Wenn bei einer Treibjagd Rundkopfdelfine getötet werden, macht mich das immer besonders traurig und empört. Denn diese Tiere haben irgendwie eine besonders sanfte Wesensart und scheinen dem Menschen besonders wohlgesonnen. Von einem Beamten aus der Präfektur Wakayama (in welcher Taiji liegt) nach der Treibjagd von gestern (20.Oktober) auf meine Befindlichkeit angesprochen, erklärte ich ihm genau dies.

Und ich erzählte ihm in kurzen Zügen die Geschichte von „Pelorus Jack“, einer wahren Begebenheit vor gut 100 Jahren in Neuseeland. Pelorus Jack war ein Rundkopfdelfin, der bekannt dafür war, dass er Dampfer durch die Cook-Strasse zwischen der Nordinsel und der Südinsel Neuseelands begleitete. Regelmässig tauchte er auf, wenn Schiffe aus der Admiralty Bay und dem Pelorus Sound in die Cook-Strasse fuhren. Diese Strecke war aufgrund von Untiefen, tückischen Strömungen, wilden Wasserwirbeln und Unterwasserfelsen gefährlich für die Schifffahrt. Es gab aber keine Unfälle, wenn Pelorus Jack anwesend war. Jack wurde dadurch schnell zum Glücksbringer; es schien, als leite er die Schiffe durch die gefährliche Strasse, und er blieb bei einem Schiff meistens etwa 20 Minuten. Manchmal warteten die Schiffer auch auf ihn, wenn sie in die Strasse einfuhren.

Pelorus Jack wurde auf diese Weise bekannt bei allen Seeleuten und auch bei der lokalen Bevölkerung. Als 1903 ein betrunkener Passagier vom Dampfer Penguin auf den Delfin schoss und ihn dabei an der Finne verletzte, konnte die Mannschaft nur mit Gewalt daran gehindert werden, den Schützen zu lynchen. Zwei Wochen lang zeigte sich der Delfin nicht und man fürchtete, er sei tot. In Neuseeland wurde daraufhin am 26. September 1904 der Sea Fisheries Act erlassen, das Pelorus Jack unter Schutz stellte. Dabei handelte es sich vermutlich um das erste individuelle Seelebewesen, das von einem Gesetz geschützt wurde. Der Penguin soll Pelorus Jack nach diesem Vorfall nie wieder geholfen haben. Ohne die Hilfe des freundlichen Tieres erlitt die Penguin Schiffbruch in der Passage. Mit 72 Todesopfern stellt der Untergang der Penguin das schwerste Schiffsunglück Neuseelands im 20. Jahrhundert dar.

Heute nun ist derselbe Beamte wieder auf mich zu gekommen und hat mir berichtet, er habe die Geschichte im Internet nachgeschlagen und sei „sehr beeindruckt“. Das hat mich sehr gefreut. Noch dazu an einem Tag wie heute, wo die Jäger nach einigen Stunden die Suche nach Delfinen erfolglos abgebrochen haben und mit leeren Händen in den Hafen von Taiji zurückgekehrt sind.

Hans Peter