Parlament der Balearen bereitet den Boden für grundlegende Änderung der Energie- und Naturschutzpolitik des Landes

Vor wenigen Tagen hat das Parlament der Balearen einstimmig einen Gesetzesvorschlag zum Schutz des Mittelmeeres unter spanischer Hoheit gegen Gefahren durch die Suche nach und Ausbeutung von Öl- und Gasvorkommen oder anderen mineralischen Rohstoffe verabschiedet. Diesem Gesetzesvorschlag zufolge sollen Tätigkeiten, die auf Exploration und Erschliessung von Kohlenwasserstoffen abzielen, in spanischen Gewässern untersagt werden. Diese Entscheidung ist ein weiteres Zeugnis der starken Haltung, die von den Vertretern der Inseln in Hinblick auf eine Energiewende weg von fossilen Brennstoffen eingenommen wird.

Gegen die Versuche der Ölindustrie, in den Gewässern einer der bedeutendsten Tourismusregionen des ganzen Mittelmeerraumes nach Öl zu suchen und zu bohren, führten Umweltschützer in den vergangenen Jahren intensive Kampagnen durch – in enger Zusammenarbeit mit lokalen Entscheidungsträgern und Wirtschaftsvertretern, u.a. aus den Sektoren Tourismus und erneuerbare Energie. Die Koalition Alianza Mar Blava, der auch OceanCare und NRDC angehören, war hier federführend und gewann grosse Unterstützung in der Öffentlichkeit für einen strengen Schutz der Gewässer der Inseln. Bis heute konnten alle Lizenzanträge der Ölindustrie verhindert werden. Und da manche Anträge noch behandelt werden, ist die Parlamentsentscheidung ein wichtiger Schritt in Richtung der Ziele der Alianza Mar Blava.

Überdies hat der Kongress, die erste Kammer des spanischen Parlaments, einen Vorstoss verabschiedet, dass der Wanderungskorridor für Wal- und Delphinarten zwischen dem Festland und den Balearen zu einem SPAMI-Schutzgebiet (Specially Protected Area of Mediterranean Importance) erklärt werden soll. Dieser Schritt geht praktisch Hand in Hand mit der Entscheidung des balearischen Parlaments, die nun ebenfalls im spanischen Parlament debattiert werden wird.

„Jetzt beginnt der wichtigste Teil des Prozesses und wir sind zuversichtlich, dass der Gesetzesvorschlag akzeptiert wird, denn eine grosse Kongressmehrheit befürwortet den Schutz von Umwelt, Fischerei und Tourismus gegen die Bedrohungen, die von Ölsuche und ‑förderung ausgehen“, sagt Carlos Bravo, Koordinator der Alianza Mar Blava. „Das wäre auch ein sehr kluger und stimmiger Schritt in Bezug auf das Pariser Klimaschutzabkommen. Wir hoffen, dass auch die Partido Popular, die derzeit in Spanien an der Regierung ist, dies verstehen und dem Gesetzesvorschlag ihre Zustimmung geben wird.“

„Wir sind über diese Entwicklungen sehr erfreut und sehen sie als starkes Zeichen für ein Umdenken im Mittelmeerraum in Richtung angemessener Naturschutzbemühungen und Nachhaltigkeit“, sagt Nicolas Entrup, Konsulent für OceanCare und NRDC.