Seit Anfang September sind in der japanischen Bucht Taiji bereits 165 Delphine getötet, und 59 für Vergnügungsparks gefangen worden. Die Wiener Kampagnenagentur SHIFTING VALUES in Zusammenarbeit mit der Schweizer Meeresschutzorganisation OceanCare hat den ehemaligen „Flipper“-Trainer und heute international bekannten Delphinschützer Ric O’Barry nach Wien geholt, um mit den beiden Wiener Künstlern Axel Just und Benjamin Fillitz ein kreatives und künstlerisch anspruchsvolles Zeichen für den Delphinschutz zu setzen.

Die Contemporary Art Aktion STAY WILD fand am Freitag, 4. Dezember am Wiener Heldenplatz statt.

Delphin-Treibjagden in Japan
Als einer der Delphine, die er für die „Flipper“-Serie trainiert hatte, vor seinen Augen starb, hat Ric O’Barry sich dem Showgeschäft ab- und dem Delphinschutz zugewendet. Der Film DIE BUCHT über seine Arbeit in Japan, wo er mit dem Filmemacher Louie Psihoyos vor einigen Jahren die brutalen Treibjagden in einer Bucht im japanischen Fischerort Taiji aufgedeckt hat, gewann 2010 den Oscar für den besten Dokumentarfilm. Seit Erscheinen geht die Anzahl der getöteten Delphine stetig zurück. Der Lebendfang bleibt jedoch anhaltend hoch. Seit dem Beginn der Treibjagdsaison in Taiji am 1. September 2015 sind 165 Delphine getötet, 46 freigelassen und 59 für Delphinarien gefangen worden.

Wiener Künstler setzen japanische Bildsprache in agitativen Kontext
Der Dialog zwischen Tierschützern und Japan über ein Ende von Delphinjagden und Delphintötungen ist auch geprägt von interkulturellen Kommunikationshürden. Axel Just und Benjamin Fillitz, Mitbegründer des Wiener Künstlerkollektivs PERFEKT WORLD, setzen sich in ihrem Werk STAY WILD inhaltlich und ästhetisch mit dieser Problematik auseinander. „Unser Bild ist von der jahrhundertealten Kultur Japans inspiriert“, sagt Axel Just, „und interpretiert Zitate aus der japanischen Kunstgeschichte in einem zeitgenössischen und agitativen Kontext.“ Benjamin Fillitz ergänzt: „In Kombination mit den japanischen Schriftzeichen Tier, Natur, Wildheit und Freiheit sowie einer unkonventionellen, archaischen Delphindarstellung ist die teils propagandistisch anmutende Bildsprache gleichzeitig ein Aufruf zum Schutz des Delphins als freies und wildes Geschöpf des Meeres.“

„STAY WILD drückt all das aus, was wir mitteilen wollen. Und diese bildliche Botschaft bringen wir nun zu den Entscheidungsträger und Repräsentanten Japans, die leider keine Gesprächsbereitschaft zeigen“, sagt Ric O’Barry, Gründer von DolphinProject.net.

„Möge diese eigenwillige Aktion, die gleichzeitig eine Hommage an die japanische Kunst ist, zum Nachdenken anregen, die japanische Regierung zu einem konstruktiven Dialog einladen und der Abschaffung der grausamen Treibjagd in Taiji weiteren Aufwind verschaffen“, hofft Sigrid Lüber, Gründerin und Präsidentin von OceanCare.

Das Engagement von OceanCare gegen die Delphintreibjagd
Seit 1997 untersucht OceanCare Delphinfleisch, das in japanischen Supermärkten feilgeboten wird. Resultat: Das Fleisch ist voll von giftigen Substanzen. Aufgrund dieser Studien erlässt die Internationale Walfangkommission mehrere Resolutionen, in denen das Fleisch der Meeressäuger zum Gesundheitsrisiko erklärt wird. Dass die brutale Treibjagd auf Delphine auch Schweizer skandalisiert, bekommt die japanische Botschaft in Bern zu spüren: Seit 2004 bringt OceanCare mehr als 400‘000 Protestkarten an deren Adresse in Umlauf. Rund um den Oscar-preisgekrönten Dokumentarfilm DIE BUCHT engagiert sich OceanCare 2009 an der Seite des US-amerikanischen Delphinschützers Ric O’Barry für ein Ende der grausamen Jagd. Im gleichen Jahr ruft OceanCare eine Allianz aus 49 Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden ins Leben, die sich in Japan für einen Verkaufsstopp des kontaminierten Delphinfleisches einsetzt. 2014 fordert OceanCare mit der japanischen Delphinschützerin Sakae Hemmi und Ric O’Barry den Weltzooverband WAZA auf, japanische Mitglieder auszuschliessen, die Delphintreibjagden trotz deren Ächtung im Ehrenkodex des Verbands durchführen. Eine von 168 japanischen Tier-, Umwelt- und Konsumentenschutzorganisationen unterschriebene Petition stützt das Anliegen. Aufgrund der internationalen Kritik beschliesst WAZA die Suspendierung des japanischen Mitglieds JAZA. Als JAZA sich zur Einhaltung des Ehrenkodex verpflichtet, spaltet sich das Taiji-Wal-Museum, die Drehscheibe im Handel mit Delphinen aus der Treibjagd für die Delphinarienindustrie, ab und verliert damit die Legitimierung für das schändliche Treiben.