Und es kam alles anders. Eigentlich hätte ich gemeinsam mit meinen beiden Reisegefährten Nicolas Entrup und Joanna Toole nach fünfzehn Stunden in zwei Flugzeugen in Manila ankommen sollen. Alles war haargenau geplant – die kurze Aufenthaltszeit in Hongkong gedanklich notiert. Eigentlich…. Wäre da nicht ein grosses Missverständnis und ein dummer Zufall gewesen. Kurzum: Ich verpasste den Anschlussflug in Hongkong nach Manila. Selbst ein für mich rekordmässiger Sprint von Gate 16 nach Gate 31 reichte nicht. Ich sah gerade noch, wie die Gangway vom Flugzeug entfernt wurde und fühlte mich wie in einem schlechten Film. Nach drei Stunden Überzeugungsarbeit am Cathay Pacific Schalter, sozusagen meinem ersten Lobbyingeinsatz auf dieser Mission, schaffte ich es knapp auf den nächsten Flieger. Wieder erwartete mich ein Spiessrutenlauf ans Gate. Mit einer mentalen Notiz, mich doch einmal mit regelmässigem Joggen zu beschäftigen, betrat ich erleichtert das Flugzeug. Nach drei weiteren Stunden lande ich endlich in Manila und werde von einem strahlenden Empfangskomitee der CMS-Konferenz begrüsst – und dies um ein Uhr nachts. Die Erschöpfung ist angesichts einer solchen Begrüssung kurz verflogen, aber die Sehnsucht nach einer kalten Dusche und einem weichen Bett ist übermächtig gross.

 

Hinter mir liegt bereits ein erstes Abenteuer und ein gefühlter Marathon, mein Blick ist aber vorwärts gerichtet, denn vor uns liegt eine Woche, die höchste Konzentration und Energie, aber auch Geduld, Hartnäckigkeit und Verhandlungsgeschick erfordert. Denn in den kommenden sechs Tagen, wenn die Vertragsstaaten der Bonner Konvention in Manila ihre 12. Konferenz abhalten, geht es um den Schutz wandernder Tierarten. Im Rahmen des UN-Umweltprogramms gehört das Übereinkommen zur Erhaltung wild lebender Tierarten (Offiziell: Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals CMS) zu den wichtigsten Gremien, die das Überleben gefährdeter Tierarten sichert – und zwar weltweit und buchstäblich in allen Dimensionen, auf dem Land, in der Luft und zu Wasser: Auf der Erde geraten wandernde Tiere in Gefahr, wenn sie Grenzen überschreiten, die sie nicht kennen können; zahlreiche Vogelarten, insbesondere Zugvögel, wandern von einem Kontinent zum anderen und bedürfen besonderer Schutzmassnahmen. Besonders sensibel auf menschliche Einflüsse und teils hochgradig gefährdet sind vor allem die Lebewesen in den Ozeanen: Wale, Delphine und andere Meeressäuger wie Robben oder Eisbären, aber auch Haie, sind in ihren Lebensräumen akut bedroht.

Um auf diese Gefahren aufmerksam zu machen und im Bestreben, dass entsprechende Resolutionen verabschiedet werden, legt OceanCare den Fokus auf drei zentrale Problemkreise: Die Plastik-Vermüllung, die Lärm-Belastung und die Wilderei in den Weltmeeren.

Wir wollen nicht nur die Probleme benennen, sondern zeigen auch Lösungen auf: An unserer Veranstaltung zum Thema Plastik-Vermüllung stellen wir den Delegierten unsere I-Care Kampagne vor, die Bewegung für plastikfreie Meere, die wir vor wenigen Wochen ins Leben gerufen haben. Auch Forscher, Tierretter und Aktivisten kommen zu Wort und zeigen ihr jeweiliges Engagement im Sinne von „I Care“. Wie auch der Privatsektor einen Beitrag leisten kann, wird am Beispiel des Duty-Free-Unternehmens Gebr. Heinemann veranschaulicht. Deren Filialen in deutschen und österreichischen Flughäfen belegen Plastiksäcke mit einer Gebühr, die wiederum den Schutzprojekten von OceanCare zugutekommt. So ist die Anzahl der verkauften Plastiktüten um rund 50 Prozent zurückgegangen.

Im Weiteren streben wir verbindliche Umweltverträglichkeitsprüfungen vor lärmerzeugenden Aktivitäten im Meer, wie z.B. Erdöl-Explorationen an. Konkret: Wer die Meere auf der Suche nach Rohstoffen im Untergrund mit ohrenbetäubenden Schallwellen belasten will, muss erst einmal nachweisen, dass er damit der Umwelt – und dazu gehören natürlich auch die Tiere – keinen Schaden zufügt. Entsprechende Richtlinien über solche Umweltverträglichkeitsprüfungen liegen vor. Unser Ziel ist deren Verabschiedung per Resolution. So bekämen Entscheidungsträger endlich ein Instrument in die Hand, das ihnen bei der Beurteilung eines Gesuchs hilft, eine Tier- und Umweltverträgliche Entscheidung zu fällen.

Bereits am Montag ist eine erste Veranstaltung mit unserer Partnerorganisation Wild Migration und Vertretern aus West- und Zentralafrika angesetzt. Ziel des Events: Die Allianz vorstellen, die sich um Massnahmen kümmert, den Menschen den Appetit auf illegale Meerestiere zu verderben. Dieses so genannte Aquatic Wild-Meat – insbesondere Delphine, Seekühe, Schildkröten und auch Krokodile – wird in vielen westafrikanischen Ländern zu Nahrungszwecken, für traditionelle Arzneimittel oder zur Herstellung von Schmuck getötet.

Es gibt viel zu tun. Ich bin gespannt – und ich freue mich auf konstruktive Gespräche und verbindliche Resultate, die uns dem grossen Ziel, wieder ein Stück näher bringen: Gesundes Leben in sauberen und stillen Meeren …

Aber jetzt gehe ich erst mal schlafen.

Fabienne McLellan

Fabienne McLellan

Co-Leiterin Internationale Zusammenarbeit

Fabienne McLellan, Co-Leiterin Internationale Zusammenarbeit bei OceanCare, nimmt zusammen mit Joanna Toole und Nicolas Entrup an der 12. Vertraagsstaatenkonferenz der Bonner Konvention (CMS) teil.

Die Konferenz zum Schutz wandernder Tierarten findet vom 23. bis 28. Oktober 2017 in Manila statt. Alle Dokumente von OceanCare zur Konferenz finden Sie hier.