Ab 1. Januar 2025 müssen alle Schiffe im Mittelmeer Treibstoffe mit einem Schwefelgehalt von nicht mehr als 0,1% oder Abgasreinigungssysteme einsetzen. Der Gewinn für Gesundheit und Umwelt wird weithin spürbar sein, und zwar nicht nur in den Küstenregionen.

OceanCare begrüsst die einhellige Entscheidung der Mitgliedstaaten der Barcelona-Konvention bei ihrer Konferenz (COP22) vom 7.-10. Dezember 2021 in Antalya (Türkei), der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) ein Überwachungsgebiet für Schwefeloxidemissionen im gesamten Mittelmeer vorzuschlagen (Med SOx ECA).[1]

Aufgrund der Internationalität der Schifffahrt liegt es bei den betreffenden Meeresanrainerstaaten, im IMO-Rahmen gemäss Anhang VI des Internationalen Übereinkommens zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe die Initiative zu ergreifen.

Der Vorschlag für die Einrichtung des Med SOx ECA geht nun unmittelbar an die IMO, eine Sonderorganisation der UNO mit 174 Mitgliedstaaten. Bei Annahme durch die IMO tritt es mit 1.1.2025 in Kraft.

Das klingt nach einer langen Verzögerung, aber der Vorschlag muss von verschiedenen Untereinheiten der IMO begutachtet werden und bis zum formalen Beschluss wird es daher mindestens eineinhalb Jahre dauern. Ausserdem müssen noch einige Anrainerstaaten den Anhang VI von MARPOL ratifizieren, was auch einige Zeit in Anspruch nimmt.

Nichtsdestoweniger ist die jetzige Entscheidung ein grosser Schritt in Richtung Umwelt- und Gesundheitsschutz. Ab 1.1.2025 müssen alle Schiffe, die im Mittelmeer unterwegs sind, Treibstoffe mit einem Schwefelgehalt von nicht mehr als 0,1% oder Abgasreinigungssysteme einsetzen.

Die COP22 beschloss darüber hinaus, dass die Mitgliedstaaten Beratungen über die Durchführbarkeit eines Überwachungsgebietes für Stickoxidemissionen (NOx ECA) aufnehmen sollen, um die Emissionen aus der Schifffahrt zu minimieren und Gesundheit und Umweltschutz weiter zu verbessern.

Die Schaffung eines NOx ECA wäre ebenfalls sehr wichtig, denn es ist wissenschaftlich vielfach belegt, dass ein kombiniertes Überwachungsgebiet für Schwefel- und Stickoxidemissionen die Gesundheitswirkung optimieren würde. Ein kombiniertes SOx und NOx ECA im Mittelmeer könnte im Jahr 2030 zwischen 3.100 und 4.100 vorzeitige Todesfälle verhindern.

Schiffe verwenden immer noch überwiegend schwefelreiche Treibstoffe (v.a. Schweröl), deren Verbrennung neben grossen Mengen an Treibhausgasen auch die oben genannten stark gesundheitsschädlichen Schadstoffe ausstossen. Unter Sonneneinstrahlung produzieren NOx-Moleküle bodennahes Ozon und sowohl SOx als auch NOx bilden Feinstaub (PM). Wenn Menschen diese verschmutzte Luft einatmen, nimmt ihre Gesundheit Schaden, was von vermehrten Krankenständen bis zu vorzeitigem Tod reicht.

Weltweit stehen 60.000 vorzeitige Todesfälle im Zusammenhang mit Luftverschmutzung durch Schiffe. Alleine in der EU verursacht die Umweltverschmutzung durch Schiffe etwa 60 Mrd. Euro an Gesundheitsfolgekosten pro Jahr. Die Emissionen von Schwefeloxiden, Stickoxiden und Feinstaub aus der Schifffahrt sind eine grosse Bedrohung für die menschliche Gesundheit und die Umwelt. In der Mittelmeer-Region sind etwa 250 Millionen Menschen von den Abgasen betroffen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt, dass die Durchschnittswerte in dieser Region ihre Luftqualitätsrichtwerte oft um mehr als das Fünffache überschreiten. Ausserdem werden die WHO-Richtlinien für die Feinstaubfraktion PM2,5 in etwa 70% der Küstenstädte der Mittelmeer-Anrainerstaaten überschritten. Es besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen den grossen Schifffahrtsrouten und den Gebieten mit hohen PM2,5-Konzentrationen. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf die Küstenregionen, wo viele der grössten Städte der Mittelmeerregion liegen.

Ein grosser Teil des internationalen Seeverkehrs zwischen den Ländern Asiens und des Nahen Ostens sowie Europa und Nordamerika findet über das Mittelmeer und die Strasse von Gibraltar statt. Mit anderen Worten: Das Mittelmeer, durch das einige der wichtigsten kommerziellen Schifffahrtsrouten verlaufen, weist derzeit ein hohes Verkehrsaufkommen auf, dessen Intensität bis zur Mitte des Jahrhunderts voraussichtlich um das Zweieinhalbfache zunehmen wird. Aus Sicht des Umwelt- und des Gesundheitsschutzes ist dies besorgniserregend, wenn nicht energische Massnahmen zur Verringerung der hohen Schadstoffemissionen aus der Schifffahrt ergriffen werden.

Der anhaltende Erfolg der bestehenden Emissionsüberwachungsgebiete in Nordeuropa, Nordamerika und anderen Gebieten zeigt, dass die Einrichtung einer ECA im Mittelmeer ebenfalls erhebliche Vorteile in Form einer Verbesserung der Luftqualität bringen wird, und zwar nicht nur an den Schifffahrtsrouten und Küstengebieten, sondern auch in den Hafen- und Binnenstädten.

[1] Decision IG.25/14: Designation of the Mediterranean Sea, as a whole, as an Emission Control Area for Sulphur Oxides (MED SOx ECA) pursuant to MARPOL Annex VI.

 

Informationsvideo, IMO

 

Map illustrating the four Emission Control Areas under IMO’s framework in effect during the IMO’s 4th GHG study scope 2012-2018. Source: IMO, 2020.

 

Emission control areas considered in IMO 4th GHG Study (2012-2018) and their respective stringency and defined geography. Source: IMO, 2020.

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