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29-259971_10151515899694801_65984669_n (2)Zwölf Stunden zuvor hätte ich es mir nicht träumen lassen. Nun stehe ich an einer wunderschönen kleinen Bucht bei Hoyvík, unweit von Tórshavn, der färöischen Hauptstadt. Jetzt reissen auch noch die Wolken auf. In der Nacht zuvor hat mich David, ein Einheimischer mit «Divemaster»-Ausbildung, an einer privaten Party zu einem Tauchgang hier eingeladen.

Die Ausrüstung ist schwer. Ohne dicken Nasstauch- oder Trockentauchanzug geht hier im neun Grad kalten Wasser nichts. Die Bucht verschluckt uns. Tags zuvor habe ich vom färöischen Autor, Fotograf und bekennenden Gegner der Grindwaljagd, Ingi Sørensen, sein neues Buch erhalten: «The Faroe Islands – a magical Seabed Safari». Ein atemberaubender Bildband über die Unterwasserwelt des nordatlanti­schen Archipels auf 62 Grad Nord.

Und nun bin ich plötzlich selber mitten in dieser Bilderwelt. In einer mystisch-märchenhaften Unterwasserlandschaft, wo sich kleine Sanddünen und wogende Tangwälder abwechseln. Alles leuchtet erstaunlich farbenprächtig. Im Sand macht sich eine Flunder aus dem Staub, nachdem ihre Tarnung aufgeflogen ist. Im Tang verstecken sich Jungfische und eine Spinnenkrabbe klettert einen Stängel hoch, während im offenen Wasser eine kleine Gruppe Dorsche vorbeizieht.

Eine magische, stille Unterwassersafari, die dem Buchtitel von Ingi Sørensen vollauf gerecht wird, darf ich unter Davids umsichtiger Führung erleben. Ein Geschenk, mit dem ich nicht gerechnet habe, in einer paradiesischen Bucht über und unter Wasser. Die Färöer – ein Geheimtipp für Taucher? Zweifelsohne! Sauberes Wasser, gute Sicht, reiche Fischgründe, spektakuläre Landschaften. Was will das Taucherherz mehr? Es müssen nicht immer die Malediven sein.

Ein Geheimtipp, der von der Tauchwelt ausserhalb der nordischen Inseln noch nicht entdeckt ist. Bisher ist die Infrastruktur entsprechend spärlich. Sicher werden die Färöer nie zum Tauch-Mekka. Aber Menschen, die etwas Neues, Schönes, Ausserge­wöhnliches suchen und gleichzeitig die nordische Rauheit nicht scheuen, kommen hier auf ihre Rechnung. Einen sanften, nachhaltigen Tauchtourismus auf die Färöer im kleinen Rahmen halte ich für unterstützungswürdig.

Das wäre sicher auch im Sinne dieser kleinen Inselrepublik. Gleichzeitig sind Tauchfreunde wohl selten Freunde der Grindwaljagd und daher aus unserer Sicht die «richtigen» Touristen. Lieber beobachten sie lebende Wale. Und auch hierzu hat man auf den Färöern die Chance – dereinst vielleicht sogar Grindwalen über oder unter Wasser zu begegnen. Ich ziehe mich aus dem Wasser hoch. Die Ausrüstung wiegt wieder schwer. Doch ich fühle mich ganz leicht und befreit.

Bild Copyright:  Ingi Sørensen