärte zudem, dass er sich für ein europaweites Importverbot für Trophäen dieser Arten einsetzen werde.

Wir wollen noch einen Schritt weitergehen und in der Schweiz ein konsequentes Importverbot für Jagdtrophäen aller gefährdeten Arten erreichen. Die Schweiz soll – wie in vielen anderen Tierschutzfragen – auch hier eine Vorbildrolle für andere Länder einnehmen.

Der politische Vorstoss wird voraussichtlich schon in der Sommersession (im Juni 2016) im Schweizer Parlament behandelt werden. Bis dahin brauchen wir dringend eine starke Rückendeckung aus der Bevölkerung! Ich lade Sie ein, unsere Petition zu unterzeichnen.

Bitte helfen Sie uns auch bei der Mobilisierung einer breiten Öffentlichkeit. Teilen Sie die Petition über Ihr Facebook und helfen Sie mit, dass das Schweizer Parlament unser Anliegen ernst nimmt.

Seien Sie ein Teil der Bewegung, die die Hobbyjäger dazu bringt, die Gewehre aus der Hand zu legen und bedrohte Tierarten vor diesem Irrsinn zu bewahren.

Eure Sigrid Lüber