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Athen/Zürich, 17.  Juli 2019: Ein internationales, interdisziplinäres Schutzprojekt „SAvE Whales“ beginnt. Es verbindet Meeresbiologie, Unterwasserakustik, angewandte Mathematik, Computer-Netzwerktechnik, Informatik und Echtzeit-Schiffsverkehrsdaten, um bedrohte Wale davor zu bewahren, von (großen) Schiffen gerammt zu werden. „SAvE Whales” steht für “System for the Avoidance of ship-strikes with Endangered Whales”.

Mit diesem Projekt soll ein automatisiertes System entwickelt und getestet werden, das Pottwale akustisch wahrnimmt, ihre Bewegung mit dem Schiffsverkehr verschneidet und den Kapitänen Echtzeitinformation liefert, damit diese eine Kollision vermeiden können. Das System wird auch Daten sammeln, aus denen wir mehr über diese Tierart und über die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf ihren Lebensraum lernen können, um in der Folge effizientere Schutzmaßnahmen zu entwickeln.

Das Pilotprojekt soll drei Jahre dauern und in griechischen Gewässern stattfinden, in denen die bedrohten Pottwale leben. Im Erfolgsfall wird das System ein wirkungsvolles Werkzeug für den Artenschutz bieten, das in anderen Meeresregionen reproduziert werden und auch dort die Wale vor Kollisionen mit Schiffen bewahren kann.

Dichte des gesamten Schiffsverkehrs gemäß AIS-Übertragungen sowie Pottwal-Sichtungen (rote Punkte) aus den Untersuchungen des Pelagos Cetacean Research Institute seit 1998. Der Verkehr nach Südwest-Kreta nördlich der Insel Gavdos wird von Containerschiffen dominiert, die über die Straße von Otranto oder die Straße von Messina zum oder vom östlichen Mittelmeer (Häfen östlich von Port Said und dem Suezkanal) fahren. Die Route mit den größten Gefahren für Pottwale führt zwischen der Straße von Otranto und der Ägäis durch die Meerenge von Elafonisos nördlich der Insel Kythira. Die Verkehrsdichteskala ist in km-1 Jahr-1 dargestellt. (Quelle PLOS One)

Die tiefen Unterwasser-Canyons des Hellenischen Grabens vor Griechenland beherbergen etwa 200 Pottwale. Diese größte zahntragende Tierart der Welt, die durch „Moby Dick“ berühmt wurde, ist im Mittelmeer stark gefährdet. Es könnte sich bei dieser Population um die letzte ihrer Art im gesamten östlichen Mittelmeer handeln. Pottwale sind zunehmend durch Verschlucken von Plastikmüll, Verheddern in Fischernetzen und intensive Lärmverschmutzung gefährdet, aber die bei Weitem grösste Bedrohung im östlichen Mittelmeer ist die Kollision mit einem großen Frachtschiff.

Das Projektgebiet wurde in langjähriger Forschungsarbeit als wichtiges Nahrungs- und Fortpflanzungsgebiet der Pottwale bestätigt und ist gleichzeitig eine sehr stark befahrene Schifffahrtsroute. Der gesamte Frachtverkehr zwischen der Adria und der Ägäis, dem Schwarzen Meer und dem südöstlichen Mittelmeer, sowie zum und vom Suezkanal kreuzt diesen essentiellen Lebensraum (siehe Grafik).

Etwa 30% des weltweiten Schiffsverkehrs findet im Mittelmeer statt. Dieses kleine, abgeschlossene Meer muss relativ gesehen den schwersten Schiffsverkehr aller Weltmeere erdulden. Nach Schätzungen fahren jährlich mehr als 220.000 große Schiffe durch das Mittelmeer. Davon kreuzen etwa 31.000 den Hellenischen Graben, wenn sie durch die Meerenge von Elafonisos und Kythira in die oder aus der Ägäis fahren, und 13.000 fahren in Nord-Süd-Richtung parallel zu den Ionischen Inseln (Kefalonia und Zakynthos) entlang des wichtigen Pottwal-Lebensraums im Hellenischen Grabens. All dem sind die Pottwale Tag für Tag ausgesetzt.

Experten verschiedener Fachgebiete schließen sich nun für ein ambitioniertes Projekt zusammen, um eine effiziente Lösung für das Kollisionsproblem in Regionen zu erarbeiten, wo es nicht möglich ist, den Schiffsverkehr von Wallebensräumen abzurücken. Projektleiter ist einer der führenden Walforscher, Dr. Alexandros Frantzis vom Pelagos Cetacean Research Institute (PCRI). Mit an Bord sind Experten des Institute of Applied and Computational Mathematics der Foundation for Research and Technology – Hellas (FORTH), des Centro de Investigação Tecnológica do Algarve der Universität der Algarve, sowie von Green2Sustain und Marine Traffic.

