Eigentlich wollte ich jeden Tag einen Blog verfassen, aber es war einfach zu hektisch und zu allem habe ich mich aufgrund der Klimaanlagen stark erkältet. So sitze ich mit Halsweh und laufender Nase im Konferenzraum. Hier nun ein ultrakurzer Bericht von gestern:

Gestern wurde der Walfang Islands mittels einer Demarche der 28 EU-Mitgliedsstaaten, Australien, Brasilien, Mexiko, Monaco, Neuseeland und der USA verurteilt. Das ist zwar positiv, denn eine Demarche ist eine scharfe Rüge, aber es ist nicht genug. Wir haben schon vor Monaten zusammen mit Pro Wildlife und weiteren 26 Verbänden eine Demarche gefordert und zusätzlich eine Resolution für die aktuelle Walfangkonferenz. Doch hier an der Konferenz steht der Walfang Islands nicht einmal auf der Tagesordnung. Eine Resolution hätte weitere Konsequenzen und würde auch andere Abkommen in Zugzwang bringen. Die Schweiz hat die Demarche nicht unterzeichnet, wohl deshalb, weil die Juristen der Schweiz das VETO von Island gegen das Walfangmoratorium nach dem Wiedereintritt in die IWC, rechtens finden.

Sehr enttäuschend war, dass Grönland gestern auch eine zu hohe Quote für den Subsistenzwalfang erhalten hat. Die Ureinwohner Grönlands haben zwar das Recht, zur Selbstversorgung Walfang zu betreiben. Das ist auch gut so, denn die Ureinwohner brauchen das Fleisch. Leider hat der Subsistenzwalfang Grönlands jedoch starke kommerzielle Elemente, denn ein beträchtlicher Teil des Fleisches landet in Touristen-Restaurants und auf Kreuzfahrtschiffen. Laut einer neuen Studie, für welche die Ureinwohner befragt wurden, konsumieren die Grönländer weniger als 500 Tonnen. Mit der neuen Quote erhält das Land aber 799 Tonnen Walfleisch, also fast 300 Tonnen mehr als ihr wirklicher errechneter Bedarf ist.

Heute Morgen wurde eine Resolution zu den hochmigrierenden Wal- und Delphinarten verabschiedet. Diese Resolution soll die Zusammenarbeit der IWC mit anderen Abkommen fördern, insbesondere auch auf UNO-Ebene. Die Schweiz hat diese Resolution auch gutgeheissen und im Nachgang zur Abstimmung erklärt, dass die Schweiz alle Initiativen unterstützt, die den Schutz der Kleinwale, zu denen auch die Delphine gehören, fördern.

Stay tuned, ich melde mich bestimmt nochmals vor Ende Woche.
Ihre Sigrid Lüber
Präsidentin OceanCare

Medienmitteilungen:
EU am Gängelband Dänemarks
Mit Demarche löst sich EU aus diplomatischer Warteschleife – Schweiz unterzeichnet nicht