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Neapel, 3. Dezember 2019: Am zweiten Tag der 21. Vertragsstaatenkonferenz (COP21) der Barcelona-Konvention (Übereinkommen zum Schutz des Mittelmeers) wurde das Gebiet zwischen den Balearen und dem spanischen Festland formell zu einem Besonderen Schutzgebiet von Mediterraner Bedeutung (Specially Protected Area of Mediterranean Importance, SPAMI) erklärt. Die internationale Meeresschutzorganisation OceanCare, eine anerkannte Partnerin des Mittelmeer-Aktionsplans des Übereinkommens, begrüßt diese Entscheidung nachdrücklich. Diese internationale Anerkennung ist sowohl eine Herausforderung als auch eine große Chance für die spanische Regierung, ihr Engagement gegen Unterwasserlärm und Klimawandel unter Beweis zu stellen. Die COP21 findet von 2. bis 5. Dezember in Neapel, Italien, statt.

Das neue SPAMI umfasst eine Fläche von 46.386 km² zwischen der Küste Kataloniens und Valencias und der Balearen-Inselgruppe. Dieses Gebiet weist einen außergewöhnlichen ökologischen Wert auf, nicht nur als Migrationskorridor für Finnwale zu ihren Brut- und Nahrungsgebieten im nördlichen Mittelmeer, sondern auch als Lebensraum für eine große Vielfalt an Waltierarten (Grindwale, Pottwale, Cuvier-Schnabelwale, Große Tümmler, Streifendelfine und andere), Meeresschildkröten, Haien und Seevögeln. Alle oben genannten Arten sind sowohl im Anhang II des „Protokolls über die besonderen Schutzgebiete und die biologische Vielfalt des Mittelmeers“ der Barcelona-Konvention als auch im Anhang IV der FFH-Richtlinie der EU gelistet.

„Wir gratulieren der spanischen Regierung zu ihrer erfolgreichen Initiative. Die größte Herausforderung liegt freilich noch vor uns: Es muss so schnell wie möglich ein fortschrittlicher und wirksamer Maßnahmenplan erstellt werden, der auf eine markante Verringerung des Unterwasserlärms abzielt. Diese Region ist als ‚Lärm-Hotspot‘ bekannt. Es braucht daher dringend Maßnahmen, um sie von Lärm zu entlasten“, betont Nicolas Entrup, Chor-Leiter Internationale Zusammenarbeit bei OceanCare, und Delegierter bei der Konferenz in Neapel.

Wie OceanCare herausstreicht, ist die Verminderung von Lärm gleichzeitig ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. „Die Erklärung zum Schutzgebiet ist eine große Gelegenheit, nicht nur all die Anträge auf Ölsuche und -förderung endgültig zu schubladisieren, die sich immer noch auf dem Behördenweg befinden und das Schutzgebiet massiv gefährden würden. Auch eine verpflichtende Geschwindigkeitsreduktion für den Schiffsverkehr würde sowohl CO2– als auch Lärmemissionen vermindern. Außerdem würde sie die Gefahr von Kollisionen von Schiffen mit gefährdeten Walen oder Meeresschildköten verringern. Damit wäre diese Maßnahme eine Win-win-win-Situation“, sagt Carlos Bravo, spanischer Ocean-Policy-Experte und Konsulent von OceanCare.

Die SPAMI-Erklärung ist der Schlussstein im Prozess zur Unterschutzstellung dieses Gebiets. Bereits im Juni 2018 hatte die spanische Regierung den Walmigrationskorridor zu einem nationalen Meeresschutzgebiet erklärt. Dabei hat sie klargestellt, dass es eine der Hauptaufgaben für den Schutz der großen Biodiversität des Gebietes ist, anthropogenen Unterwasserlärm zu vermeiden und zu vermindern.

Eine weitere große Herausforderung ist ein wirksames Management der Schifffahrt, um Lärm und CO2-Emissionen zu verringern. Dieses SPAMI ist intensivem Schiffsverkehr ausgesetzt, sowohl durch Güter- und Personenfähren zwischen dem Festland und den Balearen, als auch durch überregionalen Frachtverkehr im Mittelmeer. Daraus resultieren Probleme wie massiver Unterwasserlärm, CO2-Emissionen und Klimawandel, Ausstoß von Luftschadstoffen (SO2, NOX, Ruß, Feinstaub) sowie Kollisionen v.a. mit Großwalen und Meeresschildkröten.

Neben technischen Verbesserungen und alternativen Treibstoffen müssen daher auch Maßnahmen für den Betrieb getroffen werden, um all diesen Beeinträchtigungen des Schutzgebiets zu begegnen. Dazu zählt insbesondere eine Geschwindigkeitsreduktion für den Schiffsverkehr als wirksamste Maßnahme, den Ausstoß an CO2 und Luftschadstoffen, den Treibstoffverbrauch, die Kollisionsgefahr und den Unterwasserlärm zu vermindern.

Medienkontakte:

Nicolas Entrup, Senior Ocean Policy Expert OceanCare: M: (+43) 660 211 9963, nentrup@oceancare.org

Carlos Bravo, T. +34 626 998 241, E-mail: carlos.bravo@salvia-edm.eu