Mit dem Ende der 12. Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention (CMS) am 28.Oktober in Manila verstreuen sich die TeilnehmerInnen nicht nur sprichwörtlich wieder in alle Teile dieser Welt, waren doch VertreterInnen aus mehr als 100 Staaten anwesend. Rasch fassten wir die Ergebnisse der Beschlüsse der Konferenz zusammen, kommunizierten diese über unsere Kommunikationskanäle und streuten sie an interessierte Journalisten. Man stösst vielleicht noch mit einem Glas Wein auf Erfolge an, tätigt die letzten Absprachen, tauscht die eine oder andere Idee aus, und freut sich bei vielen auf ein Wiedersehen.

Das ist die Kurzfassung eines Konferenzendes. In unserem Fall verhielt es sich diesmal ganz speziell. Mit dem Beschluss der CMS-Richtlinien für die Durchführung von Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVPs) vor intensiven Lärmaktivitäten haben wir nun ein wertvolles und wichtiges Instrument in den Händen. Dieses sollte umgehend in der Praxis genutzt werden, um in vielen Teilen dieser Welt für einen sorgsameren Umgang mit den Meeresbewohnern zu sorgen. Wir hatten diesmal keine Zeit, um den Beschluss ausgiebig zu feiern, auch wenn er genügend Anlass dafür gegeben hätte. Nein, wir wollten umgehend den ersten Schritt gehen, um mit dem Erreichten die Stimme für Meeresbewohner zu ergreifen.

Am 1. November endete nämlich die öffentliche Kommentierung des UVP-Dokumentes des italienischen Ölkonzerns ENI bei den montenegrinischen Behörden. ENI hat um die Lizenz zur Durchführung von seismischen Aktivitäten in montenegrinischen Gewässern angesucht. 34 Tage lang soll mittels Schallkanonen nach Ölvorkommen gesucht werden. Das 530 Seiten lange Dokument soll Eindruck bei den Behörden schinden, doch die Anzahl der Seiten ist nicht gleichzusetzen mit der Qualität. Noch in Manila verfassten wir mit vereinten Kräften einen Einspruch. Das ENI Dokument weist extrem viele Fehler auf; eine Freigabe der Ölsuche könnte für einige Arten verheerende Folgen haben, so zum Beispiel für die bedrohteste Meeressäugerart im Mittelmeer: die Mönchsrobbe.

Laut dem ENI-Gutachten ist diese in dieser Region ausgestorben und der Einsatz von Schallkanonen für diese Art somit kein Grund zur Sorge. Weit gefehlt! Wissenschaftler berichten in einer jüngsten Publikationen von einigen Sichtungen in den letzten Jahren und genau aus diesem Grund gilt es besonders sorgsam zu sein. Trotz der anstrengenden Woche zuvor, machte es richtig Spass, mit den KollegInnen – global vernetzt – den Einspruch fertig zu stellen. Fazit: Montenegro ist Vertragsstaat der Bonner Konvention. Die Anwendung der UVP-Richtlinien ist dringend anzuraten. Eine Genehmigung der seismischen Aktivitäten wäre aus aktueller Informationslage nicht zu rechtfertigen. Und … „Send“.

24 Stunden nach dem Ende der CMS-Tagung hatten wir einer der Errungenschaften an der CMS-Tagung gleich Leben eingehaucht. Und so wird es weitergehen. Am 22. und 23. November veranstaltet OceanCare in Zusammenarbeit mit NRDC und dank der Unterstützung der deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) einen Workshop über die Problematik der seismischen Aktivitäten in südosteuropäischen Gewässern, da in dieser Region verstärkt nach Öl gesucht wird. Im Zentrum der Diskussion werden u.a. die Anwendung der CMS-Richtlinien stehen. Ziel ist es, Behörden dahingehend zu unterstützen, in dieser sehr technischen Angelegenheit in der Lage zu sein, kritisch Anträge für seismische Aktivitäten zu prüfen und sicherzustellen, dass im Falle einer Genehmigung die Aktivitäten nur so stattfinden, dass eine Gefährdung der marinen Artenvielfalt ausgeschlossen oder minimiert wird.

Die CMS-Richtlinien sind ein Meilenstein. Auch wenn sie nicht rechtsverbindlich sind, so haben Behörden nun Richtlinien zur Hand, die eine strikte Prüfung von gefährlichen, lärmerzeugenden Aktivitäten unterstützen. Die Ölindustrie, die intensiv versucht hat, die Annahme dieser Richtlinien zu verhindern, ist eingeladen, sensibler mit der Meeresumwelt umzugehen und die Gefahr der Auswirkungen seismischer Untersuchungen weit sorgsamer zu behandeln. Aufgrund der Gefahr für Meeresbewohner wird sie in einigen Regionen auf die Erschliessung und Suche nach Ölvorkommen vermutlich verzichten müssen. Wäre dies eine Konsequenz, so wäre es ein weiterer Beitrag für die Umsetzung der Ziele des Pariser Abkommens.

Nicolas Entrup

Nicolas Entrup

Ocean Policy Consultant

Nicolas Entrup, Ocean Policy Consultant bei OceanCare, nahm zusammen mit Fabienne McLellan und Joanna Toole an der 12. Vertraagsstaatenkonferenz der Bonner Konvention (CMS) teil.

Die Konferenz zum Schutz wandernder Tierarten fand vom 23. bis 28. Oktober 2017 in Manila statt. Alle Dokumente von OceanCare zur Konferenz finden Sie hier.