Die internationale Meeresschutzorganisation OceanCare mit Sitz in der Schweiz, die ein großes Programm zum Schutz der Tiere im Mittelmeer durchführt, ermöglicht das Projekt. OceanCare hat ausreichende Mittel aufgetrieben, um das grüne Licht für den Projektstart zu geben, und wird in den kommenden Monaten daran arbeiten, die für die gesamte Projektdauer erforderliche Finanzierung sicherzustellen.

„Wir stehen voll und ganz hinter diesem ambitionierten, visionären und lösungsorientierten Projekt. Wir gehen in dieses Pilotprojekt voller Hoffnung und Vertrauen, dass daraus ein wirklich walrettendes Modell wird, das auch in anderen Weltregionen Anwendung findet“, sagt Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare und Gründerin der Organisation vor genau 30 Jahren.

„Aristoteles wusste zwar bereits vor 2350 Jahren vom Vorkommen der Pottwale in griechischen Gewässern, aber dieses Wissen ging mit den Jahrhunderten verloren. Als wir 1998 entdeckten, dass Pottwale in der Nähe der Südwestküste von Kreta lebten – im selben Gebiet, in dem nun „SavE Whales“ umgesetzt wird – wussten wir nichts über ihre Anzahl, ihre Sesshaftigkeit oder die Gefahren, denen sie ausgesetzt waren. Wir hatten einfach den starken Willen, so viel wie möglich über ihr Leben zu lernen und ihnen auf der individuellen Ebene (mittels Photoidentifikation) durch die Jahre zu folgen. So wurden sie älter und bekamen Nachwuchs, so wie wir selbst zur selben Zeit. Nach etwa 15 Jahren sahen wir allerdings deutlich, dass wir handeln müssen, um diese kleine Population des östlichen Mittelmeers vor dem Verschwinden zu bewahren. Sie war verschiedenen Gefährdungen durch den

Menschen ausgesetzt, wobei die Kollision mit Schiffen als größte Gefahr das Potential hat, sie von der Landkarte auszuradieren. Wir wollen, dass sie weiterbesteht, denn die Mittelmeer-Pottwale haben das Recht, zu überleben und mit uns friedlich in dieser Region zu koexistieren. Außerdem wäre das Mittelmeer viel ärmer ohne seinen eigenen Moby Dick. Daher werden wir mit innovativer Technologie und einem multidisziplinären Ansatz alles machen, was uns möglich ist, um diese Wale vor der Ausrottung zu bewahren“, betont Dr. Alexandros Frantzis, Präsident des Pelagos Cetacean Research Institute und Entdecker der Pottwalpopulation im östlichen Mittelmeer vor etwa 20 Jahren.

Zitate der Projektpartner:

„Wir arbeiten seit vielen Jahren an der Entwicklung von Methoden und Systemen für die passive Unterwasserortung und nun bietet sich die Möglichkeit angewandter Forschung, die tatsächlich etwas für das Leben dieser bemerkenswerten Geschöpfe bewirken wird.“

Dr. Emmanuel Skarsoulis, Forschungsdirektor, Institute of Applied and Computational Mathematics (IACM), Foundation for Research and Technology – Hellas (FORTH)

„Seit mehr als 30 Jahren in der Unterwasserakustik aktiv, und jetzt endlich das bemerkenswerte Gefühl, etwas zu tun.“

Dr. Sérgio Jesus, CINTAL – University of Algarve, Portugal

„MarineTraffic arbeitet immer eng mit der Weltgemeinschaft zusammen, um die Herausforderungen zu verstehen und Lösungen zu vermitteln. In SAvE Whales werden wir die Tools für das Datenmanagement zum Schutz der Wale bereitstellen.“

Dimitris Lekkas, Gründer, MarineTraffic, weltweit führender Anbieter von Schiffspositionsdaten

„Wir unterstützen Organisationen, in ihrem Verantwortungsbereich die Ziele für die  Sustainable Development Goals 2030 zu erreichen – SAvE Whales ist ein Zeichen für unsere eigene Verantwortung gegenüber dem Meeresleben.“

Dr. George Tentes, Generaldirektor – Sustainability Consultant, Green2Sustain pcc

Partner des von OceanCare finanzierten Projektes:

  • Centro de Investigação Tecnológica do Algarve (CINTAL)
  • Green2Sustain
  • Pelagos Cetacean Research Institute
  • Institute of Applied and Computational Mathematics (IACM) at the Foundation for Research and Technology-Hellas (FORTH)
  • MarineTraffic, der weltweit führende Anbieter von Schiffspositionsdaten

Kontakt für Rückfragen:

Nicolas Entrup, Ocean Policy Expert bei OceanCare, E-Mail: nentrup@oceancare.org,
Mobil: +43 660 211 9963

Weiterführende Informationen und Links: