Die Delfinjäger haben es schwer diesen Monat. Das macht es dafür uns umso leichter, zumindest gefühlsmässig. Die Erleichterung, die wir erleben, wenn die Jagdboote erst gar nicht auslaufen, wenn sie draussen keine Beute finden, oder die Delfine ihnen entkommen, ist nicht zu beschreiben.

Zwei Stunden verschwanden die Boote am Horizont und tauchten dann in aufgereihter Formation wieder auf. Eine klassische Treibjagd. Doch immer wieder kam Chaos in die Ordnung. Schwarzer Rauch aus den Boots-Schornsteinen, auch aus der Ferne gut zu sehen, zeigt immer an, dass die das buchstäbliche Treiben der Delfinjäger nicht rund läuft. Die hässlichen Russwolken entstehen, wenn die Boote unvermittelt mit Vollgas vorwärts oder rückwärts preschen. Die Jagd kam nicht voran. Dauerndes Hin und Her und den Jägern lief die Zeit davon. Die Delfin-Jagd wurde zur Delfin-Suche und schliesslich zum Delfin-Sieg!

Ganz anderes gestern, als den Jägern geschätzte 30 Streifendelfine zum Opfer fielen. Das sind für mich stets die schlimmsten Treibjagden, wenn man einen Unterschied machen will. Denn die Streifendelfine geraten in der engen Todesbucht in Panik wie keine andere Spezies. Weil sie im offenen Meer leben kennen sie nicht die Enge im Uferbereich, wie gewisse andere Delfinarten. Das versetzt sie dermassen in Panik, dass sie wie blind auf die Felsen springen und sich fürchterlich aufscheuern, bevor sie einen schrecklichen, langsamen Tod unter der Hand der Jäger erleiden.

Eines der aufbauendsten Erlebnisse aber hatten wir vorgestern. Da war eine Delfinschule, vermutlich Rundkopfdelfine, schon sehr nahe vor die Küste getrieben. Nur noch einige hundert Meter fehlten. Ich hatte die Hoffnung praktisch schon aufgegeben. Da geschah das Wunder. Die Delfine entkamen! Plötzlich waren sie einfach verschwunden. Noch nie habe ich persönlich beobachtet, dass die Delfinjäger nach langer Jagd eine Schule Delfine so weit drinnen aufgeben mussten.

Schon bald ist ein Drittel der Jagdsaison vorüber. Für die kommenden Tage ist eher wieder schlechteres Wetter angesagt und damit schlechtere oder unmögliche Bedingungen für die Delfinjagd. „Schlechtes Wetter“ ist eben relativ. Hier ist Regen Segen, der Wind ein himmlisches Kind.

Hans Peter