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  • Klimakrise: Mittelmeer bis 2100 zwischen 1,8 bis 3,5 Grad wärmer
  • Klimasünder: Schiffsverkehr für 13,5% der Treibhausgasemissionen des EU-Verkehrs verantwortlich
  • Wäre die Schifffahrt ein Land, käme sie an sechster Stelle als Verursacher von Treibhausgasen.
  • Weiterer Anstieg bis 2050 schätzungsweise um 90-130%
  • Globale Schifffahrt verursacht mehr CO2-Emissionen als Deutschland
  • Pariser Klimaziele in Gefahr – Tempolimit ist rasche, effektive, kostengünstige Maßnahme
  • EMSA: Unterwasserlärm in EU-Gewässern zwischen 2014 und 2019 verdoppelt

Die Klimakrise trifft das Mittelmeer besonders hart: Seit 1984 stieg die Temperatur der Meeresoberfläche bereits um 0,4 Grad pro Jahrzehnt. Bis 2100 wird eine Erwärmung um 1,8 bis 3,5 Grad erwartet. Gleichzeitig gehört die Schifffahrt zu den grössten Klimasündern: 140 Mio. Tonnen CO2-Emissionen im europäischen Wirtschaftsraum gingen 2018 auf ihr Konto.

Dabei liegt ein Weg zur Lösung dieses Dilemmas ganz nahe: „Tempo runter“ sagt Nicolas Entrup von OceanCare. Die Meeresschutzorganisation hat durchgerechnet, wie viel Nutzen eine langsamere Schifffahrt der Umwelt und dem Klima bringt.

AKTUELLER EMSA-REPORT – OceanCare macht Lösungsvorschlag

90 Prozent des Welthandels werden auf dem Seeweg transportiert. Davon startet ein Drittel in der EU oder kommt hier an. Laut dem aktuellen EMSA-Report waren Schiffe 2018 für 13,5% aller Treibhausgase verantwortlich, die der Verkehr in der EU verursacht. Schon 2019 kam die Studie der europäischen NGO „Transport & Environment“ zu dem Ergebnis: Die Schifffahrt gehört zu den grössten Klimasündern. Jährlich bläst sie demnach 139 Millionen Tonnen CO2 in die Luft, insbesondere die Transportschifffahrt sticht hervor. Denn über zwei Drittel davon, nämlich 112 Millionen Tonnen, entfallen auf Schiffe, die Konsumgüter oder Schuttgüter geladen haben.

„Die gute Nachricht vorweg: Schon eine Temporeduktion von 10% macht enorm viel aus. Wenn die globale Flotte nur 10–20% langsamer fährt, stößt dies 13–24% weniger Treibhausgase aus,“ so Nicolas Entrup, Co-Leiter Internationale Zusammenarbeit von OceanCare.

Ein Öltanker, der seine Geschwindigkeit von zwölf auf elf Knoten reduziert, verbrauche 18 Prozent weniger Treibstoff, so die französische Regierung im Jahr 2018. Bei einer Drosselung des Tempos auf zehn Knoten wären den Angaben zufolge sogar Einsparungen von 30 Prozent möglich. „Es kursieren diverse Modelle zu Maßnahmen in der Schifffahrt, um die Klimaziele zu erreichen, von effizienteren Motoren und Propellern über effizienteres Schiffsdesign bis zum Einsatz erneuerbarer Energien und alternativer Kraftstoffe. „Aktuell ist jedoch keine dieser Technologien flächendeckend für grosse Handelsschiffe einsetzbar. Dies wird noch Jahre brauchen, die wir nicht haben“, sagt OceanCare-Policy-Experte Entrup. „Bleibt einzig das Tempolimit. Es ist nicht nur sofort umsetzbar, sondern hat auch den grössten Effekt auf Klima und Umwelt. Der grosse Vorteil dieser Massnahme ist, dass keine teuren Investitionen in neue Technologien erforderlich sind“, so die Kernaussage von OceanCare zum Umwelteinfluss der Schifffahrt. „Die Klimaextreme rund um das Mittelmeer verlangen ein entschlossenes Handeln, um eine umweltverträglichere Schifffahrt umzusetzen,“ schlussfolgert Entrup.

Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 halbieren

2018 hatten sich die Mitglieder der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation IMO auf das Klimaziel geeinigt, den jährlichen Treibhausgasausstoß bis zum Jahr 2050 im Vergleich zu 2008 zu halbieren. Frankreich hat daraufhin bereits ein Jahr später ein weltweites Tempolimit für Schiffe gefordert – man müsse die bei der IMO eingegangen Verpflichtungen so schnell wie möglich weiterverfolgen –, stiess dabei aber auf intensiven Widerstand.

„Um dieses Klimaziel zu erreichen, müssen andere Länder und auch Deutschland nachziehen. Die Geschwindigkeits-Begrenzung hat eine sofortige und überzeugende Schlagkraft. Das funktioniert natürlich nur, wenn alle mitziehen. Kein Reeder wird einen Wettbewerbsnachteil in Kauf nehmen. Deshalb drängt OceanCare auf eine rasche, staatenübergreifende Regelung, die das sogenannte „Slow Steaming“ für alle Schiffe auf der ganzen Welt gleichzeitig und verbindlich festlegt“, so Entrup.

Eine Temporeduktion hätte auch weitere positive Auswirkungen auf die Meere: Die Massnahme würde neben Luftschadstoffen gleichzeitig auch Unterwasserlärmemissionen, eine große Stressquelle für Meereslebewesen, um 40% bis 67% reduzieren. Außerdem sinkt das Risiko einer Kollision mit Walen um 80%. Wal-Dünger ist essentiell für die Sauerstoffproduktion und Wale selbst gelten als extrem wichtig für die Kohlenstoffbindung.

Hintergrund

Der Seeverkehr ist das Rückgrat des internationalen Handels und der Weltwirtschaft. Über 80% des Welthandels werden auf dem Seeweg befördert. Europa ist eines der führenden maritimen Zentren der Welt: Es verfügt über 329 wichtige Seehäfen und rund ein Drittel der Welthandelsflotte wird von EU-Unternehmen kontrolliert. Etwa die Hälfte aller zwischen der EU und dem Rest der Welt gehandelten Waren wurden 2019 auf dem Seeweg transportiert – Tendenz steigend. Die Treibhausgas-Emissionen des gesamten internationalen Seeverkehrs sind von 977 Millionen Tonnen (2012) auf 1.076 Millionen Tonnen (2018) gestiegen (+9,6%). Wäre die Schifffahrt ein Land, wäre sie damit an sechster Stelle der größten Treibhausgasverursacher. Schiffe emittieren gesundheitsschädliche Stoffe wie Schwefel- und Stickoxide (SOX/NOX) und Feinstaub (PM). Laut der aktuellen EMSA-Studie produzierte die Schifffahrt im Jahr 2018 je 24% aller SOX- und NOX-Emissionen und 9% der PM-2,5-Emissionen (Anteil nationaler Emissionen aller Wirtschaftszweige in der EU).

„Wir erleben einen Sommer im Zeichen der Klimakrise: Unwetter, Überschwemmungen, verheerende Brände. Die Gesetzgeber sollten begriffen haben, wie dringend neue Massnahmen sind. Das Tempolimit in der Transportschifffahrt ist eine unmittelbar umsetzbare, sehr effiziente Massnahme mit konkreten, messbaren Einsparungen an CO2 und zusätzlichen positiven Auswirkungen. Es schützt die Ozeane und das Mittelmeer – und wirkt der Klimakrise entgegen“, so OceanCare-Experte Nicolas Entrup. „Jetzt ist der Moment des Handelns. Deutschland und alle europäischen Länder sind am Zug“, schließt Entrup.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Möchten Sie gern ein Interview mit OceanCare-Experten Nicolas Entrup vereinbaren?

Rufen Sie mich an. Ich stelle gern den Kontakt her: +49 170 280 51 81

Herzliche Grüsse

Ilka Franzmann

Kommunikationsmanagerin OceanCare

Ilka Franzmann Telefon: +49 170 280 51 81 E-Mail: ifranzmann@oceancare.org

 

Medienmitteilung